Filmindustrie: Seltsame Brummlaute

Filmindustrie: Seltsame Brummlaute

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Die Jungschauspieler Megan Fox (links) und Shia LaBeouf spielen in der Fortsetzung des finanziell sehr erfolgreichen Films "Transformers" mit

Die großen Hollywood-Studios verzeichnen in der Krise Rekordumsätze. Doch der Boom verstärkt problematische Trends: Stärker denn je prägt Popcorn-Entertainment das Kino.

In der Gluthitze Ägyptens rennen drei Schauspieler auf einen alten Tempel zu, darunter Jungstar Shia LaBeouf aus dem bislang jüngsten Teil der Abenteuerreihe „Indiana Jones“. Am Horizont zieht eine Karawane pittoresk über die Dünen, in wenigen Metern Entfernung erheben sich die Sphinx und die Pyramiden von Gizeh. Davor ist das Equipment einer Großproduktion aufgebaut, monströse Kamerakräne, Jeeps, Scheinwerfer. Was hier entsteht, ist die Fortsetzung zu dem Fantasy-Abenteuer „Transformers“, dessen ersten Folge weltweit über 700 Millionen Dollar in die Kinokassen spülte und nochmals 275 Millionen an DVD- und Videoerlösen generierte.

Wo Geld ist, fließt neues hinterher – kaum eine Szene bringt die Zweiteilung des US-Filmproduktionsmarktes so auf den Punkt, wie der Dreh beim Pharao. Auf der einen Seite scheint Hollywood keine Grenzen zu kennen, um seinem Publikum spektakuläre Premiumprodukte zu liefern. Als Budgetzahlen für „Transformers – Die Rache“ werden Größenordnungen von bis zu 400 Millionen Dollar kolportiert – das wären Rekordwerte in der Filmgeschichte. Auf der anderen Seite jedoch kann sich auch die Traumfabrik nicht von der Finanz- und Wirtschaftskrise abkoppeln – Transformers wurde im vergangenen Jahr gedreht, seitdem schrumpft die Zahl der Großprojekte, kleine und mittlere Produktionsfirmen zittern, das Geld wird knapp und die Streifen, die noch gedreht wird, dürfen um Himmels Willen nicht floppen.

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Spektakuläre Großproduktionen übertreffen sich gegenseitig

Denn für Film-Visionen wie „Transformers“ sind nicht nur aufwändige Außendrehs notwendig, sondern auch exzessive Trips in die Innenwelt des Computers. 40 exotische Roboterfiguren – die sogenannten Transformers – entstehen in digitaler Animation. Davon erfordert eine Sekunde mit einem einzigen Roboter 18 Arbeitsstunden. Treten also sechs Computerkreaturen auf, dauert das 108 Stunden. Ob derart teure Technik heute noch bezahlt werden könnte, ist mehr als fraglich.

Dennoch ist „Transformers“, der wohl im Juni in die Kinos kommt, typisch für das Filmjahr 2009 – speziell im Zeitraum Ende April bis Anfang August schieben die Studios eine spektakuläre Großproduktion nach der anderen in die Kinos, unter anderem die Comic-Verfilmung „Wolverine“, den vierten „Terminator“; gerade angelaufen ist ein Relaunch von „Raumschiff Enterprise“ mit den jugendlichen Versionen von Captain Kirk und Konsorten. Es folgen noch der neue „Harry Potter“ und der jüngste Wurf von Filmlegende Michael Mann („Heat“) mit Johnny Depp in der Hauptrolle als Bankräuber John Dillinger.

Diese Tendenz zum Popcorn-Reißer begann so richtig in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als die Branche mit Blockbustern wie „Krieg der Sterne“ und „Der weiße Hai“ entdeckte, welches Gewinnpotenzial in einem einzigen Film steckte: Dafür brauchte man Spektakel-Elemente, die sich für Fortsetzungen und andere Auswertungsformen wie Merchandising anboten. Voraussetzung für das Ausschlachten auf allen Kanälen war eine aufwändige Stilisierung mit modernster Tricktechnik.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum es bei Kinofilmen eine Zweiklassen-Gesellschaft gibt. 

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