Finanzkrise: Dax-Konzerne verzichten auf neues Personal

Finanzkrise: Dax-Konzerne verzichten auf neues Personal

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Autobau bei BMW: Zulassungen im September gingen um über 15 Prozent zurück.

Finanzkrise und Konjunktur hinterlassen Spuren in den Unternehmen. Nur noch fünf der 30 Dax-Konzerne wollen das Personal aufstocken. Aber es gibt auch neue Jobs – ausgerechnet bei Banken.

Der Münchner Speicherchiphersteller Qimonda will 3000 Stellen streichen. Der Konsumgüterriese Henkel verabschiedet sich gerade von der gleichen Zahl Mitarbeiter, bei BMW stehen 8000 Stellen auf der Streichliste. Und selbst SAP steuert um. Eigentlich wollte Deutschlands Vorzeige-Softwareschmiede 2008 weltweit 3500 neue Leute einstellen – vergangene Woche drückte Vorstandschef Léo Apotheker die Stopptaste.

Deutschland im Herbst: Nach fast vier Jahren Beschäftigungsfrühling, in dem die Zahl der Arbeitslosen von über fünf Millionen auf drei Millionen gesunken ist, würgt die Kombination von Finanzkrise und lahmender Konjunktur das Arbeitsplatzwunder ab. Nur fünf der 30 Unternehmen, die im Deutschen Aktienindex (Dax) notiert sind, das ergab eine Umfrage der WirtschaftsWoche, wollen weiter Personal aufstocken: Adidas, Fresenius, K+S, Siemens und Deutsche Bank. Elf planen – nach heutigem Stand – zumindest keinen Abbau oder machen dazu noch keine Angaben. Bei den übrigen 13 zeigen die Zeichen nach unten. Behalten die Wirtschaftsinstitute recht, die vor wenigen Tagen ihr Konjunkturgutachten für die Bundesregierung präsentierten, greift der Trend um sich, fallen im kommenden Jahr 350.000 Jobs weg.

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„Die Party ist vorbei, die Finanzkrise kommt jetzt allmählich bei der Beschäftigung an“, sagt ein Teilnehmer des Maschinenbaugipfels, der vor wenigen Tagen in Berlin zu Ende ging. Vor allem beim Export geht es abwärts. Bereits im August brachen die Ausfuhren über alle Branchen gerechnet um 2,5 Prozent ein – der stärkste Einbruch seit fünf Jahren.

Nicht nur Konzerne wie SAP oder BMW geraten unter Handlungszwang bei den Mitarbeiterzahlen. Auch Deutschlands Mittelstand – lange Zeit als Fels in der Brandung und als Allzweckwaffe gegen den Finanzkapitalismus angelsächsischer Prägung gepriesen – spürt allmählich die Auswirkungen der Bankenkrise. Zwar sind die Auftragsbücher noch voll. „Aber spätestens in einem halben Jahr wirkt sich das beim Umsatz aus“, sagt Mittelstandsexperte Diethard Simmert, Professor an der International School of Management in Dortmund.

In der Regel hinke das Geschäft des Mittelstandes einige Monate hinter der allgemeinen Konjunktur her. Und die Arbeitsmarktentwicklung schlage sich verzögert nieder, weil Mittelständler sich stärker als Konzerne scheuten, Mitarbeiter zu entlassen. Umso mehr verschärfe aber die restriktivere Kreditvergabe, die für die nächsten Monate zu erwarten sei, die Situation. „Das Vertrauen ist hin“, sagt Simmert, „und es wird trotz der Rettungspakete der Regierungen einige Zeit brauchen, bis es wieder- hergestellt ist.“

Für 2009 wird Stagnation erwartet

Mittelfristig kann sich so gut wie keine Branche der fatalen Kombination aus Finanzkrise und Nachfragerückgang entziehen. Selbst Deutschlands Paradeindustrie, der Maschinenbau, gerät jetzt in den Sog des Abschwungs. Zwar sind die Auftragsbücher nach fünf Wachstumsjahren noch immer gut gefüllt. Doch Manfred Wittgenstein, Präsident des Verbandes Deutscher  Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), gesteht: „Die Zeiten sensationeller Erfolge, in denen ein Produktionsrekord den anderen jagte und in denen wir Wachstumsraten wie zuletzt in den Sechzigerjahren erzielt haben, sind fürs Erste wohl vorbei.“

Einerseits rechnet Wittgenstein in diesem Jahr noch mit der Schaffung weiterer 40.000 Arbeitsplätze und hält auch noch die Wachstumsprognose von fünf Prozent für 2008 Jahr aufrecht. Andererseits gingen die Bestellungen aus dem Ausland in den Monaten Mai bis August um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Zugleich trudeln in immer kürzeren Abständen Stornierungen bestellter Maschinen ein. „Die gleichen Kunden, die uns vor Monaten noch die Bude einrannten, zahlen jetzt lieber Vertragsstrafen als Rechnungen für Maschinen, die sie nicht auslasten können“, sagt der Inhaber eines Familienbetriebes. Statt des erhofften leichten Plus im sechsten Jahr in Folge, meint deshalb Verbandspräsident Wittgenstein, „erwarten wir für 2009 eine Stagnation“.

Georg Licht, Leiter des Forschungsbereichs Industrieökonomik und Internationales Management beim Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH, ist noch skeptischer. Da der Zyklus im Maschinenbau in der Regel stärker ausfalle als bei anderen Industrien, glaubt er, dass teurere Kredite durch die Finanzkrise hier besonders schaden. „Das eine oder andere Unternehmen wird die Krise nicht überleben.“

Wie tiefe Spuren Finanzkrise und Konjunktur bereits hinterlassen, zeigt der Motorenbauer Deutz. Noch im Vorjahr mussten die Kölner auf Branchenmessen vor allem drängende Kunden vertrösten und daheim nach Fachkräften suchen. Jetzt musste das Unternehmen seine ursprüngliche Wachstumsprognose von zehn bis 15 Prozent auf ein bis zwei Prozent herunterschrauben. 2007 noch war der Umsatz um 30 Prozent gewachsen. Wenn das vom Vorjahr ererbte Auftragspolster abgearbeitet ist, will Deutz-Chef Helmut Leube sich von einem Teil der 500 Zeitarbeiter und befristet Eingestellten trennen. Statt drei fahren die Deutzer nur noch zwei Schichten.

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