Firmensitze: Warum deutsche Dax-Konzerne häufig umziehen

Firmensitze: Warum deutsche Dax-Konzerne häufig umziehen

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Umzüge deutscher Großunternehmen

TUI plant es, andere deutsche Top-Konzerne haben darin schon Erfahrung. Ob Konzernumbau, Steuerersparnis oder die Liebe: Weshalb deutsche Unternehmen immer wieder ihre Konzernzentralen verlegen.

TUI-Chef Michael Frenzel liebt das Neue. Zuerst machte er aus dem Gemischtwarenladen Preussag einen Reiseriesen. Dann taufte er das Unternehmen in TUI um. Nun will er auch noch die letzte Konstante löschen: den Firmensitz. Im Laufe des Jahres soll der Konzern von Hannover nach Hamburg umziehen.

Mit seiner Wanderlust ist der dienstälteste Chef eines Dax-Unternehmens in guter Gesellschaft. Mehr als ein Dutzend prominenter heimischer Unternehmen haben in den vergangenen Jahren die Kartons gepackt – oder dies angekündigt.

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Einige davon siedelten sogar mehrfach um. So wechselten die Mitarbeiter des Metallspezialisten Degussa, der im Jahr 2001 von Frankfurt nach Düsseldorf gezogen war, rund drei Jahre später nach Essen, wo die Konzernmutter Evonik (früher RAG) residiert. Ähnliches steht womöglich bald den Beschäftigten der Deutsche-Bahn- Tochter Schenker bevor. 2000 zogen viele mit der Konzernspitze von Frankfurt nach Berlin. Nun will Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, der vor zwei Jahren noch den ganzen Konzern nach Hamburg verlegen wollte, nach Angaben von Vertrauten zumindest den Logistik-Bereich an die Elbe schicken.

Hinzu kommen viele unmerklich schleichende Umzüge. So hatte die Lufthansa seit der Gründung stets Köln als Firmensitz. Doch Konzernchef Wolfgang Mayrhuber hat immer mehr Abteilungen an den Frankfurter Flughafen geholt.

In der Regel spiegeln Unternehmensumzüge Veränderungen im Geschäft wider. Der Chemiekonzern Altana oder der Technologieriese Gea (früher Metallgesellschaft) hatten Geschäftsfelder verkauft, und so zog die Unternehmensspitze zur größten verbliebenen Tochter. Bei Gerling Versicherungen oder Degussa wollten die Mütter Talanx oder Evonik die Töchter am Ort wissen. Der Umzug von ThyssenKrupp aus Düsseldorf in die Krupp-Stadt Essen ist – zehn Jahre nach dem Zusammenschluss der beiden Stahlkonzerne – eine Spätfolge der Fusion.

Manchmal ist auch Geld im Spiel. So soll der Hamburger Senat die Bahn mit Umzugshilfen gelockt haben. Die Deutsche Börse will nach Eschborn wechseln, weil das die Steuerquote von 36 auf 29 Prozent drückt.

Dazu kommt Psychologie. Infineon wollte sich auch räumlich von der einstigen Konzernmutter Siemens trennen. Thomas Cook schluckte zwar englische Firmen. Die Führung überließ Haupteigentümer Arcandor (früher Karstadt) aber Managern der übernommenen Unternehmen im fernen London, nicht zuletzt, weil sich Arcandor-Chef Thomas Middelhoff dort wohler fühlt als in Essen.

Gelegentlich lassen sogar Herzensangelegenheiten die Daxe wandern. So soll Wolfgang Reitzle, der Chef des Gaseherstellers Linde, auch deshalb den Firmensitz nach München verlegt haben, weil dort seine Frau, die Fernsehmoderatorin Nina Ruge, wohnt.

Am Ende sorgen alle Umzüge dafür, dass sich in Deutschlands drei wirtschaftliche Zentren herausgebildet haben: Rhein-Ruhr mit neun Konzernzentralen, sowie München und die Rheinebene mit jeweils acht Topunternehmen.

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