Finanzkrise: Versicherer stehen vor mageren Jahren

Finanzkrise: Versicherer stehen vor mageren Jahren

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Allianz-Chef Michael Diekmann

Die Krise an den Finanzmärkten trifft über Umwege nun auch die Versicherer mit voller Wucht. Bei der AMB Generali sank der Überschuss um vierzig Prozent, worauf der Versicherer heute seine Gewinnprognose kassierte. Die Allianz schraubte heute ihre Gewinnziele nach unten - vor allem wegen Verlusten ihrer Tochter Dresdner Bank. Doch die Finanzkrise trifft die Allianz stärker, als es auf den ersten Blick scheint.

Schlechte Zeiten für den erfolgsverwöhnten größten deutschen Versicherer Allianz: Die Belastungen durch die Finanzkrise summieren sich bisher für den gesamten Konzern auf etwa drei Milliarden Euro. Der Großteil davon in der Sparte Lebens- und Krankenversicherung: Hier musste die Allianz im ersten Halbjahr 2008 den Wert ihrer Finanzanlagen - also Aktien und andere Wertpapiere - um mehr als 1,8 Milliarden Euro nach unten berichtigen, in der Schaden- und Unfallsparte um rund 850 Millionen Euro.

Die Krise an den Finanzmärkten macht sich für den Versicherungsriesen aber nicht nur bei den massiven Wertberichtigungen bemerkbar. Auch andere Kennzahlen weisen darauf hin, wie sehr die Allianz mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen hat. Das Kapitalanlageergebnis – das der Allianzkonzern als Kennzahl nicht ausweist – ist in den ersten sechs Monaten um knapp 30 Prozent gesunken. Vereinfacht gesagt gibt diese Zahl wieder, welchen Ertrag Allianz aus den Kapitalanlagen zieht, wenn Wertminderungen von Wertpapieren und weitere Aufwendungen abgezogen werden. Im ersten Halbjahr 2007 waren das etwa 17 Milliarden Euro – ein Jahr später fast fünf Milliarden Euro weniger.

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Auch die Kunden sind wegen der sinkenden Aktienkurse zurückhaltender bei fondsgebundenen Lebensversicherungen. Der Umsatz mit diesen Policen ging im ersten Halbjahr 2008 um 1,3 Milliarden auf sechs Milliarden Euro zurück.

Wegen des schlechten Marktumfelds nahm Allianz-Chef Michael Diekmann heute seine Gewinnprognose für den Gesamtkonzern zurück und sagte, dass er das 2006 gesetzte Ziel einer durchschnittlichen operativen Ergebnissteigerung von 10 Prozent bis 2009 nicht aufrechterhalten könne. Eine neue Gewinnprognose wagte Diekmann wegen der Unsicherheiten bei der Dresdner Bank nicht.

Finanzkrise sorgt für herbe Einbußen unter Versicherern

Allein steht die Allianz damit nicht da. In den vergangenen Wochen haben die börsennotierten Versicherer ihre Zahlen für das zweite Quartal 2008 vorgelegt. Sie alle mussten wegen der Finanzkrise herbe Einbußen hinnehmen. Den Anfang machte vor zwei Wochen die Münchener Rück – und schockte damit die Börse. Der Rückversicherer gab einen massiven Gewinneinbruch bekannt, die Kurse vieler Versicherer sackten daraufhin ab. Konkurrent Hannover Rück hatte seine Gewinnziele zu diesem Zeitpunkt ebenfalls infrage gestellt. Damit waren die Märkte vorgewarnt.

Besser geht es auch dem nach der Allianz zweitgrößten deutschen Erstversicherer, der AMB Generali, nicht. Die Tochter der italienischen Generali-Gruppe legte für das erste Halbjahr dieses Jahres 40 Prozent weniger Überschuss vor, verglichen mit den ersten sechs Monaten 2007. Und traut sich nun gar nicht mehr, für das aktuelle Jahr eine Gewinnprognose abzugeben.

Auch der französische Versicherungskonzern Axa hat im ersten Halbjahr 2008 weniger verdient, um 32  Prozent sank der Überschuss. Allerdings hatten Experten bei den Franzosen mit einem noch deutlicheren Rückgang gerechnet.

Auswirkungen der Finanzkrise belasten die Bilanzen

Die schlechte Entwicklung an den Finanzmärkten verhagelt den Versicherern die Bilanz. Von der Hypothekenkrise in den Vereinigten Staaten blieben die Versicherer verschont, hohe Abschreibungen wie bei den Banken sah man bei ihnen nicht.

Doch die Krise schlägt auf die Finanzmärkte durch. Seit Jahresanfang hat allein der Dax  mehr als ein Fünftel an Wert eingebüßt. Die Versicherer investieren die Beitragseinnahmen ihrer Kunden an den Finanzmärkten– damit gehören sie zu den größten Kapitalanlegern. Rund zehn Prozent bringen sie im Branchendurchschnitt in Aktien ein, der Großteil wandert in festverzinsliche Wertpapiere.

Allein die Bilanz hat Finanzanlagen von 373 Milliarden Euro, davon 14 Prozent in Aktien. Ohnedies hat die Allianz ihre Aktienquote deutlich heruntergeschraubt. Sie lag im letzten Jahr noch bei 19 Prozent.

Eine Besserung scheint für sie nicht in Sicht. Sollten die Kapitalmärkte im dritten Quartal nochmals um zehn Prozent sinken, müsste die Allianz wohl weitere 800 Millionen Euro abschreiben, sagte Allianz-Finanzvorstand Helmut Perlet. Ausgestanden ist das Problem damit aber nicht: Es sei davon auszugehen, dass auch das nächste Jahr von der Krise an den Finanzmärkten beherrscht wird.

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