Finanzmarktregulierung: Banken warnen vor zu kurzen Zügeln

Finanzmarktregulierung: Banken warnen vor zu kurzen Zügeln

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Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann, der dem internationalen Bankenverband IIF, lud zur Tagung nach Wien: Die Branche diskutierte über die Folgen der Finanzmarktregulierung

von Cornelius Welp

Der internationale Branchenverband IIF um Josef Ackermann will eine überhastete Regulierung verhindern. Von ihm vorgestellte Zahlen zu den Konsequenzen klingen dramatisch, sind aber kaum belastbar.

Die Dressur funktioniert perfekt. In der Spanischen Hofreitschule in Wien traben, hoppeln und hüpfen die berühmten Lippizaner, ganz im Takt der klassischen Musik und ganz so, wie es ihre Reiter von ihnen verlangen. Ganz vorne in der Loge sitzt an diesem Abend Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und verfolgt lächelnd und aufmerksam den stimmungsvollen Aufgalopp. Um ihn herum hat sich reichlich internationale Finanzprominenz versammelt, denn schließlich hat der weltweite Branchenverband IIF, dem Ackermann vorsteht, zu seinem Frühjahrstreffen nach Wien geladen. Es gibt viele Diskussionen um Stabilität und Regulierung, es gibt Vorträge, etwa von Investor George Soros, der das Finanzsystem erst im zweiten Akt des Platzens der „Superblase“ sieht, und von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, der noch einmal das Rettungspaket für den Euro verteidigt.

Bankenbranche mal dramatisches Bild

Die Botschaft, die von dem Treffen in die Welt hinausgehen soll, ist klar: Ganz so brav wie die Lippizaner wollen sich die Banken von ihren Aufsehern auch künftig nicht an der Longe führen lassen. Damit die Zügel nicht zu sehr und vor allem nicht zu schnell angezogen werden, haben die IIF-Ökonomen eine Studie gemacht. Mit ihr wollen sie zeigen, welche volkswirtschaftlichen Folgen geplante neue Vorschriften haben, dass diese zwar langfristig Vorteile bringen, aber auch einen Preis haben. Das Ergebnis klingt dann auch erstmal dramatisch: Würden die vom Baseler Ausschuss vorgestellten Regeln zur besseren Ausstattung der Banken mit Kapital und Liquidität wie ursprünglich vorgesehen und dazu auch noch schnell umgesetzt, würde das in den USA, Europa und Japan über die nächsten Jahre drei Prozent Wachstum und fast zehn Millionen nicht geschaffene Arbeitsplätze kosten.

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Sonderlich aussagekräftig ist das umfangreiche Rechenwerk freilich nicht: So basiert es auf dem ersten Entwurf des Baseler Ausschuss zur besseren Kapital- und Liquiditätsausstattung vom vergangenen Dezember. Der ist nun also schon mehr als ein halbes Jahr alt, und Vertreter des  Komitees selbst haben mehrfach erklärt, dass er noch modifiziert werde. Außerdem ignoriert die Studie vollkommen die positiven Effekte der durch die verschärften Vorschriften wachsenden volkswirtschaftlichen Stabilität, die, das zeigen die Erfahrungen der vergangenen drei Jahre, erheblich sein dürften. So bleibt der Eindruck, dass die Banken vor dem nächsten Treffen der G20-Abgesandten Ende des Monats auch noch einmal ordentlich Druck machen wollen, um zu scharfe Sanktionen zu verhindern. Sie kommen so auch den Baseler Rechenkünstlern zuvor, die ihre Ergebnisse über Kosten und Regeln neuer Regeln im Sommer vorstellen werden. IIF-Vertreter selbst bezeichnen ihre Rechnerei denn auch als „Zwischenstand“ und „nicht in Stein gemeißelt“.

Zahlen der Bankenlobby beeindrucken nicht

Entsprechend verhalten sind die Reaktionen der anderen Seite auf den Bankenvorstoß. Der für das Thema verantwortliche Chefvolkswirt der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, Stephen Cecchetti, hatte bereits Tage vor dem Treffen die Auswirkungen der geplanten Regeln auf das Wachstum als „milde“ und die Befürchtungen der Banken als übertrieben bezeichnet. In Wien erklärt auch Nout Wellink, Vorsitzender des Baseler Ausschusses, dass er die Aussagekraft der Bankeninitiative für eher begrenzt hält. Immerhin bleibt die Botschaft, dass beide Seiten weiter konstruktiv und intensiv mit einander reden wollen und bereits von der wertvollen Expertise der anderen profitiert haben. Eine ohne allzu belastbare Grundlage in den Raum gestellte Zahl dürfte diesen Dialog allerdings nicht sonderlich fördern.

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