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Filmpiraterie: Räuber und Gendarm im Kino

von Thomas Stölzel

Die Filmbranche kämpft gegen Millionenverluste durch Raubkopierer. Mit welchen Strategien die großen Studios ihre Kinohits vor Piraterie schützen.

filmlager

Hinter der transparenten Kunststofftür mit dem selbst gedruckten Kein-Durchgang-für-Unbefugte-Schild ragen 24 Regale bis unter die Decke. Angelehnt steht eine alte Leiter. In den rustikalen Gestellen gestapelt liegen Tausende kreisrunder Dosen – rote, blaue, gelbe, schwarze. Ihr Inhalt: 35-Millimeter-Filmrollen für Kinos in Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen – das Neueste aus Hollywood.

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Wo in Norddeutschland die Halle mit dem Filmlager steht, wissen nur wenige. Die zwei Frauen, die das Lager betreiben, wollen nicht einmal den Namen des Unternehmens nennen. Denn sie haften mit viel Geld dafür, dass kein Film verschwindet.

Fällt ein Blockbuster in die falschen Hände, verlieren die Filmstudios in Zeiten schneller Internet-Verbindungen Einnahmen in Millionenhöhe. Wird der Streifen illegal ins Netz gestellt, können Hunderttausende Filmfans ihn binnen Minuten herunterladen und kostenlos zu Hause anschauen, statt eine Kinokarte zu kaufen. In kürzester Zeit schwappen gefälschte DVDs auf Märkte in China und deutsche Schulhöfe.

Fast eine halbe Milliarde Euro Schaden pro Jahr

Allein in Deutschland schädigen Raubkopierer die Filmbranche jährlich um 300 Millionen Euro, wie eine Untersuchung der Universitäten Hamburg und Weimar ergab. Weltweit schätzt der US-Filmverband den Schaden auf 18 Milliarden Dollar. Für 2009 erwartet die Industrie einen weiteren Anstieg der Piraterie. Wenn die Leute durch Rezession und Arbeitslosigkeit weniger Geld haben, sparen sie am Kino, besorgen sich Filme lieber illegal im Netz.

Auf der diesjährigen Berlinale, die am Donnerstag startet, laufen erstmals auf 29 der 49 Leinwände digitalisierte Kinofilme. Die Dateien sind auf zentralen Videoservern gespeichert und verschlüsselt – zum Schutz vor Raubkopierern. Sicherheit hat Priorität: Denn 131 der 386 gezeigten Filme sind Weltpremieren. Besonders US-Streifen gelten als begehrt bei Filmpiraten.

Filmstudios wie Warner, Sony, Fox, Disney, United International Pictures und Constantin tun aber auch sonst alles, um zu verhindern, dass aktuelle Kinofilme sofort im Internet landen. Sie lassen ihre Zuschauer filzen, sie im Kino mit Nachsichtgeräten überwachen, sie liefern Filme unter Tarnnamen aus, stören Internet-Tauschnetze wie BitTorrent und heuern in der Raubkopiererszene Informanten an. Aufhalten können die Studios die hochgerüsteten Filmpiraten nur kurz. Wenige Tage nach Kinostart landet selbst der bestbewachte Blockbuster im Netz. Doch jeder Tag zählt. Denn das Startwochenende bringt an den Kinokassen das meiste Geld.

Das größte Problem der Branche sind heute nicht mehr Filmrollen, die im Lager oder auf dem Weg ins Kino verschwinden. So produzierte eine vietnamesische Bande in den Achtzigerjahren gefälschte VHS-Filmkassetten. Heute droht die Gefahr von Kinobesuchern mit Videokamera oder Diktiergerät. Erst vor wenigen Wochen flogen im Dresdner Rundkino zwei Slowaken auf, die den James-Bond-Film „Ein Quantum Trost“ abfilmten. Ein Junge und sein Vater hatten die Kamera bemerkt. Der Vater informierte das Kinopersonal, Polizisten nahmen die Männer fest – zwei angebliche IT-Spezialisten beim Test einer Videokamera. Laut Kinoleiter Dominique Nikol hatten sie sich die besten Plätze zum Abfilmen gesichert – hinten, mittig.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 01.09.2010, 14:01 UhrAnonymer Benutzer: flinn

    Geld, Gel,d Geld und nur dann Moral wenn es darum geht sein Kapital zu schützen.

    Apropos Raubkopien gibt es nicht, dies ist ein von der industrie absichtlich geprägtes Propaganda Unwort. Es soll den Schwarzkopierer mit einem weit aus schlimmeren Verbrechen in Verbindung gebracht werden. Wo ist da eure Moral ?!?

    Raub ist die gewaltsame Wegnahme einer Sache. Ein Urheberrechtsverstoß stellt eine Ordnungswidrigkeit.

    Aber die Geldgier kennt keine Moral. Die armen industriebonzen und Künstler tun mir aber auch Leid. Die können sich dann keinen vierten Ferrari und dritte Villa leisten.

    Gut keine Frage Urheberrecht muss Geschütz werden und Leitung bezahlt werden. Aber das ist eben nicht immer der Alltag.

    Der Arbeitnehmer bekommt auch nicht immer den gerechtfertigten Lohn, warum soll das bei der industrie, die genau die Arbeitnehmer ausbeutet anders sein ?

    Woher soll den das Geld kommen ?

    a gibt b nichts, b soll a bezahlen ?

  • 09.02.2009, 23:37 UhrAnonymer Benutzer: Nachdenke

    Liebe WiWo : bitte filtert mal diese ewigen Eigenwerbung verbreiteten Harrys raus. Kein bezug zum Artikel und nur Werbung zu posten ist ganz schön armselig.

    Zum Artikel:
    Mich erinnert dieses Gehabe an die Marotte mit dem Kopierschutz bei mp3-Dateien. Angeblich waren die Kozerne um Milliarden betrogen worden, weil sie nicht in der Lage waren, den potentielle Kunden Downloadplattformen anzubieten, verschwinden diese Kopiersperren nun mit dem Ausreifen von Downloadshops.
    im seligen Zeitalter von Analog-Kasseten und dem Überspielen von Schallplatten haben das alle in der industrie offenbar viiiel lockerer gesehen.
    Ebenso fallen mir Parallelen zu den überall sprießenden Parfümerien ein. Je dreister die Preise in diesen Läden steigen, desto eher stehen Wachposten im Eingangsbereich. ich wette, die Gewinnspannen sind größer als beim Rauschgifthandel ! da muß man sich ja gegen potentiell kriminelle Kunden schützen !
    ich rate : boykottiert die o.g. Shops, Kinos etc.. Sollen die Konzerne doch an ihrer Gier ersticken. Die Preise selbst sich schone ´ne Frechheit, mich zu kriminalisieren jedoch muß ich nicht mit meinem Geld unterstützen.
    Die Multis sollen endlich erkennen, daß es mein Geld ist, das sie haben wollen. Dafür erwarte ich ein wenig mehr Respekt und Kundenorientierung !

  • 05.02.2009, 14:39 UhrAnonymer Benutzer: Harry Gambler

    Noch besser ist es, wenn "Räuber und Gendarm" mitten im Leben und der Hauptstadt gespielt werden.
    Kommen sie vorbei uns chauen sich das ganze mal live an:
    http://www.onlinezeitung24.de/article/1311

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