Flugchaos: Wie die Vulkanasche die Wirtschaft lähmt

Flugchaos: Wie die Vulkanasche die Wirtschaft lähmt

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Lademeister verriegeln einen Container in einem Frachtflughaus auf dem Flughafen Leipzig/Halle

Wichtige Bauteile fehlen, Topmanager sitzen fest. Die Aschewolke trifft eine der wichtigsten Lebensadern unserer Wirtschaft. Eine Spurensuche.

Selbst Spitzenpolitiker wie die Bundeskanzlerin und Verteidigungsminister zu Guttenberg sind bei dem derzeitigen Reisechaos machtlos. Auf mehrtägigen Überlandfahrten kehrten sie nach Deutschland zurück. Und die Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull, die seit Tagen den Luftverkehr lahm legt, trifft auch eine der wichtigsten Lebensadern unserer Wirtschaft. Denn es sind nicht nur ein paar exotische Südfrüchte, die nun nicht per Luftfracht nach Europa geflogen werden können. Auf die kann man zur Not auch mal verzichten, solange es noch das hierzulande wichtigste Obst, Bananen und Äpfel, gibt. Es sind wichtige Ersatzteile die nun nicht nach Australien, Brasilien und in die USA kommen. Besonders für eine Maschinenbaunation wie Deutschland ein Problem.

Der Münchner Autobauer BMW unterbricht infolge der europaweiten Flugverbote wegen der Vulkanaschewolke seine Produktion. Bereits am Dienstagnachmittag würden die Bänder zur Spätschicht im Werk in Dingolfing angehalten, sagte ein Konzernsprecher. Danach folgen die Werke in Regensburg und München am Mittwoch und am Donnerstag. Derzeit geht BMW jedoch davon aus, Freitag die Produktion wieder aufnehmen zu können.

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Insgesamt müsse die Fertigstellung von rund 7000 Fahrzeugen verschoben werden, sagte der Sprecher. Grund für die Unterbrechung seien Lieferengpässe vor allem bei Elektronikbauteilen, die per Luftfracht geliefert würden. Der Konzern habe bereits Gespräche mit dem Betriebsrat begonnen, um die ausgefallene Produktion möglichst rasch aufzuholen.

Ganz so dramatisch sind die Engpässe beim Chiphersteller Infineon noch nicht. Doch wenn die Einschränkungen noch einige Tage anhalten, feheln auch wichtige Komponenten. Daher prüft das Unternehmen derzeit, Bauteile alternativ auf dem Land- und Seeweg zu transportieren. Sogar die Möglichkeit, eigene Flugzeuge zu chartern, wird untersucht, wie Infineon der wirtschaftsWoche sagte.

Topmanager und Fachkräfte sitzen fest, Messestände bleiben leer

Vor dem Vulkanausbruch flogen die Frachtflieger täglich 4000 Tonnen Luftfracht von Europa nach Asien und 7000 Tonnen in umgekehrte Richtung. Unter den betroffenen Unternehmen sind Hersteller von Elektronikbauteilen wie Plastic Logic, der in Dresden Displays für E-Book-Lesegeräte produziert. Diese hauchdünnen Displays werden gewöhnlich stapelweise in Kartons verpackt und nach China versendet. Dort lässt sie das Unternehmen in die Lesegeräte einbauen, die wiederum in die USA verschickt und dort verkauft werden. Nun stehen eine Reihe solcher globaler Lieferketten still.

Die Expressversender FedEx, DHL und UPS garantieren zum Teil keine Übernacht Auslieferung mehr in Nord- und Mitteleuropa. Um den Paketstrom nicht ganz abreisen zu lassen, steuert etwa die Posttochter-DHL die Flieger derzeit in südlichere Umschlagplätze wie Rom und Bergamo. Von dort aus geht es weiter per Lastwagen. Die Lieferungen aus den USA oder Asien verspäten sich dadurch um „drei bis fünf Tage“, sagt Sprecher Claus Korfmacher. Auch bei den Transporten innerhalb Europas müssen Empfänger rund 24 bis 72 Stunden länger auf die Sendungen warten.

Bahn und Taxen gewinnen

Neben eiligen Waren kommen auch wichtige Geschäftreisende nicht an ihr Ziel. So sitzen Monteure in Deutschland fest, können eine deutsche Hightech-Maschine am anderen Ende der Welt nicht aufbauen oder reparieren. Die Autobauer BMW und Daimler besitzen unter anderem Werke in den USA. Täglich fliegen deshalb deutsche Ingenieure hin und her – auch, weil einer der beiden Konzerne gerade seine Fertigung für neue Modellreihen umrüstet. Andernorts schaffen es Spitzenkräfte nicht, nach Deutschland zurückzukommen.

Allein bei der Allianz befanden sich am Freitag zehn Prozent der im internationalen Geschäft tätigen Mitarbeiter nicht in ihrem Heimatland. Bayer wartete gestern auf 150 Mitarbeiter. Auch Microsoft-Deutschland-Chef Achim Berg und sein designierter Nachfolger Ralph Haupter steckten länger als geplant in der Zentrale in Redmond fest.

Andere haben es inzwischen geschafft: Post-Chef Frank Appel steckte in New York, sein Flug am Freitag war gestrichen worden. Er ergatterte allerdings einen Flug nach Rom, von wo er am Sonntag im Dienstwagen nach Bonn zurückkutschiert wurde.

Tui-Deutschland-Chef Volker Böttcher wollte aus London zurück nach Hannover und hatte ebenfalls Glück: Ein belgischer Kollege nahm ihn in seiner privaten Propellermaschiene mit - da diese weitaus tiefer fliegen, galt das Flugverbot nicht. 

Werner Vogels, Technik-Chef bei Amazon, befand sich quasi im Herzen des Chaos - auf Island. Er bekam den letzten Platz in einer Maschine nach Glasgow. "Ich war noch nie so froh, über einen Sitz in der Mitte", freute sich Vogels auf Twitter. 

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