Finanzkrise: Hypo-Real-Estate-Chef Funke gibt auf

Finanzkrise: Hypo-Real-Estate-Chef Funke gibt auf

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Georg Funke, bislang Vorstandsvorsitzender der Hypo Real Estate Group, trat heute von allen Ämtern zurück

Seit Tagen hagelte es Rücktrittsforderungen, nun zog Hypo Real Estate-Chef Georg Funke die Konsequenzen aus der Schieflage seiner Bank: Er trat heute mit sofortiger Wirkung zurück. Der Aufsichtsrat wird noch heute über einen Nachfolger entscheiden. Zum Verhängnis wurden Funke genau jene Geschäfte, mit denen er den Immobilienfinanzierer groß gemacht hatte.

Seit dem Wochenende hatte die Finanzbranche mit dem Rücktritt von Georg Funke gerechnet - nun ist er endlich erfolgt:Im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat habe Funke seine Mandate mit sofortiger Wirkung niedergelegt, teilte der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate heute in München mit. Über eine Nachfolge werde der Aufsichtsrat noch heute entscheiden.

Funke war im Zusammenhang mit der Schieflage der Hypo Real Estate (HRE) scharf kritisiert worden. Vor allem Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte massive Kritik geäußert und eine weitere Zusammenarbeit mit dem alten Management abgelehnt. Der Rücktritt Funkes galt damit in Finanzkreisen als sicher.

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In der Nacht zum Montag hatten sich Regierung und Finanzwirtschaft nach einer Zitterpartie um das Überleben des Konzerns auf ein neues Rettungspaket für den Immobilienfinanzierer geeinigt, nachdem der erste Hilfsplan Ende vergangener Woche gescheitert war. Insgesamt beläuft sich das neue Rettungspaket für die HRE-Gruppe auf 50 Milliarden Euro. Bundesregierung und andere Banken bürgen für einen Teil der gewährten Darlehen, die einen Liquiditätsengpass bei der irischen Staatsfinanzierungstochter Depfa beheben sollen.

Depfa-Übernahme wurde Funke zum Verhängnis

Dem 53-jährigen Funke wird vorgeworfen, die Lage der Hypo Real Estate wiederholt zu optimistisch eingeschätzt zu haben. Zu Wochenbeginn waren die Aktien der HRE um 37 Prozent abgestürzt. Heute stabilisierte sich der Kurs. Nach dem Rücktritt von Funke drehte die Aktie ins Plus.

Das Management hatte lange betont, gestärkt aus der weltweiten Finanzkrise hervorzugehen. Als dann im Januar völlig überraschend Abschreibungen auf ein US-Wertpapierportfolio folgten, beschleunigte sich der Verfall der HRE-Aktie. Anleger sprachen immer wieder von einem Vertrauensverlust. Finanzkreisen zufolge dürfte auch Aufsichtsratschef Kurt Viermetz die Immobilienbank bald verlassen.

Funke: Stiller Sanierer

Jahrelang war Funke einer der unauffälligsten Manager in der deutschen Finanzbranche. Heimlich, still und leise hatte er den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate vor knapp drei Jahren in den Deutschen Aktienindex Dax geführt. Große Auftritte waren dem bodenständigen Gelsenkirchener schon immer fremd, er ließ lieber die Zahlen sprechen.Anfang des Jahres handelte sich der 53-Jährige dann erstmals Probleme ein, als er völlig überraschend Belastungen durch die Finanzkrise einräumte und den Aktienkurs damit auf Talfahrt schickte.

Gestartet war das Hypo Real Estate im Jahr 2003, als die HypoVereinsbank ihr Geschäft mit der Finanzierung von Gewerbeimmobilien abspaltete. Viele Experten gaben dem neuen Gebilde nur wenig Chancen. Die HypoVereinsbank habe sich von Immobilien- Altlasten befreit, mit denen die Hypo Real Estate nun leben müsse, hieß es damals. Mit ruhiger Hand und ohne große Worte leitete Funke dennoch die Wende ein. Weitgehend unbeobachtet von der Öffentlichkeit sanierte er das Geschäft und lieferte jahrelang gute Zahlen.

Nach der Abspaltung verordnete Funke der Bank eine Konzentration auf die Wachstumsmärkte im Ausland. In Deutschland wurde eine Zeit lang jedes Neugeschäft eingestellt, bis das Portfolio bereinigt war. Im vergangenen Jahr holte Funke dann zum ganz großen Schlag aus: Für mehr als fünf Milliarden Euro übernahm die Hypo Real Estate den Staatsfinanzierer Depfa.

Ausgerechnet Funkes größter Coup wurde ihm durch die Finanzkrise nun zum Verhängnis, da die Depfa in finanzielle Nöte geriet und damit das milliardenschwere Hilfspaket nötig wurde. Während seines gesamten Berufslebens hat sich Funke mit Immobilien beschäftigt. Seine Laufbahn startete der Familienvater und Hobby- Fotograf 1972 bei der Westdeutsche Wohnhäuser AG in Essen. 1984 wechselte er zur damaligen Hypo-Bank, bei der er fünf Jahre später Co-Leiter der Niederlassung London wurde.

Nach der Fusion mit der Bayerischen Vereinsbank zur HypoVereinsbank 1998 übernahm Funke die Leitung des Immobilienbereichs in Großbritannien. Zwei Jahre später rückte er in den Bereichsvorstand der Real Estate International bei der HVB und kurze Zeit später in den Vorstand der HVB Real Estate Bank auf. Mitte 2003 rückte er an die Spitze der Hypo Real Estate.

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