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Finanzkrise: Web 2.0: Der Wettlauf ums Überleben hat begonnen

von Oliver Voss und Matthias Hohensee (Silicon Valley)

Nach dem großen Crash vor acht Jahren bemühen sich die Internet-Firmen der zweiten Generation verzweifelt, aus ihren Nutzern Profit zu schlagen. Doch das wird nur wenigen gelingen. Der Wettlauf ums Überleben im Web 2.0 hat begonnen.

Web 2.0 Seifenblase
Web 2.0 Seifenblase: Der Wettlauf ums Überleben im Web 2.0 hat begonnen. Welche Blase platzt als nächste?

Marc Andreessen plagten düstere Vorahnungen. Geschwind sammelte der 37-jährige Internet-Pionier im April dieses Jahres noch 60 Millionen Dollar Wagniskapital für seine neue Firma Ning ein. Die Finanzspritze ergibt, umgelegt auf die bisherigen Investitionen, einen Unternehmenswert von 500 Millionen Dollar: Ein Traumbetrag für ein Startup, das seit vier Jahren Verluste schreibt. Ning bietet Werkzeuge an, mit denen Nutzer Internet-Portale aufbauen können, die mit so großen Kontaktbörsen wie Facebook und Myspace konkurrieren.

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Andreessen ist ein erfahrener Mann. Mitte der Neunzigerjahre entwickelte er mit seiner damaligen Firma Netscape den Internet-Browser Navigator und zündete damit eine Web-Revolution, die in eine riesige Spekulationsblase führte und deren Platzen im Frühjahr 2000 Hunderte von Internet-Firmen in die Pleite riss. Andreessen weiß, was plötzlicher Geldmangel bedeutet. „Da ist es gut, konservativ mit solchen Dingen zu sein“, sagt er heute. Fast eine Million Dollar pro Mitarbeiter brachte seine Sammelaktion im April. „Damit haben wir reichlich Feuerkraft“, sagt der Amerikaner martialisch, „um den kommenden nuklearen Winter zu überleben.“

Als „nuklearen Winter“ bezeichnet Andreessen die große Kälte, die er und seine Freunde aus der High-Tech-Branche gegenwärtig heraufziehen sehen – schneller als gedacht und härter als erwartet. Vor acht Jahren gaben reihenweise Internet-Firmen der ersten Generation auf, weil sie vergeblich auf das große Geschäft mit Software gesetzt hatten, etwa für den elektronischen Handel und für Web-Sites. Lycos, auch dank seines schwarzen Werbe-Labradors einst das beliebteste Portal Europas, hat die Hoffnungen erst jetzt aufgegeben. Der vom Bertelsmann-Erben Christoph Mohn geführte Europa-Ableger macht dicht.

Ein ähnliches Schicksal droht auch vielen Internet-Firmen der zweiten Generation, dem sogenannten Web 2.0. Allein in den USA betreiben inzwischen schätzungsweise 400 Unternehmen sogenannte soziale Netzwerke. Die sind im Grunde eine Sammlung digitaler Visitenkarten, mit denen sich Nutzer im Internet präsentieren und Freunde, Bekannte oder Geschäftspartner um sich scharen. Doch kaum eine der beliebten Seiten verdient Geld. 

Nun wächst die Gefahr, dass viele Anbieter das kommende Jahr nicht überstehen werden. Gekappte Werbe- und Technikbudgets, verängstigte Konsumenten, vorsichtig gewordene Wagnisfinanzierer und bebende Börsen sorgen allmählich für Panik und verdeutlichen schlaglichtartig das größte Problem der Web-2.0-Firmen: Wie können sie aus dem regen Zuspruch ihrer Internet-Seiten so viele Einnahmen erzielen, dass daraus Profit wird? Denn: Je mehr Wettbewerber sich im Web 2.0 tummeln, desto weiter rückt die Gewinnschwelle. Viele Nachahmer, die auf ähnliche Popularität wie die globalen Anführer Facebook oder Myspace hoffen, zerbröseln den Markt – und den Werbekuchen gleich mit. „Die Bereinigung ist überfällig“, sagt schon jetzt Verleger Tim O’Reilly, der einst den Begriff Web 2.0 prägte und mit Büchern und Konferenzen davon profitierte.

