Finanzmarkt: Die Folgen und Lehren der Finanzkrise

Finanzmarkt: Die Folgen und Lehren der Finanzkrise

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Heinrich Weiss, Chef des Anlagenbaukonzerns SMS Group

Welche Folgen hat die Finanzkrise für Banken und Unternehmen? Wie sollten die Banken künftig agieren? Top-Vertreter von Geldhäusern und Industrie diskutieren über Pleiten, Kreditklemme und „Good Banks“.

WirtschaftsWoche: Herr Weiss, in der Industrie mehren sich Klagen über eine zu restriktive Kreditvergabe. Viele Unternehmen meinen, dass sie für fehlgeschlagene Spekulationen der Finanzindustrie büßen müssen. Hat das Vertrauen in die Banken gelitten?

Heinrich Weiss: Das persönliche Verhältnis und das Vertrauen zu den Banken im Firmenkundengeschäft hat nicht grundsätzlich gelitten. Mittelstandskredite sind derzeit auch noch kein großes Problem. Der Zinssatz ist nur höher. Größere Kreditlinien im dreistelligen Millionenbereich sind schwieriger. Wenn überhaupt, gibt es sie nur zu sehr hohen Zinsen. Wer zu seiner Hausbank über Jahre gute Kontakte gehalten hat, bekommt heute leichter neues Geld. Wer aber in den Boomjahren wegen minimaler Vorteile zu einer Auslandsbank gegangen ist, hat es schwerer. Wenn der nun reumütig zurückkehrt und Hilfe will, wird er möglicherweise nicht mehr bedient.

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Albrecht Graf Matuschka: Das ist mir zu positiv. Die Banken haben Vertrauen eingebüßt. Wir sind schon mitten in einer Kreditklemme und stehen vor einer Pleitenwelle. Jetzt rächt sich, dass sich die Banken zu wenig um ihr Kerngeschäft, die Finanzierung und die Begleitung des Wachstums der Unternehmen, gekümmert haben.

Joachim Schielke: Da muss ich widersprechen. Wir sind als Banken auf eine langfristige Verbindung zu den Kunden angewiesen. Es gab aber Banken und Unternehmen, bei denen das Einzelgeschäft im Vordergrund stand. Das hinterlässt jetzt Spuren. Schwierig ist die Lage bei sehr großen Krediten, die von Bankenkonsortien vergeben werden. Hier hatten wir 2007 noch ein Volumen von 270 Milliarden Euro, der Anteil der Auslandsbanken lag bei 60 bis 80 Prozent. Wenn die jetzt wegfallen, weil viele selbst angeschlagen sind, ist das eine große Herausforderung für deutsche Banken, dies aufzufangen...

Wieso? Sie können doch jede Menge neue Kunden gewinnen.

Schielke: Die Banken können kein überproportional großes Einzelrisiko auf sich nehmen.

Kommt es also doch zu einer Kreditklemme?

Lutz Diederichs: Das glaube ich nicht. Der Finanzierungsbedarf wird automatisch kleiner, wenn weniger Investitionen getätigt werden. Der prognostizierte Rückgang der Umsätze deutscher Unternehmen um durchschnittlich 27 Prozent in diesem Jahr ist für mich ein eindeutiges Signal. Im Übrigen ist mir die Kritik an den Banken zu pauschal. Manche hatten immer ihre Wurzeln im Mittelstand und haben diese Klientel auch nie im Stich gelassen. Bei ihnen hat das nicht kundenbezogene Investmentbanking nie die dominierende Rolle gespielt, weil sie wussten, dass langfristige Beziehungen auf Dauer mehr Gewinn schaffen als die Konzentration auf kurzfristige Transaktionen.

"Nicht alle Banken glaubwürdig"

Matuschka: Sie zeichnen ein idealisiertes Bild. Das Finanzsystem, die Organisation der Banken und ihre Bewertung an der Börse standen dem Aufbau von dauerhaften Beziehungen entgegen. Belohnt wurden Eigenhandel und internationale Deals. Daran hat sich nichts geändert. Wirklich um die Unternehmen gekümmert haben sich in den Banken nur die Mitarbeiter vor Ort. Die können aber durch ein fehlgeleitetes Ratingsystem die Potenziale des Kunden oft gar nicht in der Bank deutlich machen.

Weiss: Heute sagt jede Bank, sie orientiere sich am Mittelstand, aber nicht alle sind glaubwürdig. Nehmen Sie die Deutsche Bank. Deren Chef lässt sich zum staatstragenden Bankier hochstilisieren, der am nationalen Rettungspaket mitarbeitet. Zugleich hat sein Haus Stadtkämmerern Hochrisikopapiere verkauft und damit billigend in Kauf genommen, dass Millionen Steuergelder verloren gehen. Das schafft kein Vertrauen.

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