
Die langfristen Folgen der Finanzkrise sind noch immer nicht vollständig absehbar, doch eins scheint sicher: Das Vertrauen der Deutschen in die Finanzbranche wird vermutlich auf lange Zeit schwer beschädigt sein. Dem „TrustTracker“ des Marktforschungsinstituts Psychonomics zufolge, standen in den vergangenen Tagen zeitweise bis zu 77 Prozent der Verbraucher dem gesamten Finanzmarkt sehr misstrauisch gegenüber. Nach Bekanntgabe des Rettungspakets hat sich die Situation zwar wieder leicht entspannt, die betroffenen Finanzunternehmen werden trotzdem noch große Anstrengungen unternehmen müssen, um das verloren gegangene Vertrauen wiederherzustellen.
Doch nicht nur die traditionellen Kreditinstitute sind von den Imageverlusten betroffen: Wie eine aktuelle BrandIndex-Analyse zeigt, leidet die Branche der Fonds- und Finanzdienstleister noch stärker unter der Krise. Während die gesamte Bankenbranche innerhalb kürzester Zeit im Schnitt 19 BrandIndex-Punkte verlor, sackte der ohnehin bereits zuvor schwache Indexwert der 23 berücksichtigten Fonds- und Finanzdienstleister sogar um 32 Punkte ab.
Zu dieser Branche zählen Fondsgesellschaften wie DWS, DIT oder Union Investment sowie die klassischen Finanzdienstleister wie MLP oder AWD. Im Gegensatz zu Banken bieten diese Unternehmen in der Regel überwiegend Dienstleistungen an, die weniger das Kreditgeschäft betreffen, sondern vornehmlich Bereiche wie das Anlagegeschäft oder die Finanzberatung. Auch die großen Kreditkartenorganisationen Visa und Mastercard zählen zu diesem Zweig.
Der Imageeinbruch der Finanzmarken begann Mitte September, als die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz anmelden musste. Wenig später beschleunigte dann vor allem der Beinahe-Zusammenbruch der deutschen Hypo Real Estate den Vertrauensverlust der Verbraucher.
Besonders der im BrandIndex gemessene „allgemeine Eindruck“, den die Finanzunternehmen den Verbrauchern vermitteln und die wahrgenommene Qualität der Dienstleistungen litten auffallend stark unter dem Einbruch. Nicht überraschend ist, dass auch die durchschnittliche Markenpräsenz deutlich absank. Diese misst, ob die Befragten kurzfristig etwas Positives oder Negatives über eine Marke gehört haben.
Nach dem Beschluss der Bundesregierung vom 13. Oktober, den Finanzmarkt mit einem milliardenschweren Hilfspaket zu unterstützen, konnten sich die durchschnittlichen BrandIndex-Werte der Banken immerhin auf minus 15 Punkte stabilisieren. Die Fonds- und Finanzdienstleister stabilisieren sich im gleichen Zeitraum bei Indexwerten von etwa minus 32 und bewegen sich damit auf einem noch schlechteren Niveau.
Gegen den allgemeinen Trend entwickelten sich lediglich die Imagewerte der Sparkassen und der Volks- und Raiffeisenbanken. Vergleichsweise stabil zeigen sich unterdessen auch die BrandIndex-Werte der Versicherungsgesellschaften: Mit einem Branchenwert von aktuell vier Punkten wird das Image der Versicherer von den Deutschen nicht wesentlich schlechter bewertet, als noch vor einigen Wochen.
Für die betroffenen Banken und Finanzdienstleister wird es ein Kraftakt sein, ihr stark angekratztes Image wieder aufzupolieren. Die Deutsche Bank geht bereits jetzt in die Offensive: Wie berichtet, verzichtet Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in diesem Jahr öffentlichkeitswirksam auf Bonuszahlungen. Diese Maßnahme dürfte aber beim Aufbau von Vertrauen in die Bank, wenn überhaupt, nur einen kleinen Betrag leisten.
Der BrandIndex ist ein Markenmonitor. Auf der Basis einer täglichen Befragung von 1000 Personen ermöglicht dieses forschungsbasierte Tool zur Markenführung tagesaktuelle Imageanalysen von über 500 Marken aus 20 Branchen.













