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Finanzmarktkrise: Investmentbanken: Ende der Party

von cornelius.welp@wiwo.de, yvonne esterhazy und thomas katzensteiner

Die Finanzmarktkrise erreicht die erfolgsverwöhnten Investmentbanken. Sie müssen sich auf härtere Zeiten einstellen.

Finanzzentrum London: Die Stimmung unter den Investmentbankern hat sich eingetrübt,  dpa
Finanzzentrum London: Die Stimmung unter den Investmentbankern hat sich eingetrübt, Foto: dpa

Inmitten der aktuellen Turbulenzen an den Finanzmärkten ist Josef Ackermann so etwas wie der Fels in der Brandung. Er beruhigt, gibt fast väterlichen Rat, und das stets aus einer Position der Stärke heraus, die suggeriert, dass er sein eigenes Haus in bester Ordnung hat. Er sei „optimistisch für das Geschäftsumfeld der Banken weltweit“, sagt er dann etwa. Oder er ermahnt Wirtschaftsprüfer und Finanzaufsicht, einheitliche Regeln für die Bilanzierung von in Paketen gehandelten Krediten zu entwickeln. Dabei hält Ackermann stramm an seinen ehrgeizigen Zielen für 2007 fest. Die vorgegebenen 8,4 Milliarden Euro Gewinn soll die Deutsche Bank ebenso erreichen wie die angestrebte Vorsteuerrendite von 25 Prozent. Fest steht, so scheint es, die Wacht am Main. Ackermanns Optimismus teilen längst nicht alle. In den vergangenen Wochen haben Analysten auch die Deutsche Bank mit negativen Prognosen bedacht. Denn beim deutschen Branchenprimus stammen etwa 70 Prozent des Gewinns aus dem Investmentbanking, also dem Geschäft mit Finanzierungen, Wertpapierhandel und Übernahmeberatung. „Wir sind vorsichtig was die Investmentbanken angeht, das gilt vor allem für die Deutsche Bank“, warnten etwa Robert Law und Jon Peace von Lehman Brothers. Sie könne wegen des starken Engagements ihrer Londoner Investmentbank bei Zinsprodukten besonders anfällig für künftige Turbulenzen an den Geldmärkten sein. Analysten von J. P. Morgan rechnen deshalb damit, dass der Gewinn in diesem Segment im dritten Quartal um 40 Prozent zurückgeht. Stefan-Michael Stalman von Dresdner Kleinwort erwartet einen Ergebnisrückgang zwischen zehn und 20 Prozent bei der Deutschen Bank, UBS und Credit Suisse. Einbußen drohen allen Investmentbanken, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Denn gerade für diese Institute, die in den vergangenen drei Jahren von einem Rekord zum nächsten jagten und ihre Mitarbeiter mit immer fetteren Bonuszahlungen beglückten, wird das Geschäft schwieriger. Die Finanzmarktkrise, ausgelöst vom Einbruch bei schlecht besicherten US-Immobilienkrediten – den so genannten Subprimes – ist bei den Stars der Bankenszene angekommen. Mit Spannung werdennun die Quartalsergebnisse erwartet, die die US-Häuser Lehman Brothers, Morgan Stanley und Goldman Sachs in dieser Woche bekannt geben werden. Erste Auswirkungen der Subprime-Krise dürften bereits spürbar sein. „Alles spricht dafür, dass die Ergebnisse nicht so sein werden wie zuletzt“, sagt Charles Teschner, Bankenexperte und Geschäftsführer der Beratung Booz Allen Hamilton. „Es wird in vielen Bereichen Rückgänge auf der Ertragsseite geben.“ Im Zinsgeschäft sind kaum noch Gewinne drin, Hedgefonds brechen reihenweise zusammen. Vor kurzem noch gefeierte Innovationen im Kreditgeschäft will niemand mehr haben. Das Geschäft mit Übernahmen ist im August auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Zudem haben die Banken Probleme, ihre Kreditpakete aus fremdfinanzierten Übernahmen zu syndizieren, also an andere Finanzhäuser weiterzuverkaufen. Wenn überhaupt, geht das nur mit empfindlichen Abschlägen.

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Auch Deutsche Bank und J. P. Morgan Chase haben hier bereits schlechte Erfahrungen gemacht: Sie waren bereit, für den Zwölfmillionen-Dollar-Kredit, den der Finanzinvestor KKR zur Übernahme der britischen Drogeriekette Alliance Boots aufgenommen hatte, einen fünfprozentigen Abschlag hinzunehmen. Und bleiben bisher doch auf dem Paket sitzen. Schon im zweiten Quartalgingen Umsätze und Bruttogewinne der Investmentbanken im Durchschnitt leicht zurück. Doch während das Geschäft mit Übernahmen in diesem Zeitraum noch kräftig zulegte, sind derartige Lichtblicke nun selten geworden. Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) prognostiziert deshalb, dass die Vorsteuergewinne der fünf größten US-Institute im zweiten Halbjahr im Vergleich zu den ersten sechs Monaten um 70 Prozent fallen könnten. Die Unternehmensberatung Boston Consulting geht von im Schnitt 20 bis 30 Prozent schlechteren Ergebnissen aus. Laut Lehman Brothers stagnieren die Erträge im europäischen Investmentbanking 2007 und 2008. „Einige Investmentbanken haben in den vergangenen Monaten nur Kapital hin- und her bewegt. Für sie wird es eine neue Erfahrung sein, wenn sie nun einzelne Assets länger halten müssen“, sagt ein hochrangiger Manager einer US-Bank. Große Institute könnten Schwankungen durch die Breite ihres Angebots und die weltweite Präsenz noch am besten wegstecken. Andere dagegen würden durch ihr überproportionales Engagement auf dem US-Immobilienmarkt oder im Hedgefondsgeschäft stärker unter Druck geraten. Auch Deutsche-Bank-Chef Ackermann hat angekündigt, Schwankungen im Investmentbanking durch höhere Gewinne in „stabileren“ Bereichen wie etwa dem Privatkundengeschäft ausgleichen zu wollen. Viele Experten gehen davon aus, dass die Bank auch im Investmentbanking zumindest in den nächsten Monaten weniger stark leidet. Im Vergleich zu vielen US-Wettbewerbern habe sie ein „günstiges Geschäftsportfolio“, heißt es in London. So ist sie etwa stark im Geschäft mit den aufstrebenden Schwellenmärkten engagiert, einem der wenigen Segmente, dem Experten neben Devisen- und Rohstoffhandel auch in der näheren Zukunft Zuwächse zutrauen.

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