Finanzkrise: BayernLB-Chef vor der Ablösung

Finanzkrise: BayernLB-Chef vor der Ablösung

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Geht der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Landesbank (BayernLB), Michael Kemmer?

Der Vorstand der Bayerischen Landesbank stellt die Vertrauensfrage. Nur wenig später heißt es, der Chef der BayernLB, Michael Kemmer, stehe vor der Ablösung.

Mit Kemmer, der erst seit März 2008 Chef der Landesbank ist, gerät auch der Präsident des Bayerischen Sparkassenverbandes gleichzeitig Mitglied im Verwaltungsrat der BayernLB, Siegfried Naser, unter Druck. Muss jetzt die gesamte Führungsriege der Bank gehen?

Erst gestern Abend klingelte bei Kemmer das Telefon. Der scheidende bayerische Finanzminister Erwin Huber (CSU) machte dem Chef der zweitgrößten deutschen Landesbank klar, dass der designierte bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer auch in der BayernLB personelle Konsequenzen aus dem Milliardendebakel fordert. Die amtierende Regierung möge mit den Verantwortlichen der halbstaatlichen Bank reden.

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Kemmer schloss sich daraufhin mit seinen Vorstandskollegen zusammen und stellte in einem Brief die Alles-Oder-Nichts-Frage nach dem Vertrauen für die gesamte Führungsspitze. Eine Sprecherin von Deutschlands zweitgrößter Landesbank sagte heute, der Vorstand habe in dem Brief an den scheidenden bayerischen Finanzminister und BayernLB-Verwaltungsratschef Erwin Huber (CSU) deutlich gemacht, dass der Vorstand auch in schwierigen Zeit die Bank weiter führen wolle. Die Voraussetzung dafür sei aber „das uneingeschränkte Vertrauen“ des Kontrollgremiums und der Anteilseigner. Sollte dieses nicht mehr gegeben sein, stehe der gesamte Vorstand für Gespräche über die Folgen zur Verfügung. „Der Vorstand ist bereit, auch weiterhin in schwierigen Zeiten die BayernLB zu führen“, heißt es in dem Brief.

Doch schon wenige Stunden später steht Kemmer vor der Ablösung. „Die Tendenz ist allgemein so, auch in der Fraktion. Es kann nicht sein, dass Erwin Huber die alleinige Verantwortung übernimmt“, hieß es heute aus CSU-Führungskreisen.

Nach Informationen der „Nürnberger Nachrichten“ werden zudem die Vertreter der Staatsregierung im BayernLB-Verwaltungsrat bei der Sitzung am Abend dem Bankvorstand nicht das Vertrauen aussprechen, sollte es zu einer Abstimmung kommen. Die Verwaltungsratsmitglieder würden sich im Fall eines Votums der Auffassung des designierten Ministerpräsidenten Horst Seehofer anschließen, erfuhr die Zeitung aus Kreisen des Kontrollgremiums. Ein BayernLB-Sprecher wollte das nicht kommentieren.

Entscheidung am Abend

Der Verwaltungsrat der Bank will noch am Abend mit Huber als Vorsitzendem über die Frage beraten, ob er den gesamten Vorstand auf einen Schlag vor die Tür setzt. Wenn jetzt der gesamte Vorstand geht, steht die Bank in ihrer schwersten Krise führungslos da.

Zum Nulltarif dürften die Bank-Vorstände sich nach Einschätzung in Finanzkreisen aber kaum aus ihren Posten vertreiben lassen und millionenschwere Abfindungen für einen Sechsköpfigen-Bankvorstand würden die BayernLB zusätzlich belasten.

Die Spitzen von CSU und FDP sind bereits seit dem Wochenende sauer auf Kemmer. Sie wollten von ihm konkrete Zahlen zum tatsächlichen Finanzbedarf der Bank haben, aber er verstrickte sich zusammen mit dem bayerischen Sparkassenpräsidenten Siegfried Naser in vagen Andeutungen. Als er sich dann Dienstagabend vor die Kameras stellte und erklärte, die BayernLB sei trotz ihres Bedarfs von 6,4 Milliarden Euro eigentlich gut aufgestellt, hatten sie endgültig die Nase voll.

Kemmer war Anfang März mit dem Ziel angetreten, offen und transparent über die BayernLB zu informieren. Sein Vorgänger Werner Schmidt musste nach einer Informationspanne über die Höhe der Belastungen aus der Finanzkrise auf Druck der Staatsregierung seinen Hut nehmen. Kemmer gelobte Besserung. Aber auch für den 51-jährigen Hobby-Bergsteiger wurde die Balance zwischen Wirtschaft und Politik zur Gratwanderung, nun droht ihm ein ähnliches Schicksal wie seinem Vorgänger.

Die BayernLB, die wegen hoher Belastungen durch die Finanzkrise frisches Kapital von mehr als sechs Milliarden Euro braucht, zapft als erste Bank den Rettungsfonds der Bundesregierung an. Kemmer schloss den Verkauf von Konzernteilen nicht aus. An der Direktbank DKB und an der Hypo Group Alpe Adria wolle die Landesbank aber unbedingt festhalten. „Ein Verkauf steht überhaupt nicht zur Debatte“, sagte Kemmer.

Seehofer bekräftigte heute seine massiven Vorwürfe gegen die Banker: „Ich kann nur wiedergeben, was wir seit Samstag erlebt haben, und das war einmalig und hoffentlich letztmalig.“ Zur Vertrauensfrage des Landesbankvorstands wollte Seehofer nicht Stellung nehmen. „Ich mische mich jetzt nicht ein.“ Er habe bereits deutlich gemacht, dass die Staatsregierung mit dem Vorstand über die Vorgänge der vergangenen Tage reden solle. Auch der scheidende Ministerpräsident Günther Beckstein kritisierte die Landesbank. Weder Finanzminister Erwin Huber noch Sparkassenpräsident Siegfried Naser seien persönlich schuld: „Agierende sind die Vorstände“, sagte Beckstein. Als er am Dienstag den Kapitalbedarf von 6,4 Milliarden Euro gehört habe, sei er „aus allen Wolken gefallen“. Am Samstag sei noch von der Hälfte die Rede gewesen.

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