Finanzkrise: Banken wollen sich selber helfen

KommentarFinanzkrise: Banken wollen sich selber helfen

von Mark Fehr

Vereint stemmt sich die deutsche Finanzbranche gegen die obligatorischen staatlichen Kapitalspritzen. Das nächste Menetekel hat jetzt die Ratingagentur Fitch verkündet - sie droht der Deutschen Bank und anderen Großbanken mit schlechteren Bonitätsnote.

Schlechte Zeiten schweißen offenbar zusammen. Während die deutschen Bankenverbände für gewöhnlich scharfe Interessenskonflikte ausfechten, stellen sie sich plötzlich geschlossen gegen die Politik. Den Vorschlag, der Branche staatliches Eigenkapital notfalls per Zwang einzuflößen, lehnt nicht nur das Lager der Privatbanken ab. Neben Andreas Schmitz, dem Präsidenten des Bundesverbands deutscher Banken hat auch Uwe Frölich, Verbandschef der Volks- und Raiffeisenbanken seine Unterschrift unter einen Brandbrief an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gesetzt.

Keine Bankenkrise?

Selbst der Bundesverband der öffentlichen Banken, vertreten durch Christian Brand sowie die Sparkassengruppe mit ihrem Präsidenten Heinrich Haasis, hat das Papier signiert. Eventuell bestehenden Eigenkapitalbedarf wollen die Banken – anders als derzeit von Spitzenpolitikern vorgeschlagen – in eigener Verantwortung und individuell decken. Sie kritisieren die öffentliche Interpretation der aktuellen Marktunruhen. "Es handelt sich um eine Staatsschuldenkrise und nicht um eine Bankenkrise“, schreiben die Institute. Unterzeichnet hat auch Jan Bettnik vom Verband deutscher Pfandbriefbanken.

Anzeige

Doch es ist zu bezweifeln, ob die Banken es aus eigener Kraft schaffen, ihr Haftungspolster aufzustocken. Mehr Kapital ist aber dringend nötig. Die Angst vor immer größeren Ausfällen von Krediten an die öffentliche Hand, insbesondere in den südeuropäischen Ländern, schürt Misstrauen in die Bonität vieler bedeutender Finanzinstitute. Das Problem: Die Banken haben den Staaten hohe Kredite gewährt, müssen aber zittern, ob sie das Geld in voller Höhe und pünktlich zurückbekommen.

Misstrauen überall

Schon jetzt trauen sich die Institute gegenseitig nicht mehr über den Weg. Banken, die noch liquide sind, bunkern ihre Geld lieber bei der Notenbank als es zu verleihen. Das bringt die lebenswichtigen Finanzströme zwischen den Instituten zum versiegen und mindert deren Bereitschaft, Unternehmen Geld für Investitionen zur Verfügung zu stellen. Die Märkte haben längst reagiert. Investoren geben ihr Kapital nur noch gegen üppige Risikoaufschläge in den Finanzsektor und kaufen lieber Industriewerte statt Bankaktien. Die Kosten von Versicherungen gegen den Ausfall von Bankanleihen explodieren. Kein Wunder, dass die Ratingagentur Fitch die Bonitätsnoten großer europäischer Banken überprüfen will. Sogar die Deutsche Bank steht auf der Liste. Eine Herabstufung droht auch dem britischen Institut Barclays sowie der französische Société Générale. Sollten neben griechischen Anleihen auch Kredite an größere EU-Länder wie Spanien oder Italien ausfallen, würde das tiefe Lücken in die Bilanzen der betroffenen Banken reißen. Bei der Deutschen Bank etwa erwarten Analysten einen Kapitalbedarf von bis zu 9,7 Milliarden Euro und bei der Commerzbank bis zu 14,7 Milliarden Euro. Derzeit ist es unwahrscheinlich, dass private Investoren diese Lücken füllen können. Schließlich entspräche der mögliche Kapitalbedarf der Deutschen Bank etwa zwei Dritteln des aktuellen Marktwerts. Bei Commerzbank würde der Betrag sogar den derzeitigen Börsenwert unterschreiten.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%