Finanzkrise: EU-Auflagen retten Landesbanken nicht

Finanzkrise: EU-Auflagen retten Landesbanken nicht

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EU-Kommissarin Neelie Kroos: Die für den Wettbewerb zuständige Kommissarin nimmt die Landesbanken ins Visier

von Cornelius Welp

Die Landesbanken werden auf Druck der EU bald Beteiligungen verkaufen müssen. Doch deren Qualität ist oft fragwürdig.

Sie tragen exotische Namen wie Carrera Capital Finance, Perseus Investment Limited Partnership, Lebus oder Finance Curaçao. Das passt, denn beheimatet sind diese Tochtergesellschaften deutscher Landesbanken an Standorten wie Jersey, den Cayman Islands und den Niederländischen Antillen. Doch mit der Inselidylle dürfte es bald vorbei sein. Denn die Landesbanken werden sich wohl von diesen und anderen Beteiligungen trennen müssen.

Die für den Wettbewerb zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes nimmt derzeit jene Institute unter die Lupe, die Staatshilfen erhalten haben. Die WestLB hat bereits Auflagen erhalten, wobei die Kommission eine weitere Beihilfeprüfung für die avisierte Kapitalspritze aus dem Bankenrettungsfonds Soffin nicht ausschließt.

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Für die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), HSH Nordbank und BayernLB werden die Ergebnisse in den kommenden Wochen erwartet. Um 35 bis 40 Prozent, so die Erwartung, werden die Banken ihre Bilanzsumme reduzieren müssen. Dafür können sie Geschäfte aufgeben oder deutlich reduzieren. Zudem müssen sie Beteiligungen verkaufen, die für ihr künftiges Geschäft strategisch nicht unbedingt erforderlich sind.

Landesbanken finden keine Abnehmer

Vielen dürfte es schwerfallen, Abnehmer zu finden, die auch noch einen akzeptablen Preis zahlen. Einiges ist schon weg: Die LBBW hat ihren 20-Prozent-Anteil an der Berliner Quirin Bank an den belgischen Finanzinvestor RHJ verkauft. Die WestLB verkaufte die auf gehobene Privatkunden fokussierte Weberbank an die Mittelbrandenburgische Sparkasse.

Die Banken haben meist bis 2013 Zeit, um den Ballast abzuwerfen. Auch dann dürften manche Vermögenswerte nur schwer verkäuflich sein. Die österreichische Hypo Group Alpe Adria etwa, an der die BayernLB mit knapp 70 Prozent beteiligt ist, braucht wegen der Belastungen vor allem in Osteuropa noch in diesem Jahr wohl eine Kapitalerhöhung von mehr als einer Milliarde Euro. Die BayernLB, die das Institut 2007 für 1,7 Milliarden Euro gekauft hat, musste sie bereits zweimal stützen. Dass sich in absehbarer Zeit private Interessenten finden, die einen Preis zahlen, der nicht deutlich unter dem Buchwert liegt, ist kaum zu erwarten.

Sparkassen leiden unter Ausfällen

Die Zahl potenzieller Käufer mit ausreichenden Mitteln ist ohnehin klein. So würde die LBBW gerne ihren 15-Prozent-Anteil am Fondsanbieter Dekabank verkaufen. Ob die grundsätzlich interessierten Sparkassen zu einer Übernahme in der Lage sind, ist fraglich. Schließlich leiden auch sie unter wachsenden Ausfällen im Kreditgeschäft. Viele wurden für die Probleme ihrer Landesbanken zur Kasse gebeten. Selbst der 20-Prozent-Anteil der LBBW an der an sich soliden Privatbank HSBC Trinkaus dürfte nicht allzu schnell den Besitzer wechseln, heißt es im Umfeld von Trinkaus.

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