Finanzkrise: Commerzbank braucht ein Wunder

Finanzkrise: Commerzbank braucht ein Wunder

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Martin Blessing

von Cornelius Welp

Vorstandschef Martin Blessing will die Commerzbank neu erblühen lassen und Schulden an den Staat zurückzahlen. Doch ohne Wunder wird das kaum gehen. Das Institut droht eher, am Tropf der Steuerzahlers zum Übernahmekandidat zu werden.

Wenn die Gegenwart besonders trist ist, hilft als letzter Ausweg oft der Blick in die ferne Zukunft. In dieser Strategie sucht zurzeit Martin Blessing Zuflucht.

Milliarden an Aktionärsvermögen und Eigenkapital hat die von ihm gelenkte Commerzbank im Laufe der vergangenen eineinhalb Jahre verbrannt. Doch das soll nicht vergeblich gewesen sein. Um das zu belegen, hat Blessing ein Konzept mit dem englischen Namen „Roadmap 2012“ entwickeln lassen – „Fahrplan 2012“ hätte wohl zu Deutsch und zu langweilig geklungen. Darin skizziert der 46-Jährige das Bild einer Bank, die in knapp drei Jahren wieder aufblüht.

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Vor allem an einem Punkt hält Blessing in seinem Fahrplan eisern fest: „Wir werden spätestens 2012 mit der Rückzahlung der Staatshilfen starten.“ Der Satz ist so etwas wie Blessings unternehmerische Vision, die er bei jeder Gelegenheit wörtlich wiederholt. Seit dem vergangenen Donnerstag können die Aktionäre die Botschaft auch noch schwarz auf weiss im Geschäftsbericht des Instituts lesen.

Vision verkümmert

Von der Vision eines „zweiten nationalen Champions“, die im Sommer 2008 die Runde machte, als die Commerzbank der Allianz die nur unwesentlich kleinere Dresdner Bank abkaufte, ist damit nur ein kümmerlicher Rest übrig. Selbst wenn die Commerzbank in vielleicht zehn Jahren gesunden sollte, ist sie nicht mehr als eine mittelgroße, fast ausschließlich in Deutschland aktive Bank — „und damit ein Übernahmekandidat“, sagt ein Investmentbanker.

Selbst bis dahin ist es jedoch ein weiter Weg, dessen Ende nicht absehbar ist. Dass es Blessing trotz aller nach wie vor vorhandenen Risiken und des an sich nicht sonderlich profitablen Geschäftsmodells irgendwann gelingt, die Commerzbank dauerhaft wieder in die schwarzen Zahlen zu führen, ist durchaus wahrscheinlich. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres zumindest sei das gelungen, verkündete Finanzvorstand Eric Strutz in der vergangenen Woche in London.

Doch die gesamte Finanzbranche rätselt, wie die Bank selbst dann die Milliarden zurückzahlen soll, mit denen der Steuerzahler sie Anfang 2009 vor der Pleite gerettet hat. Selbst sonst nie um eine Lösung verlegene Frankfurter Top-Investmentbanker haben kein Rezept parat. Viele glauben inzwischen, dass zumindest ein Teil des Geldes schlicht futsch ist.

Sorge um Staatsmilliarden und Zinsen

Auch in Berlin wächst die Sorge. Am vergangenen Freitag war Blessing zum wiederholten Mal in der Hauptstadt vorgeladen, um sich im abhörsicheren Sitzungssaal des auswärtigen Ausschusses den Fragen des Kontrollausschusses des staatlichen Rettungsfonds Soffin zu stellen. Längst nicht jeder in dem Gremium traut Blessings Sanierungsplan. „Die Commerzbank ist nach der Hypo Real Estate unser größter Sorgenfall“, sagt ein Teilnehmer der Runde. „Uns geht es darum, dass wir überhaupt einmal die vereinbarten Zinsen bekommen.“ Ein anderer sagt: „Der Bund muss kühl durchrechnen, ob es nicht sinnvoller ist, auf einen Teil des Geldes zu verzichten.“ Wer solle dem Staat seine Beteiligung abnehmen, wenn die Bank dauerhaft keine Dividenden zahlen könne?

Rund 18 Milliarden Euro hat der Staat an die Commerzbank überwiesen — deutlich mehr als an jedes andere deutsche Kreditinstitut. Bisher ist das Geld schlecht angelegt. Rund 16 Milliarden stützen die Bank als stille Einlage. Auf diese zahlt die Commerzbank neun Prozent Zinsen — jedoch nur, wenn sie Gewinn macht. Davon war sie zumindest 2009 mit einem überraschend hohen Verlust von 4,5 Milliarden Euro weit entfernt. So sind dem deutschen Staat allein 2009 rund 1,5 Milliarden Euro Zinsen durch die Lappen gegangen.

Da sich deutsche Staatsanleihen derzeit mit rund drei Prozent jährlich verzinsen, kostet das Engagement bei der Commerzbank den Steuerzahler rechnerisch jährlich rund 550 Millionen Euro. Auch die Aktienbeteiligung hat dem Bundesfinanzminister wenig gebracht, weil der Kurs seit dem Einstieg kaum gestiegen ist.

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