Finanzkrise: WestLB verbucht Jahresverlust von 1,6 Milliarden Euro

Finanzkrise: WestLB verbucht Jahresverlust von 1,6 Milliarden Euro

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Eingang zur Zentrale der WestLB in Düsseldorf.

Fehlspekulationen und die Auswirkungen der Finanzmarktkrise haben der Landesbank im Jahr 2007 einen Verlust von 1,6 Milliarden Euro beschert. Der Fehlbetrag ist damit deutlich höher als erwartet - im Januar hatte der Vorstand noch ein voraussichtliches Minus von einer Milliarde Euro angekündigt. Die WestLB soll noch 2008 wieder schwarze Zahlen schreiben - viele Mitarbeiter müssen weiterhin um ihre Jobs zittern.

Zusätzlich waren Abschreibungen von ebenfalls etwa einer Milliarde Euro geplant. Spekulationsverluste und die US- Finanzmarktkrise haben die drittgrößte deutsche Landesbank 2007 insgesamt wie angekündigt mit rund 2 Milliarden Euro belastet. Allerdings fallen diejenigen Abschreibungen, geringer aus, die nur als vorübergehend eingeschätzt und deswegen außerhalb der Gewinn- Verlust-Rechnung verarbeitet wurden.

Mit einem neuen Chef, einer Milliardengarantie ihrer Eigentümer und einem kräftigen Personalabbau will die WestLB nun die schwerste Krise ihrer Geschichte überwinden. „Die Bank ist stabilisiert“, sagte der scheidende Vorstandsvorsitzende Alexander Stuhlmann. Der von den Eigentümern gespannte Risikoschirm befreie die Bank „von einem gewaltigen Ballast“. Das Land Nordrhein-Westfalen, die Sparkassen und die Kommunalverbände stehen mit insgesamt fünf Milliarden Euro für ausgelagerte Risiken gerade. Wertverluste der Papiere schlügen nicht mehr auf die Bilanz der Bank durch. Meldungen über immer neue Milliarden-Löcher seien „nunmehr Vergangenheit“.

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Stuhlmann erwartet schwarze Zahlen für 2008

Im laufenden Jahr erwartet die WestLB durch den Konzernumbau weitere Ergebnisbelastungen. Stuhlmann rechnet damit, dass der Bank in diesem Jahr die Rückkehr in die schwarzen Zahlen gelingt. Aus heutiger Sicht seien keine Umstände zu erkennen, die auch 2008 rote Zahlen erwarten ließen, sagte er. Das erste Quartal 2008 sei insgesamt deutlich positiv. Hoffnung machte der Bankmanager den Steuerzahlern, die letztlich für den fünf Milliarden Euro umfassenden Risikoschirm gerade stehen müssen. Die Summe sei sehr konservativ berechnet worden und betrage ein Mehrfaches der erwarteten realen Verluste. Die tatsächlichen Ausfälle seien bis heute minimal.

Zukunft vieler Arbeitsplätze weiterhin unklar

Die verunsicherte Mitarbeiter der WestLB haben heute wenig Neues darüber erfahren, was in Zukunft mit ihren Arbeitsplätzen geschieht. Sie wissen seit Wochen, dass die Bank bis 2010 rund 1350 ihrer etwa 5900 Stellen streichen und so 300 Millionen Euro einsparen will. Vor allem im Back-Office und in den Computer-Abteilungen sollen Jobs wegfallen. Stuhlmann sagte heute, dass es auch "Standortschließungen geben wird". Doch welche Niederlassungen betroffen sein werden, ließ er offen. Vermutlich werden auch Niederlassungen im In- und Ausland zusammengelegt oder auf den Status einer Repräsentanz heruntergestuft. Von international wichtigen Finanzplätzen wolle sich die Bank jedoch nicht zurückziehen. Die Restrukturierungspläne sollen bis spätestens Mai fertig sein, dann beginnen die Verhandlungen mit den Arbeitnehmer-Vertretern. Und dann wissen endlich auch die Mitarbeiter, was auf sie zukommt.

„Der vor uns liegende Weg wird hart und steinig sein“, sagte Stuhlmann. Es gebe aber keine Alternative.

Bank will Mittelstandsgeschäft ausbauen

Für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres erwartet Finanzvorstand Hans-Jürgen Niehaus, dass die WestLB „insgesamt deutlich positiv abschneiden wird“. Der Risikoschirm wirke sich bereits positiv aus. Außerdem liefen die Geschäfte mit Großkunden und dem Mittelstand gut. Mit dem Umbau der Bank solle die WestLB für die notwendige Konsolidierung der Landesbanken fit gemacht werden, sagte Stuhlmann. In diesem Prozess wolle die WestLB eine aktive Rolle spielen. Auf Dauer könne die WestLB allein nicht die nötige Kundenbasis gewinnen. In den vergangenen Monaten waren Versuche gescheitert, die Düsseldorfer Bank mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) oder der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) zu fusionieren.

 Im Investmentbanking werde sich die WestLB auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, um die Ergebnisschwankungen zu verringern und das Risikoprofil zu verbessern. Ziel der Bank sei es, die Eigenkapitalrentabilität vor Steuern bis 2010 auf ein zweistelliges Niveau zu steigern.

Hilgert folgt Stuhlmann

Stuhlmann, der erst im vergangenen Sommer an die Spitze der WestLB berufen worden war, gibt sein Amt zum 1. Mai an Heinz Hilgert ab, zuletzt stellvertretender Vorstandsvorsitzender der genossenschaftlichen DZ Bank. Hilgert besitze große Erfahrungen in der erfolgeichen Neuausrichtung von Geschäftsmodellen, lobte WestLB-Aufsichtsrat-Chef Michael Breuer gestern nach der Entscheidung. Außerdem verfüge der Manager über „besondere Kompetenzen bei Fusionen und der Restrukturierung bankbetrieblicher Prozesse“.

All diese Erfahrungen dürfte die Bank dringend benötigen. Denn sie befindet sich in einer Phase größter Unsicherheiten. Das bisherige Geschäftsmodell - mit einer starken Betonung des lukrativen, aber riskanten Auslandsgeschäfts - hat sich als zu gefährlich für die Bank erwiesen und in den vergangenen Jahren wiederholt existenzbedrohende Verluste verursacht. Inzwischen sucht das Geldinstitut fieberhaft nach einem neuen Geschäftsmodell und setzt dabei vor allem auf eine Stärkung des Mittelstandsgeschäfts und der Zusammenarbeit mit den Sparkassenverbänden. Doch beurteilen viele Experten das bislang Erreichte noch nicht als ausreichend, um langfristig ein Überleben der Bank zu sichern. Es gilt als ausgemacht, dass die WestLB einen Fusionspartner braucht.

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