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Finanzkrise: Banken: Der Staat übernimmt das Kommando

von Melanie Bergermann (Frankfurt), Stefani Hergert und Mark Böschen

Die Krise spitzt sich zu, Berlin muss immer neue Banken mit Milliardensummen retten. Welche Blasen als Nächstes platzen werden.

Der Staat greift nach den Banken Quelle: Dmitri Broido, Tom Mackinger
Der Staat greift nach den Banken Quelle: Dmitri Broido, Tom Mackinger
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Die Commerzbank vergibt künftig zinsgünstige Kredite an Unternehmen, die in den Umweltschutz investieren und auf Kündigungen verzichten. Das verkündet Commerzbank-Chef Martin Blessing auf der Hauptversammlung. Dort erläutert er den Aktionären auch die moderaten Ertragszahlen seiner Bank und fordert für das kommende Jahr Bescheidenheit. Der Ertrag könne allenfalls stabil bleiben, schließlich würde die Bank die Gehälter ihrer Berater um zehn Prozent erhöhen. Außerdem sollten die Kunden künftig in erster Linie gut beraten werden, statt ihnen ständig neue Produkte zu verkaufen. Damit würden die Provisionen drastisch zurückgehen. Macht nichts: „Ein kleiner, aber feiner Gewinn am Ende des Jahres ist doch auch schön“, tröstet der Manager seine Anteilseigner.

Alles nur ein Traum? Wenn es nach Detlev von Larcher ginge, dem Finanzmarktexperten der globalisierungskritischen Organisation Attac, würde das Bankensystem genau so aussehen. Larcher fordert, dass die Finanzinstitute sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren: das Aufbewahren und Verleihen von Geld und die Abwicklung monetärer Transfers. Ein System, das solide wirtschaftet, aber nicht Jahr für Jahr Rekordgewinne anstrebt. Ein Bankenwesen, das ohne hochkomplizierte Dinge auskommt wie Kreditverbriefungen oder Leerverkäufe. Die Chancen, dass Larchers Traum zumindest ansatzweise wahr wird, standen noch nie so gut.

Radikaler Umbruch

Denn die Bankenbranche steht vor einem radikalen Umbruch. Längst ist aus der Krise einzelner Institute ein Problem des gesamten Systems geworden. Der Staat steigt als Aktionär bei der Commerzbank ein und indirekt auch bei der Deutschen Bank. Der Branchenprimus schockt die Finanzwelt mit Milliardenverlusten. Berlin denkt auch über eine Verstaatlichung des angeschlagenen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate nach.

Die Banken belastet nicht nur das Geschäft mit Immobilienkrediten, die in Form von inzwischen vielfach wertlosen Wertpapieren in die ganze Welt verkauft wurden. Diese haben die meisten Institute bereits abgeschrieben. 2009 werden den Banken vielmehr wesentliche Geschäftsbereiche wegbrechen — angefangen beim Firmenkundengeschäft über den Gewerbeimmobilienmarkt und Schiffsfinanzierungen bis hin zum Geschäft mit Staatsanleihen. Platzen auch diese Blasen, dürften nahezu alle Banken Verluste schreiben. Nach Informationen der WirtschaftsWoche stellt sich die Bundesregierung bereits darauf ein. In den Regierungsfraktionen heißt es, dass dann noch mehr Geld zur Rettung der Banken zur Verfügung gestellt werden müsse.

Besonders peinlich sind seine schlechten Zahlen für den Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Stets hatte er betont, auf Staatshilfe nicht angewiesen zu sein. Doch nun hat auch der stolze Ackermann Finanzminister Peer Steinbrück mit am Tisch sitzen, wenn auch nur indirekt. Um den Kauf der Postbank planmäßig durchziehen zu können, ohne dass die Deutsche Bank ihre Eigenkapitalquote senken muss, steigt der bisherige Mehrheitseigentümer der Postbank, die Deutsche Post, mit acht Prozent bei der Deutschen Bank ein. Die Post gehört zu 31 Prozent der staatlichen KfW Bankengruppe. Am liebsten wäre Ackermann, wenn der Staat auch gleich eine sogenannte Bad Bank gründen würde, bei der dann alle Banken ihre faulen Wertpapiere abladen können. Dann würde das Geschäft wieder rund laufen, und die Institute müssten sich nicht mit dem neuen Eigentümer Staat herumschlagen.

34 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.02.2009, 17:53 UhrAnonymer Benutzer: HeGe

    Die Verschuldungskrise trifft doch die ganze Welt. Afrika ist längst in Schulden ersoffen, keinen interessiert das noch, jetzt hat es uns erwischt. Was wir jetzt erleben ist mehr Symptom als Ursache.

    Die Krise besteht in dem exponentiell angewachsenen Missverhältnis zwischen biP und bankenaktiva. Dieses Verhältnis betrug 1950 40%, 1970 dann schon 106 % und heute sind es gut 330 % (2400 Mrd. biP zu 8100 Mrd. bankenaktiva Ende 2008). Allein der jährliche Zuwachs der Aktiva von zuletzt 600 Mrd. Euro/Jahr erzeugt inzwischen einen Zinsdruck von rund 60 Mrd. Euro, der das überhaupt noch mögliche Wachstum des biP (letzte Zeit durchschnittlich kaum 40 Mrd.) regelmässig übertrifft.

    Die Folge ist, dass das biP-Wachstum nicht mehr beim Arbeiter und Angstellten ankommt, weil es nicht mehr ankommen kann! Es wird durch Finanztricks aller Art vollkommen und darüber hinaus abgeschöpft. Der bürger hat trotz aller persönlicher Anstrengungen automatisch jedes Jahr weniger Netto.

    Die Kreditklemme ist nicht dadurch verursacht, dass zu wenig Geld da wäre, im Gegenteil es ist zu viel da. Was die Kreditklemme verursacht ist die berechtigte befürchtung, das die Vermögen (bankenpassiva) die den Aktiva in gleicher Höhe gegenüber stehen, keine Renditen mehr bringen oder gar verloren gehen.

    Deswegen helfen die aktuellen Programme auch nicht weiter, sondern verschlimmern die Situation nur noch. insbesondere weil auch der Staat über neue gigantischen Schulden die Aktiva weiter aufbläht und auch jede Handlungsfähigkeit verliert.

    Es sind die überbordenden Vermögen und Supervermögen die weg müssen, bevor es wieder aufwärts gehen kann. Das beste ist wirklich, die banken rigoros pleite gehen zu lassen, je mehr je besser.

    Der einzige Ausweg ist sonst über kurz oder lang eine totale Währunsgreform. Wenn man sie nicht rechtzeitig selbst in die Hand nimmt, wird sie nach großem Leiden wieder einmal von selbst kommen.

    http://tandemvipera.blogspot.com

  • 31.01.2009, 17:46 UhrAnonymer Benutzer: Kavai

    Nun diejenigen die das Taschenbuch von Max Otte "Der Crash kommt" gelesen haben, haben rechtzeitig reagiert und ihre Verluste klein gehalten.

  • 24.01.2009, 00:27 UhrAnonymer Benutzer: minimus

    der staat ubernimmt nie etwas,;und wenn , dann kommt nur scheisse raus
    weiterschlafen ,und weiter profitieren!!!!

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