Fluglinien: Glimpfliches Ende für Lufthansas Übernahmepläne

KommentarFluglinien: Glimpfliches Ende für Lufthansas Übernahmepläne

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Lufthansa-Flugzeug beim Start: Die Fluglinie kann nun Brussels Airlines und die britische BMI übernehmen

Nun also doch. Nach einem achtmonatigem Pokerspiel mit Klagen vor Gericht und viel Begleitmusik in den Medien übernimmt die Lufthansa die hochdefizitäre britische Fluglinie. Auf den ersten Blick ein günstiges Geschäft. Denn alles in allem muss Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber an den BMI-Haupteigentümer Sir Michael Bishop umgerechnet nur gut 260 Millionen Euro überweisen.

Das sind rund 100 Millionen weniger als die rund 360 Millionen Euro, auf die sich Sir Michael vor zehn Jahren mit Mayrhubers Vorgänger und heutigem Aufsichtsratschef Jürgen Weber geeinigt hat,. Damals hatten beide beschlossen, Lufthansa werde im Jahr 2009 die britische Linie übernehmen. „Wir sind zufrieden“, kommentiert ein Lufthansa-Manager gegenüber wiwo.de.

Aber besser nicht zu sehr. Denn am Ende könnte der Kauf für die Lufthansa noch ziemlich teuer werden. Denn jetzt muss Lufthansa die Verluste tragen. Sicher, dafür bekommt die Lufthansa Zugang zu Europas größtem Flughafen London-Heathrow und könnte im Markt mit den traditionell höchsten Flugpreisen der alten Welt dem Erzrivalen British Airways ordentlich einheizen.

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Doch leider sind der Zugang zu Heathrow, eine Expansion und eine Tochter wie BMI im Moment so ziemlich das letzte, das die Lufthansa brauchen kann. Zum einen lahmt das Kerngeschäft. Vergangenen Freitag kassierte Mayrhuber seine Prognose, das Geschäftsjahr noch mit einem ordentlichen operativen Gewinn zu beenden, wie er es noch vor zwei Wochen versprochen hatte. Nun ist offenbar der Druck zu groß geworden. Das Passagiergeschäft meldet 20 Prozent Umsatzminus und die Fracht sogar mehr als 30.

BMI droht ein Fass ohne Boden zu werden

Dazu hat Mayrhuber genug andere Dinge zu tun. In der Champagnerlaune der vergangenen Jahre hat er neben BMI auch die Übernahme von Brussels sowie Austrian Airlines angeleiert. Und von denen braucht bereits Austrian fast die gesamte Kapazität der LH-Eingliederungsspezialisten.

Zu guter Letzt droht BMI aus Sicht von Branchenkennern ein Fass ohne Boden zu werden. Selbst British Airways verliert in London derzeit so viel Geld, dass BA seine Mitarbeiter bittet, doch ohne Bezahlung quasi ehrenamtlich für die ehemalige „Lieblingsairline der Welt“ zu arbeiten. Wie schlecht mag es da erst um BMI stehen, die bereits im vorigen Jahr bei gut einer Milliarde Pfund Umsatz 110 Millionen Pfund verlor. Pessimisten rechnen damit, dass BMI in diesem Jahr knapp 200 Millionen Euro Minus machen könnte. Davon müsste Lufthansa wohl deutlich mehr als 100 Millionen übernehmen. Denn auch wenn die Deutschen aus Gründen des Luftfahrtrechts nicht die Mehrheit haben, die Verluste müssen sie zu 80 Prozent übernehmen.

Und die Aussichten für BMI sind nicht sehr gut. Denn die Briten sind vor allem im Kurzstreckengeschäft für Geschäftsreisende tätig. Doch die Manager wandern in der Krise reihenweise zu Billigfliegern ab, wenn sie nicht gleich ganz im Büro bleiben und Videokonferenzen abhalten. Auch  im kommenden Aufschwung werden sie nur teilweise zurück kommen und wenn, dann ihre Tickets wohl eher in der günstigeren Economy als der teuren Business Class buchen.

Das alles wird die Lufthansa am Ende nicht umwerfen. Immerhin hat Europas Marktführer noch mindestens vier Milliarden auf der hohen Kante. Aber eine richtig strahlende Übernahme ist BMI nicht, nur ein glimpfliches Ende.  

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