_

Finanzen der Clubs: Die neue Bescheidenheit der Bundesliga

von Markus Hennes und Susanne Metzger Quelle: Handelsblatt Online

Heute startet die Bundesliga in ihre 49. Saison. Zwar rechnen die Klubmanager mit mehr Einnahmen, gespart wird dennoch - zumal die letzte Spielzeit bewiesen hat, dass Geld keine Titel garantiert.

Dortmunds Präsident Reinhard Rauball schaut Geschäftsführer Hans-Jochim Watzke auf die Finger. Quelle: handelsblatt.com
Dortmunds Präsident Reinhard Rauball schaut Geschäftsführer Hans-Jochim Watzke auf die Finger. Quelle: handelsblatt.com

Drei Wochen nach der Weltmeisterschaft der Frauen in Deutschland dreht es sich im Fußball nun wieder um die Männer. Zum Saisonauftakt der Bundesliga treffen Borussia Dortmund und der Hamburger SV morgen Abend aufeinander.

Anzeige

Eine Partie mit Symbolcharakter: Dortmund kann nach dem Gewinn des Meistertitels aus dem Vollen schöpfen. Die Einnahmen aus Sponsorengeldern werden um einen zweistelligen Prozentsatz steigen, sagt Hans-Joachim Watzke, Vorsitzender der Geschäftsführung des BVB. Die Teilnahme an der Gruppenphase der Champions League bringt den Dortmundern weitere 25 Millionen Euro ein.

Der HSV dagegen muss sparen. Nach dem enttäuschenden achten Platz zuletzt, haben sich die Hamburger für keinen internationalen Wettbewerb qualifiziert. Der Verein musste das Budget für die Mannschaft um fast ein Viertel kürzen.

Mit seiner neuen Bescheidenheit liegt der HSV im Trend. Die meisten Bundesligaklubs halten sich bei den Ausgaben zurück. Sie wollen im Schnitt nur zwei Prozent mehr ausgeben, zeigt eine aktuelle Befragung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Das ist verwunderlich, weil sie mit einem Plus von sechs Prozent bei den Gesamteinnahmen rechnen, gaben die befragten Klubmanager zu Protokoll.

Geld schießt keine Tore, lautet eine der Lehren aus der vergangenen Saison. Die Millionentruppen von Wolfsburg und Schalke etwa spielten lange gegen den Abstieg. Dagegen schaffte Dortmund mit einem Mini-Etat von 35 Millionen Euro und einem Durchschnittsalter von 22 Jahren die Meisterschaft.

Die meisten Erstligisten setzen deshalb jetzt verstärkt auf den Nachwuchs statt auf teure Stars. Die Vereine wollen die neue Saison positiv abschließen, nachdem zuletzt noch einige Klubs finanziell zu kämpfen hatten. Außerdem sitzt ihnen der europäische Fußballverband im Nacken: Die Uefa will mit strengen Auflagen für einen fairen Wettbewerb im europäischen Profifußball sorgen. Danach dürfen Profiklubs ab dem Jahr 2014 nur noch so viel ausgeben, wie sie durch den Spielbetrieb einnehmen.

Der dadurch angeregte Sparwille der Bundesliga zeigt sich besonders bei den Neuverpflichtungen. Die 18 Vereine gaben für neue Spieler bisher 137 Millionen Euro aus. In der italienischen Serie A waren es mit 375 Millionen Euro dreimal so viel.

Wieder mehr Dauerkarten verkauft

Mit Spielerverkäufen nahmen die Bundesligisten 101 Million Euro ein – 36 Millionen Euro weniger als sie für neue Spieler ausgegeben haben. Die Differenz geht fast komplett auf das Konto der Münchener Bayern und des VfL Wolfsburg. Hinter den „Wölfen“ steht der Volkswagen-Konzern, der in den vergangenen Jahren stets die Löcher in der Bilanz stopfte. Andere Vereine müssen dagegen alleine klarkommen.

Rekordmeister Bayern, der umsatzstärkste Bundesligist, leistet sich mit der Verpflichtung von Nationaltorhüter Manuel Neuer den teuersten Neueinkauf. 22 Millionen Euro überwiesen die Bayern an Schalke 04. Die Gelsenkirchener, anders als die Bayern hochverschuldet, haben dadurch ihre Kasse signifikant aufgebessert.

Die Kasse klingelt aber auch bei allen Vereinen: Kirchen und Parteien verlieren Mitglieder, der Zuschaueransturm in die Stadien hält dagegen an. Die 18 Erstligavereine haben bereits deutlich mehr als 480 000 Dauerkarten verkauft – 20 000 Tickets mehr als vor einem Jahr. Die meisten Tickets setzten die Mannschaften mit der größten Fangemeinde Dortmund, Schalke und Bayern ab.

Allerdings warnt Ernst & Young-Experte Thomas Fuggenthaler vor allzu großem Optimismus für die kommenden Jahre: So gebe es bei der Stadionauslastung, die in der ersten Liga bei fast 95 Prozent liege, kaum Steigerungspotenzial. Die Hospitality-Vermarktung von Logen an Firmenkunden sei zudem durch die nicht eindeutige Compliance-Rechtslage gehemmt: „Viele Unternehmen zögern derzeit, Logen in Fußballstadien als Marketinginstrument zu nutzen, weil unklar ist, was erlaubt ist und wo die Grauzone der Bestechung beginnt.“

Luft nach oben sehen die Klubs daher vor allem an anderer Stelle: 75 Prozent der Erstliga-Manager rechnen in der neuen Saison mit steigenden Einnahmen aus dem Verkauf von Fan-Artikeln, und sogar 88 Prozent der Befragten erwarten Zuwächse bei Werbung und Sponsoring, wie aus der Ernst & Young-Studie hervorgeht.

Auch bei den Medienrechten hoffen 44 Prozent der Erstligisten auf einen Anstieg der Einnahmen. Laut Fuggenthaler gebe es hier vor allem im Ausland Potenzial, da die Klubs im Inland an langfristige Verträge gebunden sind. Die Ausschreibung für die TV-Rechte für die Saison ab 2013 steht im Herbst an.

weitere Fotostrecken

Blogs

Kleines Jubiläum: Ein Jahr täglich gebloggt
Kleines Jubiläum: Ein Jahr täglich gebloggt

Seit Mai 2012 veröffentliche ich jeden Werktag einen Blogpost, macht seitdem gut 200 Beiträge. Eine Rückschau - und eine...

    Folgen Sie uns im Social Web

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche Shop

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.