Finanzkrise: Royal Bank of Scotland: Europas maßloseste Bank

Finanzkrise: Royal Bank of Scotland: Europas maßloseste Bank

Conti, Hapag, HeidelCement – immer war die Royal Bank of Scotland dabei: Keine Bank in Europa agierte maß- und rücksichtsloser.

Sir Fred Goodwin, geschasster Chef der Royal Bank of Scotland (RBS), wagt sich kaum noch auf die Straße. Anfang des Jahres lauerte ein Reporter vor dem Haus seiner Schwiegereltern, wo sich Goodwin mit Frau und Kindern verschanzt hatte, und forderte ihn per Megafon auf, sich für seine Fehler zu entschuldigen. Dann zeigte die schottische Abgeordnete Christine Grahame ihn wegen angeblicher Verstöße gegen das Aktiengesetz an. Jetzt hat ihn Prinz Charles’ Wohlfahrtsorganisation „The Princes Trust“ vom Posten des Vorsitzenden gefeuert.

Tiefer konnte der 2004 geadelte Banker kaum fallen. Nach zehnjähriger Freundschaft schimpft inzwischen sogar Premierminister Gordon Brown: „Ich bin wütend über das, was bei der RBS passiert ist. Die Bank ging unverantwortliche Risiken ein.“

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Der Anlass für die öffentliche Hatz auf Britanniens einstigen Vorzeigebanker ist simpel. Der Mann und die bis November 2008 von ihm geleitete Bank sind das europäische Paradebeispiel für Arroganz und Selbstüberschätzung der Finanzbranche. Die RBS hat dazu beigetragen, dass Großbritannien in die schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg trudelt, dass die Regierung weltweit als der große Verstaatlicher dasteht – und dass Unternehmen Geld für existenzgefährdende Deals bekamen. Ohne Goodwins großzügige Kredite hätte der fränkische Wälzlagerhersteller Schaeffler nicht Continental übernehmen können, der inzwischen verstorbene schwäbische Milliardär Adolf Merckle mit seiner Heidelberg Cement nicht den britischen Mitbewerber Hanson und ein Konsortium um den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne nicht die Reederei Hapag-Lloyd.

Vom Superstar zur Hassfigur

Goodwin wird in die Geschichte eingehen als derjenige, der von Europas Bankern das größte Rad drehte, indem er ein gediegenes, fast 300 Jahre altes Institut aufblähte und am Ende zum ohnmächtigen Staatsriesen herunterwirtschafte. Seine acht Jahre an der Spitze des Instituts wirken wie eine Moritat vom Superstar in Nadelstreifen, der alle Welt blendete und nun zur Hassfigur für ein ganzes Land geworden ist. „Goodwin und sein Vorstand haben eine gute Bank zugrunde gerichtet“, resümiert Geoffrey Wood, Wirtschaftsprofessor an der Cass Business School in London. „Er hat sich an seinen eigenen rhetorischen Fähigkeiten berauscht und seine anfänglichen Erfolge haben ihn verleitet, zu viele Risiken einzugehen.“

Bis vor ein paar Jahren war die RBS eine kleine, allseits respektierte Regionalbank. Damit war Schluss, als der heute 50-Jährige 2000 das Ruder übernahm und begann, die Bank zum Global Player aufzumotzen. Sofort nach Amtsantritt griff er nach der damals deutlich größeren britischen Konkurrentin National Westminster Bank (NatWest), deren Management sich vergeblich dagegen zur Wehr setzte. Die NatWest-Aktionäre erlagen Goodwins Werben – die Bank wechselte für rund 30 Milliarden Euro den Besitzer. Das war der Anfang für eine unglaubliche Schluckparade. Bis zu seinem Abgang im November stemmte der rotblonde Jurist mit dem knarrenden Akzent, der seine Karriere beim Wirtschaftsprüfer Touche Ross begonnen hatte, mehr als 20 Übernahmen in der weltweiten Finanz- und Versicherungsbranche, darunter eine Minderheitsbeteiligung an der Bank of China für umgerechnet 1,3 Milliarden Euro. Ein Ex-Vorstandskollege verglich ihn kürzlich in einem Interview mit einem Alkoholiker: „Er konnte einfach nicht widerstehen.“

Durch die Übernahmen sammelte Goodwin insgesamt 40 Marken unter seinem Dach und trumpfte groß auf im weltweiten Firmen-, Privatkunden- und Versicherungsgeschäft – ob mit Mittelständlern wie Schaeffler und Merckle oder mit Konzernen wie dem Touristik- und Transportriesen TUI und dessen Containerreederei Hapag-Lloyd. Die drei Deals zählen nun zu den großen Problemfällen bei der RBS. Beim Hapag-Verkauf wollen die Schotten sich nicht länger an der Finanzierung beteiligen. Die zehn Milliarden Euro für Schaeffler liegen wie Blei in der Bilanz, ähnlich die 16,7 Milliarden Euro, die das Institut gemeinsam mit der Deutschen Bank Merckle lieh. Unter Sir Fred war die RBS aggressiver als andere Banken und akzeptierte angeblich schlechtere Konditionen als die Konkurrenz.

Anfangs wurde Sir Fred von der City überschwänglich gefeiert. Vor allem nach der Übernahme von NatWest, die er mit harter Hand sanierte, was ihm den Spitznamen „Fred the Shred“ („Fred der Jobfresser“) eintrug. 2002 kürte ihn das US-Magazin „Forbes“ zum „Globalen Geschäftsmann des Jahres“, 2004 wurde Goodwin auf Empfehlung des damaligen britischen Premiers Tony Blair von Königin Elizabeth II zum Ritter geschlagen. 2005 eröffnete die Monarchin sogar persönlich das neue, hochmoderne und 350 Millionen Pfund teure RBS-Hauptquartier in unmittelbarer Nähe des Flughafens von Edinburgh.

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