Finanzkrise: Siemens: Löschers Kater kommt nach der Party

KommentarFinanzkrise: Siemens: Löschers Kater kommt nach der Party

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ARCHIV - Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Peter Löscher.

Spätestens mit den heute vorgelegten Zahlen fürs dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres ist klar: Die Rezession hat auch Siemens erfasst – und wird den Industriekonzern 2010 mit voller Wucht treffen. Das kommende Geschäftsjahr wird somit der wahre Praxistest für die Krisenvorsorge von Konzernchef Peter Löscher.

Wieder einmal gibt Peter Löscher den notorischen Optimisten: „Siemens ist voll auf Kurs und wird die Ziele 2009 erreichen“, so der Siemens-Chef bei der Präsentation der aktuellen Quartalszahlen heute in München.

Operativ soll Siemens im bis Ende September laufenden Geschäftsjahr also weiterhin den Rekordgewinn des Vorjahres in Höhe von 6,6 Milliarden Euro übertreffen. Löscher weiter, beinahe in Partylaune: „Im Vergleich zu unseren wichtigsten Wettbewerbern haben wir uns erneut gut geschlagen. Wir sind auf einem guten Weg, gestärkt aus der Krise hervorzugehen."

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Fragt sich nur, wann genau das der Fall sein soll.

Denn als Zuhörer konnte man sich angesichts der von Löscher schon fast mantrahaft vorgetragenen Parolen dieses Mal nicht des Eindrucks erwehren, sie klängen tatsächlich eher nach dem Pfeifen im Walde. Denn bei Lichte betrachtet weist der Technologiekonzern viel mehr Schattenseiten auf, als dieser zunächst glauben machen will.

So sank in den drei Monaten zwischen April und Juni dieses Jahres der Umsatz um vier Prozent – das erste Quartalsminus seit Ausbruch der Krise. Auch der Gewinn schurmpfte, er ging von 1,4 Milliarden Euro um sieben Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zurück; scheinbar nur ein kleiner Schwund.

Tatsächlich konnte Löscher das Ergebnis nur durch den Verkauf von Immobilien sowie der Anteile am einstigen Computer-Joint-Venture Fujitsu Siemens halbwegs stabil halten. Beides zusammen polierte das Ergebnis um satte 500 Millionen Euro auf. Mehr als ein Drittel des Quartalsgewinns basiert folglich auf einmaligen Sondereffekten.

Bei Siemens brechen die Bestellungen weg

Den dramatischsten und für die künftige Entwicklung des Konzerns entscheidendsten Rückgang gab es jedoch bei den Aufträgen.

So brachen die Bestellungen von Kunden im Vergleich zum Vorjahr um stolze 28 Prozent ein.

Damit sackten die Aufträge erstmals seit 2005 wieder unter den laufenden Umsatz. Dabei war es – wie Löscher lange Zeit nicht müde wurde zu betonen – vor allem die satt gefüllte Autragspipeline, die gewissermaßen als Airbag gegen allzu große Verwerfungen durch die Krise bei Siemens wirkte.

Dass dies nicht mehr gilt, beweist: Löschers Kater kommt nach der Party, nämlich im Geschäftsjahr 2010: Erst dann materialisieren sich weniger Bestellungen im Auftragsbuch so richtig als schwindende Umsätze in der Bilanz.

Und erst dann wird Löschers bisherige Krisenvorsorge einem richtigen Praxistest unterzogen werden.

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