Flexibilisierung: Wie Unternehmen ihre Mitarbeiter halten

Flexibilisierung: Wie Unternehmen ihre Mitarbeiter halten

von Christian Schlesiger, Lothar Schnitzler und Rüdiger Kiani-Kreß

Überstunden, Arbeitszeitkonten, Kurzarbeit – mit flexiblen Instrumenten halten Unternehmen ihre Beschäftigten.

TUI Deutschland

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Daimler

Der Reiseveranstalter schickte ab Mai vergangenen Jahres alle 1800 Beschäftigten der Zentrale in Hannover vorübergehend in verkürzte Arbeitswochen. Dabei legten die Mitarbeiter bis Januar 2010 vier Monate lang jeweils für zwei Tage die Arbeit nieder und kürzten so ihre Arbeitszeit um zehn Prozent. So glich das Unternehmen Arbeitsspitzen und -dellen während der Kurzarbeitsphase aus. Das war „eine wahre Erfolgsgeschichte“, freut sich Personalchefin Ute Buscher. „Rund drei Prozent der Arbeitsplätze“ seien dadurch erhalten worden, also mehrere Dutzend Jobs.

Etwas problematisch ist die Situation noch bis Ende September in den 400 TUI-eigenen Reisebüros, die im Schnitt drei bis fünf Mitarbeiter beschäftigen. Kurzarbeit läuft dort anders: Sinkt in einem Monat der Umsatz unter eine bestimmte Größe, wird im Folgemonat kurzgearbeitet. Arbeitnehmervertreter kritisieren die hohe Leistungsverdichtung. „Weniger Kunden in den Reisebüros bedeuten nicht unbedingt weniger Arbeit“, sagt Konzernbetriebsratsvorsitzender Frank Jakobi. Gerade in der Krise würden Kunden auf den Preis achten und wollten gut beraten werden. Dadurch müssten die Kollegen in weniger Zeit die gleiche Arbeit erledigen. Bislang waren 200 Filialen von Kurzarbeit betroffen. Ob die Aktion über September hinaus fortgesetzt wird, entscheidet sich erst nach den Sommerferien.

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Daimler

Das waren die Arbeiter und Angestellten des schwäbischen Traditionskonzerns nicht gewohnt: Kurzarbeit, Trennung von Zeitarbeitern und Arbeitszeitverkürzung mit Lohneinbußen. Mehr als 100.000 Mitarbeiter der Edelmarke mussten ab Mai 2009 mit weniger Geld und weniger Arbeit auskommen. 57.000 Beschäftigte an den deutschen Standorten gingen in Kurzarbeit, die restlichen 63.000 mussten eine Arbeitszeit- und Lohnkürzung von 8,75 Prozent hinnehmen.

Ein Jahr und ein Monat mindestens, so erfuhren die deutschen Daimler-Werker, sollte die Arbeitszeitverkürzung dauern, die Kurzarbeit möglicherweise noch länger. Mit im Paket, das Betriebsratschef Erich Klemm und Arbeitsdirektor Wilfried Porth ausgehandelt hatten, war eine Verschiebung der Tariferhöhung um fünf Monate und eine Reduzierung zum Kurzarbeitsgeld. Im Gegenzug verzichtete Daimler auf betriebsbedingte Kündigungen.

Inzwischen ist die Kurzarbeit weitgehend passé. Nur noch 13.700 Mitarbeiter arbeiteten Ende Mai in Deutschland kurz. Vor allem die tarifliche Arbeitszeit- und Lohnkürzung von fast neun Prozent konnte Daimler-Personalvorstand Porth einen Monat früher und für alle Betroffenen aufheben. Mehr noch: In den deutschen Daimler-Werken arbeiten wieder 1800 Zeitarbeiter. Und in einzelnen Pkw-Fabriken wie Sindelfingen, Untertürkheim und Bremen wird wieder samstags gearbeitet. Für die Werke Sindelfingen und Bremen haben Betriebsrat und Werkleitung für die kommende Jahreshälfte Zusatzschichten vereinbart. Im Werk Rastatt laufen entsprechende Verhandlungen noch. In den Sommerferien will Daimler wieder 2100 Schüler und Studenten einstellen. Die Sommerpausen sind in mehreren Werken gestrichen.

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