Finanzkrise: Hypo Real Estate-Aktie schmiert um 70 Prozent ab

Finanzkrise: Hypo Real Estate-Aktie schmiert um 70 Prozent ab

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Beinahe-Aus: Die Hypo Real Estate wird durch die deutsche Bankenwirtschaft gestützt

Die Finanzkrise erfasst massiv die deutsche Bankenlandschaft: Nur mit einer Bürgschaft über 35 Milliarden Euro - wovon für letztendlich 26,5 Milliarden Euro der Steuerzahler einsteht - konnte der Münchner Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate vor dem Aus gerettet werden. Dessen Aktienkurs schmiert um 70 Prozent ab.

Gerade mal ein Jahr alt ist das einst hochgelobte Investment, welches der Hypo  Real Estate nun beinahe das Genick bricht: Die Depfa-Bank, spezialisiert auf Staats- und Infrastrukturfinanzierungen, sorgt für Ausfälle, die ihrer Mutter Hypo Real Estate einen dicken Liquiditätsengpass bescheren könnten. Die Banken bunkern ihre Liquidität aus Angst vor neuen Horrormeldungen auf dem Finanzmarkt. Die Hypo Real Estate braucht aber jährlich für einen Teil - rund 50 Milliarden Euro - des Kreditportfolios der Depfa kurzfristige Mittel zur Refinanzierung.

Nur eine gemeinsame Aktion des Bankensektors und wie sich jetzt herausstellt auch zu großen Teilen des Bundes konnte den Kollaps der Hypo Real Estate verhindern. Eine mit der Situation vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters heute, die Kredithilfen beliefen sich auf bis zu 35 Milliarden Euro. Dank der Gelder sei die Refinanzierung des Dax-Konzerns bis Ende 2009 gesichert.

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Der Bund werde sich für rund 26,5 Milliarden Euro verbürgen. Allerdings bedarf dieser Plan noch der Zustimmung des Haushaltsausschusses. Der Ausschuss wird nach Informationen aus dem Gremium morgen zu einer Sondersitzung über die Rettungsbemühungen für die Hypo Real Estate beraten. Zuvor sollen die Bundestagsfraktionen darüber in Sonder-Sitzungen diskutieren. Der in mehrtägigen Verhandlungen ausgearbeitete Plan sieht vor, dass die Garantie in zwei Teilen aufgespalten werden soll. Für eine erste Tranche in Höhe von 14 Milliarden Euro sollen der Bund mit 40 Prozent und die Banken mit 60 Prozent eintreten. Die zweite Tranche von 21 Milliarden Euro werde der Staat alleine übernehmen, sagte die genannte Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Commerzbank-Aktie verliert 24 Prozent

Die Hypo Real Estate müsse nun Abschreibungen auf ihre Staatsfinanzierungstochter Depfa vornehmen, teilte sie mit. Dies werde einen „wesentlichen materiellen Effekt“ auf das Ergebnis der Gruppe haben. Die Depfa wurde erst im vergangenen Herbst für mehr als fünf Milliarden Euro übernommen. Wegen der massiven Probleme will der Vorstand der Hypo Real Estate den Aktionären zudem die Dividende für das Geschäftsjahr 2008 streichen. Schon für 2007 war sie um zwei Drittel gekürzt worden.

Erstmals drohte damit ein Dax-Konzern tief in den Strudel der seit mehr als einem Jahr währenden Finanzkrise zu geraten. In den USA hatte die Regierung zuletzt zahlreiche Banken vor dem Kollaps retten müssen. Der Dax weitete so am Vormittag seine Verluste aus und gab um mehr als drei Prozent bis auf 5846 Zähler nach. „Alles was Bank heißt, wird mit heruntergerissen“, sagte ein Händler. Allein der Kursabsturz der Commerzbank von mehr als 24 Prozent drückte den Dax mit 23 Punkten. Allianz-Titel gaben sechs Prozent nach. Deutsche-Bank-Aktien fielen um acht Prozent. Der europäische Bankenindex verlor fünf Prozent. Im MDax schmierten die Aktien der Aareal Bank um 23 Prozent ab.

Auch andere Länder ereilten am Wochenende wieder Horrormeldungen zur Finanzkrise: Der Handel mit Aktien der angeschlagenen britischen Hypothekenbank Bradford & Bingley wurde so heute in London ausgesetzt. Die Bank wird verstaatlicht und zerschlagen. Die US-Großbank Wachovia sucht außerem Kreisen zufolge ihre Rettung in einer Übernahme. Darüber verhandele die Bank unter anderem mit der Citigroup und Wells Fargo, hieß es.

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