Finanzkrise: Alte Fehler bei SAP

KommentarFinanzkrise: Alte Fehler bei SAP

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Michael Kroker

Softwaregigant SAP hat seine Umsatzerwartung wegen der Finanzkrise revidiert. Der dramatische Kurseinbruch am gestrigen Tag spiegelt jedoch auch das verlorene Vertrauen der Investoren in die Kommunikation der Walldorfer wider, kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Michael Kroker.

Unglücklicherweise sei auch SAP nicht gegen die Finanzkrise immun, musste SAP-Chef Henning Kagermann gestern kleinlaut konstatieren. 

SAP ist das erste Schwergewicht der IT-Branche, das wegen der weltweiten Börsenturbulenzen ein schwächeres Wachstum als erwartet bekannt gibt.

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Doch allein damit ist die drastische Reaktion der Börse – die SAP-Aktie sackte in der Spitze um mehr als ein Fünftel in den Keller, am Ende vernichtete der Einbruch um 16 Prozent immer noch rund sieben Milliarden Euro Börsenwert – nicht zu erklären.

Viele Investoren haben das Vertrauen in die Solidität der Walldorfer Kommunikation verloren. Noch Ende Juli gab sich der sonst so zurückhaltende Kagermann derart optimistisch, dass er die eigene Prognose leicht nach oben setzte – keine zehn Wochen später dann das schmallippige Zurückrudern.

SAP überrascht nicht das erste Mal mit unerwarteten Kehrtwendungen

Mit dem neuerlichen Kotau wiederholt SAP alte Fehler. Denn es ist beileibe nicht das erste Mal, dass Europas größter Softwarekonzern seine eigene Einschätzung kassieren musste oder die Märkte mit unerwarteten Kehrtwendungen überraschte.

Wie im Herbst des vergangenen Jahres. Noch im September 2007 schloss Kagermann in einem Interview mit der WirtschaftsWoche Großübernahmen kategorisch aus: „Warum sollten wir eine Großakquisition brauchen?“ Nur um Mitte Oktober – gerade mal vier Wochen später – für 4,8 Milliarden Euro den französisch-amerikanischen Konkurrenten Business Objects zu schlucken.

Die Begründung klang mehr als dünn: Vorher habe man schlicht keine Kapazitäten für eine derartige Übernahme frei gehabt.

Oder das Hin und Her bei der neuen Mittelstandssoftware Business ByDesign: Noch Ende des vergangenen Jahres hieß es, das neue Produkt sei der wichtigste Wachstumstreiber für SAP und werde dem Konzern bereits 2010 eine Milliarde Dollar zusätzlichen Umsatz liefern.

Im Frühjahr dieses Jahres dann der erneute Rückzieher: Die Ziele könnten erst 12 bis 18 Monate später erreicht werden; dennoch werde SAPs Wachstumsmotor nicht stottern, weil die neue Software ja nicht die einzige Quelle für neues Geschäft sei. „Von einer Wachstumskrise kann also nicht die Rede sein, ganz im Gegenteil“, beteuerte der SAP-Co-Chef und designierte Kagermann-Nachfolger Leo Apotheker im Mai gegenüber der WirtschaftsWoche.

Kein Wunder, dass Anleger der SAP-Aktie in Scharen den Rücken kehren

Kein Wunder, dass Anleger der SAP-Aktie in Scharen den Rücken kehren. Auch am heutigen Tag ist SAP mit einem Minus von derzeit fast zehn Prozent einer der größten Verlierer unter den Dax-Werten. Kagermann und Apotheker müssen nicht nur mit der Investitionszurückhaltung ihrer Kunden wegen der Finanzkrise fertig werden. Sondern schleunigst das ramponierte Vertrauen der Investoren in die Verlässlichkeit ihrer Vorhersagen wiederherstellen.

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