9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.02.2009, 23:32 UhrAnonymer Benutzer: Consi Micaletto

    scheiss andreas barthel

  • 01.12.2008, 22:05 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    @Herrn barthel: Auch das ist schön am internet, dass man mit seiner Meinung nicht allein sein muss :-)

    ich bin nicht ganz so sicher, ob man pauschal sagen kann, dass die informationsqualität im internet stets abnimmt. Vielleicht im Durchschnitt betrachtet ja, aber vielleicht ist es so wie mit dem Wein: es gibt immer mehr billigwein, aber die richtig noblen Sorten werden immer teuer bleiben und ihre treue Kundschaft finden.

    Nun kann ich mich noch an Zeiten erinnern, als um 11:00 die einzigen verfügbaren Fernsehprogramme auf Testbildschalteten, die Läden um 18:30 alle geschlossen wurden und außer einer Handvoll von Radiosendern und Zeitungen keine sonstigen informationsquellen angeboten wurden. Um eine ausländische Zeitung zu bestellen, musste man schon im voraus wissen, welche man lesen will. Da konnte man viel falsch machen.

    ich denke, das internet wird immer mehr das Abbild des täglichen Lebens werden. internet bietet per se keine impulse für persönliche Entwicklung und bildung. Man muss schon wissen, wo und wonach man sucht – dann findet man das auch. Die breite Masse wird – ähnlich wie es beim Fernsehen der Fall ist – mit Low-Profile-Massenangeboten unterhalten und bleibt in ihrer Entwicklung weiterhin stehen.

    Wir werden also eine Zweiklassen-Gesellschaft haben, die aber der real existierenden (wenn man das überhaupt so postulieren kann) Gesellschaft ebenbürtig wird und somit semantisch irrelevant wird. Es wird gute Nachrichtenangebote geben, die von „aufgeklärten“ Usern angesteuert werden, und es wird bild-Ware geben für den Rest. Die "Elite" (um dies eimal als Gedangenkürzel zu mißbrauchen) findet zueinander, die intelektuelle Unterschicht sowieso. Somit wird die Zukunft die Vergangenheit rechts überholen und trotzdem hinter ihr zurückbleiben…

  • 01.12.2008, 21:49 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    @meinereiner: der Link führt auf eine Seite, die ich bereits gestern gefunden habe – dort ist der Artikel für $10 zu kaufen… Was mir aber noch aufgefallen ist: der Artikel stammt aus dem Jahre 1997 – was damals in Sachen internet verbreitet wurde, erfüllt mich häufig mit Skepsis – vor allem vor dem Hintergrund der Ereignisse der darauffolgenden Jahre 

    ich benutze auf meinem Laptop ebenfalls die 1920x1200 – Auflösung. Spiegel Online lese ich allerdings selten. Doch nun habe ich es ausprobiert – und nichts gesehen. Allerdings habe ich das gleich noch mal mit iE ohne Werbeblocker noch mal versucht – in der Tat, hässliche Werbung!!! bitte tun Sie sich den Gefallen und verfahren wie folgt:

    - benutzen Sie Firefox Version 3 (zu anderen browsern kann ich momentan nicht viel sagen)
    - installieren Sie den Werbeblocker Adblock Plus von hier: http://adblockplus.org
    - installieren Sie den Flashblocker von hier http://flashblock.mozdev.org

    Vielleicht werden Sie anfangs ein paar Mal ihre Lieblingsseiten wie youtube ansteuern und den Flashblocker pauschal für diese Seiten abstellen. Doch es lohnt sich – das internet ist schön ohne Werbung!!!

    Was die Klick-Werbung betrifft: wir betreiben ausschließlich Per-Klick-Werbung. Die Per-View-Werbung ist nur für Massenware sinnvoll. Es kommen auch besucher vorbei, da wir allerdings gehen sie sofort wieder. ich vermute, dass sie versehentlich auf den Link klicken, bevor sie realisieren, dass es sich dabei um Werbung handelt. im nächsten Augenblick verlassen sie die Seite, noch bevor sie richtig sichtbar wurde. Profis eben.

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