Fluglinien: Aufschwung bringt Fluglinien nur eine Scheinblüte

Fluglinien: Aufschwung bringt Fluglinien nur eine Scheinblüte

Bild vergrößern

Flughafen in Frankfurt am Main abgefertigt: Der Weltluftverband sagt für nächstes Jahr einen Aufschwung voraus - trotzdem bleiben die Airlines eine Krisenbranche

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der Weltluftverband sagt für nächstes Jahr einen Aufschwung voraus - doch Europas Fluglinien bleiben eine Krisenbranche. Kleine Fluglinien geraten in Turbulenzen, zeigt eine Studie. Kunden beschert das höhere Preise, aber auch mehr maßgeschneiderte Angebote.

Wenn es in einer Branche wieder aufwärts geht, ist das meist ein Grund zu feiern. Doch nicht so in der Fliegerei. Zwar hat der Weltluftfahrtverband Iata vor kurzem ein Ende des Abschwungs verkündet und für das kommende Jahr Wachstumsraten von etwa fünf Prozent bei Umsatz und Passagierzahlen versprochen. Doch das ist leider immer kein Fall für Sekt, sondern Selters. Denn besser heißt für die Fluglinien immer noch grottenschlecht. Nach gut elf Milliarden Verlust in diesem Jahr wird die Branche in 2010 immer noch gut fünf Milliarden Minus schreiben.

Dafür sorgt ein grundlegender Strukturwandel der Branche. In den vergangenen anderthalb Jahren ist wohl bei kaum eine Branche - außer vielleicht den Medien - das Geschäftsmodell auf so breiter Front ins Rutschen gekommen wie bei den Airlines.

Anzeige

Optimisten mit Weitblick werden nun sagen, die Branche stürzt doch etwa alle zehn Jahre so richtig ab. 1990 war es der Einbruch nach dem ersten Golfkrieg. In 2001 das Ende des New-Economy-Booms und die Krise nach den Terroranschläge des 11. September in New York. Stimmt. Aber die aktuelle Krise hat mir den früheren wenig gemeinsam. Damals blieben vor allem Touristen aus Angst vor Anschlägen zu Hause. Die Geschäftsreisenden aber flogen bald wieder weiter. Und weil die rund ein Viertel der Passagiere stellen, aber mit ihren teueren Tickets für die Hälfte des Umsatzes und fast den ganzen Gewinn sorgen, war etwa drei Jahre und eine große Sparrunde nach dem 11. September 201 auch wieder alles mehr oder weniger im Lot. Die Flugmuffel buchten wieder und es gab wieder einen neuen Boom mit genug Geschäftsreisende, die gut 1000 Euro für einen Flug in Europa und 3-4000 Euro für die Reise nach New York zahlten.

„Heute hingegen hat die Fliegerei nicht nur einfach nur Umsatz verloren, sondern einen Großteil dieser wichtigsten Klientel“, sagt Brian Pearce, Chefökonom der Iata. Denn bei Geschäftsreisen gibt es seit Beginn der Krise nur noch zwei Trends: weniger und billiger. Innerhalb Europas und immer öfter auch auf der Langstrecke sind Business-Class-Kunden die Ausnahme. Statt dessen müssen immer mehr Dienstreisende auf Economy oder Billigflieger umsteigen. Wer noch bei Lufthansa & Co. fliegt, zahlt deutlich weniger. Um die wenigen verbliebenen Business-Klässler zu halten, haben die Airlines ihre Preise um Schnitt um rund ein Viertel gesenkt.

Wachsende Ausgaben für Sprit und Umweltschutz

Laut einer Übersicht der Iata trifft das vor allem die Linien in Europa und den USA, wo im Moment in etwa zwei von drei Flugtickets auf der Welt verkauft werden. Hier ist der Umsatzrückgang mit fast 20 Prozent in diesem Jahr nicht nur am größten – während etwa die Golflinien wie Emirates, Etihad und Qatar Airways trotz der Dubaikrise ein deutliches Plus haben. Auch in den nächsten Jahren wächst die Branche in der alten Welt deutlich schwächer als nach früheren Krisen. „Die Zeiten vieler Business-Class-Kunden und hoher Preise kommen in Europa wohl nie wieder zurück", sagt Experte Pearce.

Bis die Linien hier wieder auf den Umsatz des Jahres 2007 erreichen, könnte es beim erwarteten durchschnittlichen Plus von weniger als vier Prozent sechs Jahre dauern – und dann wäre es bald Zeit für die nächste Krise. „Das könnte nur eine neue Blase verhindern wie der Boom der New Economy Ende der neunziger Jahre oder wie im Finanzsektor zwischen 2003 und 2008“, sagt Pearce. „Aber das ist gerade nach der derzeitigen Rezession nicht absehbar.“

Das bringt viele Linien in Lebensgefahr. Denn in den nächsten Jahren werden die Kosten deutlich steigen. Dafür sorgen der wachsende Spritpreis steigende Gehälter sowie höhere Rechnungen von Flughäfen. Dazu kommenden die wachsenden Umweltauflagen. Ab 2012 brauchen alle Airlines, die Europa anfliegen, Zertifikate für das Klimagas Kohlendioxid, das ihre Treibwerke ausstoßen. Noch müssen die Linien nur für einen kleinen Teil zahlen. Aber die Experten der Iata befürchten, dass der Anteil zunehmen wird.

Besonders kleine Linien kommen aus Sicht der Iata in Finanzierungsschwierigkeiten. Angesichts steigender Kosten und wachsender Umweltauflagen können Airlines künftig eigentlich nur noch dann wachsen, wenn sie neue sparsame und weniger umweltschädliche Flugzeuge kaufen. Doch weil die Banken selbst viel Geld brauchen, brauchen sie nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds in den USA und Europa Hunderte von Milliarden, bevor ihre Reserven wieder in einem gemütlichen Bereich liegen. Darum haben sie wenig Interesse an mehr Krediten und schon gar nicht für finanzschwache Unternehmen, die wie Fluglinien schon in guten Zeiten ihre Kapitalkosten nicht verdienen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%