Finanzindustrie: Chinas Banken kommen nach Europa

Finanzindustrie: Chinas Banken kommen nach Europa

von Matthias Kamp

Angriff aus Fernost: Die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) will in den kommenden Tagen gleich fünf Filialen in Europa eröffnen. Im Vergleich zu ihren westlichen Konkurrenten hinken Chinas Banken bei der Expansion ins Ausland aber noch hinterher.

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Logo der chinesischen Großbank ICBC

Niederlassungen in Paris, Brüssel, Amsterdam und Mailand wird die ICBC in dieser Woche eröffnen. In der kommenden Woche soll dann eine neue Filiale in Madrid ihre Tore öffnen. Zweigstellen in Moskau und Frankfurt hat Chinas größtes Finanzhaus bereits, die Europazentrale ist in Luxemburg. Von der Mainmetropole aus betreut die ICBC unter anderem chinesische Unternehmen bei ihren Aktivitäten in Deutschland.

Seit Chinas Regierung Anfang vergangenen Jahrzehnts die Unternehmen des Landes aufrief, ins Ausland zu expandieren, haben sich auch die Banken im Reich der Mitte auf den Weg nach Europa und in die USA gemacht. Wenn etwa der Konzern Huawei aus dem südchinesischen Shenzhen seine Telekomanlagen in Holland oder Großbritannien verkauft, der Hausgerätehersteller Haier versucht, neue Märkte in Südeuropa zu erschließen, sind Chinas Kreditinstitute meist dabei. Im Zuge der weltweiten Finanzkrise hat sich der Trend noch beschleunigt: Chinas Konzerne haben seit Ende 2008 vestärkt Firmen im Ausland übernommen, waren die Bewertungen doch historisch günstig.

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ICBC will Aktivitäten kräftig ausweiten

Mit Abstand am weitesten bei der Internationalisierung ist die Bank of China (BoC). Das Finanzhaus, das in Deutschland unter anderem Filialen in Frankfurt am Main und Hamburg unterhält, hat Niederlassungen in insgesamt elf europäischen Städten. Demnächst wid die Bank ihre Aktivitäten in New York kräftig ausweiten: Dort wird das Kreditinstitut Devisenhandel in chinesischer Währung abwickeln – ein weiterer Schritt der chinesischen Regierung auf dem Weg zur  Internationalisierung des Yuan.

Doch die ICBC hat in den vergangenen Jahren aufgeholt. Die Bank, die vor gut vier Jahren mit einem spektakulären Börsendebüt Schlagzeilen machte, hat in den letzten Jahren Filialen in Vietnam, Malaysia, Thailand und Kanada eröffnet. In Indonesien und Thailand hat die ICBC kleinere Banken übernommen, die jetzt unter chinesischem Namen firmieren. Damit hat sie nun in beiden Ländern je 20 Filialen. In Kanada hat die ICBC im letzten Jahr sechs Niederlassungen der Bank of East Asia übernommen. Ein kleines Filialnetzt betreibt sie außerdem im Nahen Osten. Insgesamt unterhält die ICBC 200 Geschäftststellen in 28 Ländern, inklusive Hongkong und Macau. Mit diesen erwirtschaftete sie 2010 nach eigenen Angaben einen Gewinn von umgerechnet einer Milliarde US-Dollar.

US-Behörden hegen oftmals Bedenken

Im Vergleich zu ihren westlichen Konkurrenten wie Citigroup, HSBC oder Deutsche Bank, die rund um den Globus Tausende Filialen unterhalten, hinken Chinas Banken bei der Internationalisierung aber noch hinterher. Zum einen ist dies auf die restriktive Genehmigungspolitik der chinesischen Behörden zurückzuführen. Doch auch die Aufsichtsbehörden in anderen Ländern sind zum Teil sehr zurückerhaltend, wenn es darum geht, chinesischen Banken eine Lizenz zu erteilen. In den USA etwa äußern die Behörden regelmäßig Bedenken, Chinas Banken seien möglicherweise nicht in der Lage, ihre Banken angemessen zu beaufsichtigen – angesichts der Entwicklungen im amerikanischen Finanzsektor seit 2008 wohl eher ein Witz.

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