Finanzkrise: Banken vor dem Umbruch

Finanzkrise: Banken vor dem Umbruch

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Der Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Heinrich Haasis

Die Banken stehen vor dem größten Umbruch seit Jahrzehnten. Das künftige Geschäft wird breiter, konservativer – und regulierter.

Preisträger oder Grabredner? Wer Jean-Claude Trichet am vergangenen Dienstag im großen Festsaal des Frankfurter Römer sah, konnte nur schwer den Unterschied ausmachen. Der Präsident der Europäischen Zentralbank, gerade als „European Banker of the Year 2007“ ausgezeichnet, zeigte kaum Freude. Stattdessen hielt er sich am eichenen Pult fest und sprach mit langsamer, getragener Stimme – von unfähigen Finanzinstitutionen, zu leichtfertiger Kreditvergabe und davon, dass die Turbulenzen am Finanzmarkt „substanzielle Auswirkungen“ auf die reale Wirtschaft haben könnten. Mehr als 200 Gäste lauschten mit versteinerten Mienen. Viele verschwanden gleich nach der Ehrung.

Die Stimmung in der deutschen Bankenlandschaft ist bedrückt und aufs äußerste gespannt. „Die Gesamtlage ist sehr bedrohlich, es herrscht größte Verunsicherung und eine gestörte Marktfunktion“, sagt Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz. Ähnlich sieht das Heinrich Haasis, Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV): „Die Selbstheilungskräfte der Banken sind massiv gestört. Weitere Belastungen sind aktuell zwar nicht erkennbar, aber die Turbulenzen auf den internationalen Märkten lassen auch deutsche Banken nicht unbelastet.“

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Spätestens mit der Rettungsaktion für die immerhin im Dax notierte Hypo Real Estate Anfang vergangener Woche ist die nächste Welle der weltweiten Finanzkrise auch in Deutschland angekommen. Mit zuvor ungekannter Schärfe. Die Angst vor weiteren Bankpleiten bestimmt das Handeln. Inzwischen ist sich die Branche nahezu einig, dass nur massive staatliche Unterstützungen das Finanzsystem vor dem Kollaps bewahren können.

Was auch immer in den kommenden Wochen passiert: Das Bankgeschäft, wie es bisher üblich war, wird es in Zukunft so nicht mehr geben. Das Investment Banking wird auf absehbare Zeit weitaus weniger abwerfen. Vom Börsencrash verprellte Anleger fallen als Quell üppiger Anlageprovisionen aus. Das Leihen und Verleihen von Geld an Großkunden wird, weil zumindest einigen Großbanken und Spezialfinanzierern das nötige Kapital dazu fehlt, nicht mehr wie bisher funktionieren. Rückgänge sind auch im Mittelstandsgeschäft zu erwarten, wenn es zu der sich abzeichnenden konjunkturellen Abkühlung kommt (siehe Tabelle).

Die Banken müssen sich neu erfinden

Auf gut Deutsch: Die Banken, ob in Deutschland, Europa oder den USA, müssen sich völlig neu erfinden.

Die Richtung, in die die Reise geht, lässt sich bereits erkennen. Bislang äußerst profitable Bereiche wie das Geschäft mit Verbriefungen von Krediten oder der Eigenhandel finden, wenn überhaupt, nur in deutlich geringerem Umfang statt. Die Banken meiden das Risiko und werden deshalb weniger verdienen. „Nachhaltige Eigenkapitalrenditen von 25 Prozent und mehr sind nicht möglich, wenn nicht gleichzeitig das Risiko sehr erhöht wird“, sagt Alexander Klemm, Deutschland-Chef der britischen Investmentbank Cazenove.

Die Erträge im Investmentbanking sind bereits deutlich zurück gegangen. Bei der Deutschen Bank stammten 2007 noch mehr als zwei Drittel aus dem Kapitalmarktgeschäft. Im ersten Halbjahr 2008 steht als Ergebnis unter dem Strich vor Steuern ein Minus von 27 Millionen Euro.

Sicher stirbt das Kapitalmarktgeschäft der Banken nicht aus. „Unternehmen werden weiterhin gekauft und verkauft werden, Finanzierungen werden benötigt und es wird Börsengänge sowie Kapitalerhöhungen geben“, sagt Andreas Dombret, Deutschlandchef der Bank of America.

Doch wird dies auf kleinerer Flamme stattfinden. Dafür wird schon der Staat sorgen, der jetzt überall den Banken zur Seite springen soll. Zur Disposition stehen ganze Geschäftsabläufe. Dazu zählt das in Verruf geratene, bislang eifrig praktizierte sogenannte „Originate-and-Distribute“-Modell. Danach konnten Banken Kredite zu Paketen bündeln und einfach weiter verkaufen, ohne dass bei ihnen ein Risiko zurückblieb. Das motivierte Finanzierer in den USA überhaupt erst dazu, Hypotheken an bonitätsschwache Schuldner zu vergeben. Nun soll zumindest ein Anteil von bis zu 20 Prozent bei ihnen bleiben, fordert etwa Finanzminister Peer Steinbrück.

Erst recht stehen die sogenannten Zweckgesellschaften auf der Abschussliste der Regulierer, in denen Banken ihre riskanten Engagements außerhalb der Bilanz verbergen konnten. Das wurde etwa der Düsseldorfer IKB zum Verhängnis.

Auch ihre Anreizsysteme werden die Banken wohl oder übel überarbeiten. Belohnt wurde in den vergangenen Jahren vor allem der kurzfristige Erfolg. 33 Milliarden Dollar schütteten die Wall-Street-Banken noch für das vergangene Jahr an ihr Personal aus. Bereits jetzt bemühen sich die Banken, Bonuszahlungen langfristiger auszurichten. Traumgehälter werden selbst Topbanker mittelfristig nicht mehr einstreichen können.

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