_

Finanzvermittler: Warum es AWD besonders hart trifft

von Ingrid Herden

Die Finanzvermittler bekämpfen sich verbissen. Besonders hart trifft das AWD, dem der Hauptkonkurrent den Marktauftritt vermasselt. Mitarbeiter gehen, ein Ex-Top-Manager kündigt den Einstieg bei der Konkurrenz an, Anleger drohen mit Prozessen.

Logo der AWD Quelle: dpa
Logo der AWD Quelle: dpa

So demontiert sich ein Unternehmen selbst. In der Zentrale in Hannover, aber auch in den 520 Büros draußen im Land, tauschen Mitarbeiter die Türschilder aus. Büromaterial vom Schreibblock bis zum Kuli wird demnächst eingelagert oder landet im Müll. Hauptsache, nirgendwo steht mehr „Ihr unabhängiger Finanzdienstleister“ drauf. Bis Ende September muss der Spruch im Geschäftsverkehr komplett verschwinden. So verlangt es das Landgericht Hannover. Von der Internet-Seite des Konzerns ist das Attribut „unabhängig“ bereits verschwunden.

Anzeige

Deutschlands zweitgrößter Finanzvermittler, der Allgemeine Wirtschaftsdienst, kurz: AWD, durchlebt gerade eine der schwierigsten Phasen seiner Geschichte. Nicht nur, dass die rund 4000-köpfige Vertretertruppe, die ihr Geld in Deutschland mit dem Verkauf von Versicherungen und Kapitalanlagen verdient, das viele Jahre alte umstrittene Markenzeichen aufgeben muss.

Auf AWD rollt Welle von Prozessen zu

Der Finanzdienstleister von der Leine wird in den kommenden Monaten auch von anderer Seite massiv in die Mangel genommen werden. Verärgerte ehemalige AWD-Vertreter und Anleger, die sich zu Initiativen zusammengeschlossen haben, planen eine Welle von Prozessen gegen den Finanzriesen – die einen wegen angeblicher Falschberatung durch AWD-Leute, die anderen wegen angeblich zu Unrecht einbehaltener Boni-Zahlungen durch die Konzernleitung.

Gleichzeitig holt der frühere AWD-General-Manager für den deutschen Vertrieb, Jörg Jacob, zum Schlag gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber aus. Der charismatische Verkaufsguru galt als Intimus, aber auch als Rivale von Carsten Maschmeyer, der den AWD 1988 gegründet hatte. „Am 1. Oktober steige ich als Hauptgesellschafter bei Formaxx ein“, kündigt Jacob gegenüber der WirtschaftsWoche an.

Der Finanzdienstleister in Hannover, nur gut zehn Autominuten von der AWD-Zentrale entfernt, hatte nach seiner Gründung im Herbst 2007 zahlreiche AWD-Manager abgeworben. Zudem wird das Unternehmen von ehemaligen Größen wichtiger AWD-Wettbewerber gelenkt. Im Vorstand sitzen Ralf Steinmeister, einst Manager beim Marktführer Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG); Eugen Bucher, früherer Vorstand beim Branchendritten MLP; und Kai Lange, Schwager von AWD-Gründer Maschmeyer. Dem Vernehmen nach will Jacob einen zweistelligen Millionenbetrag in Formaxx investieren. Im Vorstand dürfte er das wichtige Vertriebsressort übernehmen. Die Personalie steht demnach auf der Tagesordnung des Aufsichts-rats, der am 8. September zusammenkommt.

Ruf bei Verbraucherschützern verbessert

Der Angriff von Maschmeyers Ex-Intimus Jacob, die drohende Prozesswelle und der Verlust der Werbebotschaft „unabhängig“ treffen den AWD in schwieriger Zeit. Der Wettbewerb um die wenigen Spargroschen der meisten Verbraucher wird immer brutaler. Wie die Konkurrenz, so bekommen auch die gut 4000 Versicherungs- und Geldanlage-Verkäufer des AWD in Deutschland die schwache Nachfrage durch die Finanzkrise und die seit 2008 verschärften Transparenzvorschriften in der Finanzbranche zu spüren. Nach einem zweistelligen prozentualen Schwund bei Umsatz und Ergebnis im Jahr 2008 musste der neue AWD-Vorstandschef Manfred Behrens im ersten Quartal 2009 ein operatives Minus von sechs Millionen Euro melden. Die Halbjahreszahlen lassen kaum Besserung erwarten. „Insgesamt geht die AWD-Gruppe von einem schwierigen Jahr 2009 aus“, heißt es im Quartalsbericht.

Dabei war der Ruf des Branchenzweiten in den vergangenen Jahren immer besser geworden. Die Kritik der Verbraucherschützer an dem pyramidenartigen Strukturvertrieb, in dem erfolgreiche Vermittler aufstiegen und die neuen Kollegen unter sich zum Verkauf von immer mehr Finanzprodukten antrieben, war abgeebbt.

48 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.02.2010, 18:30 UhrAnonymer Benutzer: pete1

    Endlich sind die Strukturvertriebe in der Wirklichkeit angekommen ; Attribute wie "unabhängig" "Optimierung" "Auswahl unter allen Anbietern das beste" sind zumindest als Reklame endlich Geschichte ! ..und nicht nur die Grabenkämpfe untereinander ,das Zurudeln & Aufkaufen um noch größer & stärker dazustehen, trägt mittlerweile einer nicht mehr mit : der Kunde, denn der ließt auch Zeitung und schaut ins www und schüttelt fassunglos den Kopf und fragt bei seinem "Optimierer" jetzt mal tiefgründiger nach..baliose, Deutscher Ring, Signal iduna, Swiss Life ,DVAG,OVb, AWD..hier bringen sich einige um ihren sauer erworbenenden Ruf...Gott sei Dank besinnt sich der Kunde demnach wirklich an den zurück, den es immer (wenn auch kleiner..) an seiner Wohnecke gegeben hat ; den Mehrfachagenten, Makler, der (zu meist..) keinen Scientology mässigen Druck bei einer Analyse weitergibt..er analysiert und versucht einiges zu verbessern..mehr nicht..Gott sei Dank !

  • 06.10.2009, 02:28 UhrAnonymer Benutzer: Matthias

    www.arero.de von Prof. Dr. Weber Mannheim - Konzept weltweit 60% Aktien biP bezogen, 25 % Renten in €, 15 % Rohstoffe mit jährlichem reballancing nach biP und Anteilsaufteilung - 0% Aufgabeaufschlag (z.b. bei diba, aber auch codi oder dws) und einem TER von 0,45%!!! Transparent und unschlagbar kostengünstig - Finanzdienstleister, bankberater, Versicherungen zum Vermögensaufbau oder Altersvorsorge von SPD Mitgliedern und Lobbyisten wie Riester oder (AWD-) Rürup...??? nein danke

  • 24.08.2009, 14:15 UhrAnonymer Benutzer: Ralf Gehrken

    Völlig RiCHTiG Herr Priester und ich setzte noch einen drauf!
    Hartz iV - Empfängern wird Riester verkauft - sie sparen es sich vom Munde ab...und was haben sie davon wenn die Alters-Rente kommt... Hartz iV läßt grüßen, dann werden die tollen "Renteneinkünfte" wieder verrechnet. Dies aber sind nicht die Vertriebe Schuld, sondern der Gesetzgeber hat eine Provisionsmaschine geschaffen die von diesen ausgenutzt werden.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert
Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert

In einer internen Videobotschaft an die HP-Beschäftigten gibt Meg Whitman mehr Details zu dem geplanten Abbau von 27.000...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.