Finanzkrise: Kaupthing-Kunden verärgert über Milliarden-Hilfe für BayernLB

Finanzkrise: Kaupthing-Kunden verärgert über Milliarden-Hilfe für BayernLB

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Menschen demonstrieren in Brüssel gegen die schlechte Informations-Politik der isländischen Kaupthing Bank. Die Kunden kommen seit zwei Wochen nicht an ihr Geld

Während die angeschlagene BayernLB Steuergelder in Milliardenhöhe bekommt, warten die Kunden der angeschlagenen Kaupthing-Bank seit zwei Wochen auf ihr Geld. Auch die Bayerische Landesbank soll sich in Island verspekuliert haben - mit 1,5 Milliarden Euro. Das sorgt für Unmut.

Die Kunden der isländischen Bank Kaupthing fordern nach der milliardenschwere Kapitalspritze der Regierung für die BayernLB ebenfalls Hilfe vom Staat. Die Bayerische Landesbank hat ebenso wie die Kaupthing-Kunden Geld in Island angelegt. Dort stand das Bankensystem vor dem Kollaps. Die deutschen Anleger kommen seit zwei Wochen nicht an ihr Geld. Ihre Konten sind eingefroren - für die etwa 30.000 privaten Sparer geht es um rund 300 Millionen Euro. Aus Sicht der BayernLB klingt diese Summe wohl nach Portokasse: Finanzkreisen zufolge haben die Kredite der Bank dort ein Volumen von 1,5 Milliarden Euro. Etwa die Hälfte davon droht auszufallen, wie eine mit der Situation vertraute Person sagte. Auch Ausfälle wegen eines Engagements bei der Pleite-Bank Lehmann Brothers stehen zur Debatte.

Das gibt Anlass zur Spekulation: Steckt die BayernLB wegen des Engagements in Island noch tiefer in der Krise als bisher bekannt? Die BayernLB äußert sich nicht zu den Spekulationen. Sprecher Dominik Lamminger sagte aber am Dienstag auf Anfrage von wiwo.de: „Wie alle international tätigen Geschäftsbanken unterhält auch die BayernLB Geschäftsbeziehungen zu isländischen Banken und zu der Republik Island.“ Alle weiteren Details unterlägen dem Bankgeheimnis, sagte er. Die ARD-Tagesthemen hatten gestern berichtet, dass die BayernLB Kunde bei der angeschlagenen isländischen Kaupthing-Bank ist.

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Die Wut der Betroffenen über die milliardenschwere Finanzspritze für die BayernLB kocht im Forum und den Kommentaren unter den wiwo.de Artikeln hoch. Viele fragen sich, wieso es Steuergeld für die halbstaatliche Bank gibt, die vermutlich viel Geld in Island versenkt hat. Die Kleinanleger hingegen bleiben im Regen stehen. „Durch das Rettungspaket der Regierung ist die BayernLB jedoch vor einem Verlust ihrer isländischen Einlagen geschützt, wohingegen die Einlagen der deutschen Kleinanleger (…) nicht vom Rettungspaket erfasst werden“, schreibt etwa "munich08". Und Nutzer "Farruk" meint: „Jetzt, wo klar ist, dass die BayernLB ebenfalls zu den Kaupthing-Geschädigten gehört, (...) sind alle uns vorgeworfenen (…) 'Gierig und dumm'-Argumente hinfällig.“

Die Internet-Foren-Nutzerin "EineVonVielen", 26, hat ihre kompletten Ersparnisse bei Kaupthing angelegt. Die Softwareentwicklerin erinnert an die KfW-Überweisung an die Pleite-Bank Lehmann Brothers. Sie sagte wiwo.de am Telefon: "Die überweisen mal eben 300 Millionen Euro, das Geld ist weg. Bei uns geht es um dieselbe Summe, aber bei 30.000 Betroffenen tut man sich da so schwer." Mit 10.500 Euro liegt sie unter der Sicherungsgrenze der Isländer und darf hoffen. Ganz im Gegenteil zum Kameramann Florian Rith. Der 49-jährige Berliner bangt um 80.000 Euro. "Ich hoffe, dass die Bank nicht insolvent geht, das wäre der Gau für mich, die Sicherung liegt wesentlich unter meiner Einlagensumme", sagt der Freiberufler, der die Summe als Altersvorsorge angelegt hat.

