Finanzkrise: Bahnbörsengang ist vorerst abgesagt

Finanzkrise: Bahnbörsengang ist vorerst abgesagt

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Hartmut Mehdorns Börsenpläne sind zunächst gescheitert

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hat sich bis zum Schluss gewehrt. Erfolglos. Der lange geplante Börsengang der Bahntochter DB Mobility Logistics ist abgesagt.

Das teilte das Bundesfinanzministerium heute mit. Damit entgehen dem Bundeshaushalt fest eingeplante Milliardensummen, die sich die Bundesregierung aus dem Börsengang erhofft hatte.

Der Börsengang der Deutschen Bahn wird verschoben. Das bestätigte das Bundesfinanzministerium heute in Berlin. Angesichts „der extremen Unsicherheiten an den Finanzmärkten und zur Wahrung eines fairen Preises“ sei entschieden worden, den Börsengang der Bahntochter DB Mobility Logistics AG „bei einem besserem Marktumfeld vorzunehmen“. Eigentlich hätte das bundeseigene Unternehmen am 27. Oktober erstmals an der Börse gehandelt werden sollen.

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Ein neuer Termin steht noch nicht fest. Wann er nun stattfinden soll, ist offen und im wesentlichen von der Lage an den Märkten abhängig. Die Opposition im Bundestag begrüßte den Schritt ebenso wie die bekannten Kritiker. Der Lenkungsausschuss des Eigentümers Bundesregierung, dem Bahn-Vorstandsmitglieder und hohe Beamte aus den Ministerien für Wirtschaft, Finanzen und Verkehr angehören, wollte am Donnerstag verschiedene Szenarios für eine Wiederaufnahme des Börsengang-Zeitplans diskutieren.

Ursprünglich sollte am kommenden Montag die Zeichnungsfrist für Privatanleger beginnen. Das ist jetzt abgesagt. Der Börsengang war Schlüsselelement der Teilprivatisierung der Deutschen Bahn. Nach jahrelangem Hin und Her über Art und Umfang der Privatisierung des letzten deutschen Staatskonzerns sollten von der Personen- und Güterverkehrssparte des Konzerns, die nun „DB Mobility Logistics AG“ heißt, 24,9 Prozent an die Börse gebracht werden. Der Rest sollte in Bundeshand bleiben, ebenso wie das Schienennetz, das  aktienrechtlich abgetrennt wurde und nach wie vor zu 100 Prozent dem Bund gehören soll.

Die Schätzungen über den Erlös reichten von drei bis acht Milliarden Euro; als realistisch wurden zuletzt - vor dem Absturz der Börsen - 4,5 Milliarden genannt.

Offenbar ist es nicht gelungen, in Vorgesprächen einen Preis zu erzielen, der angesichts der in Deutschland seit Tagen weit unterbewerteten Aktien diesen Erlös auch nur annähernd sicherstellt. Finanzminister Peer Steinbrück und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee hatten zuvor erklärt, die Bahn nicht unter Wert an die Börse bringen zu wollen. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Horst Friedrich begrüßte die Verschiebung mit den Worten: „Regierung und Opposition sind sich in einem Punkt einig: Es muss bei den Verkaufserlösen von fünf bis acht Milliarden Euro bleiben, die der politischen Entscheidung zugrunde gelegt wurden.“ Ein „besseres Marktumfeld“ sei für die Teilprivatisierung nötig. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn sprach von einer „Notbremsung“ und forderte einen „Neuanfang in der Bahnpolitik mit frischen Ideen und neuen Leuten“.

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac feierte die Verschiebung als Erfolg. „Heute lassen wir die Sektkorken knallen“, sagte sein Bahnexperte Carl Waßmuth. Attac forderte die Bundesregierung auf, die Privatisierungspläne für die Bahn nun „ein für allemal zu beerdigen“. Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) begrüßte die „späte Einsicht“ angesichts der Situation an den Kapitalmärkten.

Damit könnte der Bahnbörsengang mittelfristig ganz gescheitert sein. Insbesondere in der SPD-Bundestagsfraktion wächst die Liste der grundsätzlichen Gegner ständig. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werden keine all zu großen Gelüste nachgesagt, das in der Bevölkerung unbeliebte Thema ausgerechnet im Wahljahr 2009 auf die Agenda zu setzen. Zuletzt hatten zudem auch einige CDU-Länderminister gegen die Privatisierungspläne opponiert.

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