Finanzkrise : Unter der warmen Bettdecke des Staates

KommentarFinanzkrise : Unter der warmen Bettdecke des Staates

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Dr. Friedrich Thelen

Schau einer an, selbst in den USA, dem Mutterland des Kapitalismus gilt Verstaatlichung von Banken jetzt als letzte Rettung. Da fühlt man sich doch an den Alt-Kanzler Helmut Kohl erinnert. Der machte aus seiner Geringschätzung von Industriellen und Bankern im speziellen selten einen Hehl. Ein Gastkommentar von Friedrich Thelen.

Als in den neunziger Jahren wieder einmal einer der ökonomischen Vorturner Germaniens die heilbringende Wirkung freier Märkte pries und den Staat am besten ganz raus drängen wollte, meinte Helmut Kohl nur: „Die Töne kenne ich und wenn es mal wirklich brenzlig wird, drängen sich die Herren umgehend unter die warme Bettdecke der öffentlichen Hand.“ Einen solchen Finanz-Hurrikan, wie wir ihn derzeit erleben, hatte er sich damals noch nicht vorstellen können. Jetzt ist beinahe alles möglich.

Dabei liegt das eigentliche Problem bei dem Vertrauensverlust der Banker untereinander.

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Denn obwohl die faulen Kredite vom Staat entsorgt werden, die Notenbanken Liquidität in massivem Umfang in die Systeme spülen und die europäischen Regierungen sich in Garantieerklärungen geradezu überbieten, leihen sich die Banker gegenseitig kein Geld.

Übrigens kein gutes Zeichen für die jeweiligen hochheiligen Schwüre, keine faulen Eier mehr im Finanzkorb zu haben, wie es uns auch die großen deutschen Institute dauernd wissen lassen.

Trauen sich die großen Geldinstitute deshalb gegenseitig nicht, weil sie selber immer noch flunkern? Anyway, der Interbankverkehr muss wieder in Gang kommen, damit das Kapital zu den Unternehmen und Verbrauchern fließen kann. Derzeit landet es vor allem bei der Bundesbank zum Zwecke der sicheren Verbunkerung.

Einmal mehr wird frappierend deutlich, dass Vertrauen ein höchst sensibles Gut ist, mit dem man sehr sorgsam umgehen muss.

Eine ganze Zeit lang kann man damit leichtfertig hantieren und nichts geschieht, aber irgendwann ist das Vertrauen fort und dann helfen keine Zauberformeln mehr.

Was also bringt die Verstaatlichung der Bank für das Vertrauen und den Fluss der Kredite? Prima facie: Nur die Sicherheit der Einlagen.

Aber wenn, wie in Großbritannien geschehen, der Staat Banken übernimmt und dafür zusätzliches Geld in die Institut pumpt, gewinnt er Einfluss.

Und bei diesen Banken, wo er Einfluss hat, kann er notfalls per ordre de mufti den Interbank-Trade wieder in Gang setzen. Vielleicht hilft das ja – aber Marktwirtschaft hatten wir uns eigentlich doch ganz anders vorgestellt.

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