
„Die aktuelle Krise ist auch eine Chance“, heißt es in Bankenkreisen. Bisher habe vor allem die Politik eigentlich sinnvolle Zusammenschlüsse blockiert. Angesichts der Milliardenbelastungen durch die Kreditkrise finde aber ein Umdenken statt. So könnte vor allem eine Fusion der BayernLB mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) wieder wahrscheinlicher werden. Die bayerische Staatsregierung erteilte aber einmal mehr allen Fusionsplänen eine Abfuhr. Nach Einschätzung von Branchenexperten könnte der Widerstand nach der bayerischen Landtagswahl im Herbst aber bröckeln. Dass akuter Handlungsbedarf besteht, ist unumstritten.
Die Landesbanken stellen nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ein besonderes Risiko für den deutschen Bankenmarkt dar. „Das Risiko einer Bankenkrise in Deutschland bleibt hoch“, lautete das Fazit einer Bewertung des DIW.
„Vor allem die ungeklärte Frage der Aufgaben und Geschäftsstrategie der Landesbanken gefährdet die Stabilität des deutschen Bankenmarktes“, hieß es weiter. Das DIW schlug vor, das deutsche Bankensystem mit einem Fünf-Punkte-Programm krisenfester zu machen.
Die DIW-Bankenexpertin Mechthild Schrooten erläuterte: „Kernstück ist die Schaffung eines Frühwarnsystems und das Vorantreiben international einheitlicher Bewertungsstandards.“ Die Aufgaben der Landesbanken müssten neu definiert werden.
Die vom US-Hypothekenmarkt ausgehenden Probleme hatten in Deutschland insbesondere Landesbanken in Schwierigkeiten gebracht oder Milliarden-Belastungen bei ihnen verursacht. Betroffen waren die SachsenLB, die WestLB und die Bayerische Landesbank.
Finanzminister Peer Steinbrück hatte Landesbanken wiederholt heftig kritisiert und ihnen vorgeworfen, einigen fehle es an einem tragfähigen Geschäftsmodell. In einem Gespräch mit dem „Hamburger Abendblatt“ forderte er erneut eine stärkere Konsolidierung unter den Landesbanken und plädierte für die Öffnung dieser Häuser für privates Kapital.
„Das tatsächliche notwendige Ausmaß der Neubewertungen und Abschreibungen infolge der US-Immobilienkrise ist weithin kaum zu bestimmen“, sagte die DIW-Expertin Schrooten. Damit seien auch die künftigen Zahlungsverpflichtungen und Risiken im Bankensystem noch gar nicht abzuschätzen. Bei den Banken selbst gebe es kaum realistische Risiko-Abschätzungen. Dass der Staat in Deutschland mit Risikoübernahmen in Fällen einspringe, wo eine Bank das Gesamtsystem zu gefährden drohe - wie jüngst im Falle der Mittelstandsbank IKB - nannte die DIW-Expertin sinnvoll.
Seit die öffentlichen Garantien weggefallen sind, die den Landesbanken einfache Geschäfte ermöglichten, sind die Kreditinstitute auf der Suche nach zukunftsträchtigen Geschäftsmodellen. Auch dies dürfte sie in waghalsige Fehlspekulationen auf dem US-Immobilienmarkt gestürzt haben. Die Kontrolle hat vielfach versagt, in den Aufsichtsgremien spielt die Politik eine wichtige Rolle.
Zudem ist die Landesbanken-Szene noch immer zersplittert. „Aus betriebswirtschaftlicher Sicht muss die Konsolidierung kommen“, sagt Wolfgang Gerke, Banken-Professor an der Universität Erlangen Nürnberg. Eigentlich brauche Deutschland nur eine Landesbank, nicht sieben wie im Moment.