Informationen, ob es Hilfe für die Betroffenen gibt, fließen spärlich bis gar nicht. Jeanette Schwamberger, Sprecherin des Bundesfinanzministeriums, sagte am Mittwoch: "Die Bundesregierung setzt sich weiterhin ein, die Gespräche laufen noch."

Viele Kaupthing-Kunden sind mittlerweile am Rande der Verzweiflung. Sie wollten das Geld nur kurz anlegen und brauchen es jetzt dringend. Im Internetforum ist von einer ausgefallenen Geburtstagsparty zu lesen, von schlaflosen Nächten gar. Viele bangen um die Ersparnisse für ihre Kinder.

Von möglichen Verlusten bis 300 Millionen Euro wie bei den Kleinanlegern ist die BayernLB weit entfernt: Im ersten Quartal hat die Bank einen Verlust von 770 Millionen Euro eingefahren, im zweiten Quartal stand ein Gewinn von 140 Millionen zu Buche, was Hoffnung auf ein Ende der Krise machte. Doch Licht am Ende des Tunnels sieht Vorstandschef Michael Kemmer nun nicht mehr. Im Gesamtjahr könnte sich das Minus auf drei Milliarden Euro summieren.

Daher muss Bayern zur Stützung seiner angeschlagenen Landesbank auf eine Milliardenhilfe des Bundes zurückgreifen. Die durch die Finanzkrise gebeutelte BayernLB nimmt aus dem 500 Milliarden Euro schweren Programm der Bundesregierung allein 5,4 Milliarden Euro in Anspruch, wie Bayerns Finanzminister und BayernLB-Verwaltungsratschef Erwin Huber (CSU) gestern nach einer fünfstündigen Krisensitzung in München sagten. Eine weitere Milliarde Euro soll Deutschlands zweitgrößte Landesbank über eine Kapitalerhöhung der Eigentümer zufließen. Hiervon übernimmt das Land 700 Millionen Euro, 300 Millionen kommen von den bayerischen Sparkassen.

Die BayernLB ist die erste Bank, die den Rettungsfonds des Bundes anzapft. Dieser soll die Finanzbranche, die in ihrer größten Krise seit Jahrzehnten steckt, stabilisieren. Damit wird sich auch das Kräfteverhältnis innerhalb der Bank verändern und der Bund neuer Eigentümer. Die genauen Anteilsverhältnisse sind noch unklar, Bund und Land dürften aber zusammen die Mehrheit haben und damit die Zukunft maßgeblich beeinflussen.

Gespräche über den Einstieg privater Investoren oder eine Fusion des Münchner Geldhauses mit einer anderen Bank sollen fortgesetzt werden. Zuletzt wurden immer mehr Stimmen für ein Zusammengehen mit der größeren Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zu einer schlagkräftigen Süd-Bank laut.

Um einen eigenen Beitrag zu leisten, will die BayernLB in den nächsten drei Jahren 400 Millionen Euro einsparen. Auch die Eigentümer der Bank könnten noch mit einem eigenen Risikoschirm ins Spiel kommen. Sie hatten bislang Garantien für riskante Wertpapiere von zusammen 4,8 Milliarden Euro zugesagt. Die konkrete Ausgestaltung der Pläne stockte aber in Brüssel. Dieser Schirm sei nun zunächst entbehrlich, hieß es. Sollte er aber doch noch gespannt werden, könnte das Volumen, das die Bank vom Bund aufnehmen will, noch sinken. Die Eigentümer wollen in den nächsten Wochen prüfen, ob ein eigener Schirm Vorteile zu den Hilfen des Bundes hat.

Schlummern noch weitere Risiken bei der BayernLB? Der bayerische Finanzminister Erwin Huber (CSU), der soeben seinen Rücktritt angekündigt hat, hatte jedenfalls in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" vom 20. Oktober gesagt: „Die BayernLB ist von der globalen Finanzkrise unmittelbar und heftig betroffen. Die Insolvenz der US-Bank Lehman und neue Risiken etwa aus Island werden zu weiteren Verlusten führen.“

Für die Kaupthing-Kunden ist das jedenfalls kein Trost.

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