Finanzkrise: Die Globalisierung schlägt zurück

Finanzkrise: Die Globalisierung schlägt zurück

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Ein Containerverladeplatz: Versorgungsengpässe können zu Lieferantenausfällen führen.

Nichts ist in Zeiten der Finanzkrise mehr so wie es früher einmal war. Wie Unternehmen angesichts zunehmender Lieferantenpleiten ihr Einkaufsmanagement umkrempeln.

Ohne Stoffverdeck kein Audi-Cabrio, ohne Kesselwagen kein Gastransport per Bahn. Bei Audi war das Frühjahrsgeschäft mit dem neuen A3-Cabrio in Gefahr, weil auf die Schnelle kein Ersatz für Edscha zu finden war, den insolventen Hersteller von Schiebe- und Stoffdächern. Die Ingolstädter entschieden, selbst finanzielle Ersthilfe für den angeschlagenen Schlüssellieferanten zu leisten. Ähnlich die Lage beim Hamburger Waggonvermieter VTG: Der kaufte den insolventen Kesselwagenhersteller Graaf, um seine Bahntransporte abzusichern.

In der deutschen Wirtschaft geht die Angst vor Lieferantenausfällen um. Durch die Insolvenz von Zulieferern drohen beträchtliche Versorgungsrisiken, geht aus dem aktuellen CPO Club Risk Index der Unternehmensberatung A.T. Kearney hervor, für den vierteljährlich Einkaufsleiter europäischer Unternehmen befragt werden. 57 Prozent gaben an, dass die Verschlechterung der Finanzsituation ihrer Lieferanten sich negativ auf die eigene Geschäftssituation auswirkt. In Deutschland ist die Lage nicht besser: Ein gutes Drittel aller Unternehmen führt Krisengespräche mit seinen Zulieferern, ein Viertel kämpft mit Versorgungsengpässen, weil Zulieferer Insolvenz anmelden mussten, ergab eine aktuelle Umfrage der Kölner Einkaufsberatung Inverto unter 300 vorwiegend mittelständischen deutschen Unternehmen, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt.

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Was bei dem Gejammer gern vergessen wird: Zum Teil ist die Misere selbst verschuldet. „Um die eigene Finanzposition zu verbessern, haben viele Einkäufer ihre Zulieferer massiv unter Druck gesetzt und damit das Risiko von Liquiditätsengpässen in der Lieferkette weitergereicht“, urteilt Inverto-Vorstand Markus Bergauer. Knapp 70 Prozent der befragten Unternehmen – so die Studie – verhandeln bestehende Verträge mit Lieferanten nach, fast 60 Prozent haben ihre Zahlungsziele ausgedehnt.

Große Angst vor dem Bumerangeffekt

Jetzt wächst die Angst vor dem Bumerangeffekt: Weil in der produzierenden Wirtschaft üblicherweise mehr als die Hälfte der Wertschöpfung ausgelagert ist, schlagen Knebelverträge früher oder später auf den Verursacher zurück. „Einkäufer müssen zurzeit so viel Cash wie möglich freischaufeln – aber es gibt intelligentere Sparlösungen als simple Preisdrückerei“, mahnt Inverto-Chef Bergauer. „Um beurteilen zu können, wie viel Luft ein Zulieferer beim Preis noch hat und wie hoch sein Ausfallrisiko tatsächlich ist, müssen sich Einkaufsabteilungen mit den Märkten ihrer Schlüssellieferanten und deren Produktionsprozessen vertraut machen“, fordert Sven Marlinghaus, Partner der auf Einkaufs- und Lieferkettenmanagement spezialisierten Unternehmensberatung BrainNet in Bonn.

Welche Risiken birgt die Lieferkette für den Produzenten? Sind Technologie und Prozesse wettbewerbsfähig? Stimmt die Kostenstruktur? Und wo lassen sich – etwa bei Produktgestaltung, Materialauswahl oder im Lieferprozess – gemeinsam mit den Vorlieferanten noch Einsparungen erzielen? Diese Fragen diskutiert der Heizsystem-Hersteller Vaillant aus Remscheid zurzeit mit seinen Zulieferern. Oberstes Ziel des Lieferantenmanagements ist die Absicherung von Qualität und Lieferfähigkeit. Vaillant lässt darum das Ausfallrisiko seiner Zulieferer regelmäßig per Abfrage bei Wirtschaftsauskunfteien und durch eigene Marktrecherchen prüfen. Jedem Insolvenzgerücht geht Chefeinkäufer Friedhelm Schlösser sofort nach: „Bei Bauteilen, die sich nicht mal eben bei einem anderen Zulieferer beschaffen lassen, suchen wir nach Lösungen, wie wir gemeinsam die Liquiditätsengpässe überbrücken können. Wenn es Alternativen gibt, bauen wir neue Lieferanten auf.“

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