Fluglinien: Lufthansa vor dem schwierigsten Jahr seit der Privatisierung

Fluglinien: Lufthansa vor dem schwierigsten Jahr seit der Privatisierung

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Lufthansa-Chef Mayrhuber: Der Krise den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.

Die Lufthansa steht vor dem schwierigsten Jahr seit ihrer Privatisierung. Konzernchef Wolfgang Mayrhuber muss die härteste Krise der Flugbranche überwinden, Christoph Franz als Nachfolger aufbauen, mehrere Zukäufe integrieren und das Unternehmen gründlich renovieren. Denn eine Exklusiv-Studie zeigt: Auf die Herausforderungen der Zukunft sind seine wichtigsten Konkurrenten unterm Strich besser vorbereitet.

Eine Zeitenwende bei der Deutschen Lufthansa erkennen Experten an einem untrüglichen Zeichen: Dann ändert Konzernchef Wolfgang Mayrhuber sein Aussehen.

Kurz nach Beginn seiner Amtszeit vor sechs Jahren tauschte er seine dicke Hornbrille gegen ein schlankes Drahtlosmodell – und startete ein milliardenschweres Sparprogramm. Vor zwei Jahren ersetzte der gebürtige Österreicher seine großzügig geschnittenen Sakkos durch sportliche Einreiher – und verordnete der Fluglinie eine dynamische Firmenkultur, die Verbesserungen zum Dauerzustand machen sollte, unabhängig von üblichen Sparprogrammen mit festen Laufzeiten und Ertragszielen.

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Jetzt wechselte Mayrhuber zu einem Retrolook mit kleiner Hornbrille und hochgeschlossenen Sakkos. Gleichzeitig startet er einen Kurswechsel zurück zu alten Lufthansa-Tugenden: Geld zusammenhalten und jedes Detail nachrechnen statt wie bis vor Kurzem kräftig zu expandieren.

Rückbesinnung auf die eigenen Stärken kann die Lufthansa in der aktuellen Krise brauchen. Zwar hat Europas umsatzstärkste Linie 2008 mit einem respektablen Gewinn von 804 Millionen Euro beendet. Doch um diese Führung abzusichern, braucht es größere Anstrengungen. „Die Lufthansa steht vor dem schwersten Jahr seit sie Anfang der Neunzigerjahre den Weg vom Staatsbetrieb zu einem Privatunternehmen begann“, sagt Markus Franke, Fluglinienspezialist der Unternehmensberatung Oliver Wyman.

Studie bewertet führende Fluglinien in Europa

Die Herausforderungen sind gewaltig. Die weltweite Wirtschaftskrise sorgt beim Kranich wie bei allen Fluglinien für beispiellose Umsatzeinbrüche von bis zu 20 Prozent und bringt die Lufthansa im Kerngeschäft Passagierverkehr erstmals in die Nähe roter Zahlen. Dazu kommen hausgemachte Herausforderungen. Die Lufthansa muss ihre komplizierte Firmenstruktur in den Griff kriegen und zusätzlich zu den bisher rund einem Dutzend Fluglinien bis Jahresende drei neue integrieren. Zwar hat der Aufsichtsrat gerade den – für einen Konzern mit 25 Milliarden Euro Umsatz mit drei Mitgliedern relativ kleinen – Vorstand endlich um Swiss-Chef Christoph Franz als Leiter des Fluggeschäfts erweitert. Doch nun muss ihn Mayrhuber, der vor dem Ruhestand steht, als Nachfolger aufbauen und mit ihm das Unternehmen auf die neuen Spielregeln in der Zeit nach der Krise vorbereiten.

Das wird mächtig anstrengend. „Die Lufthansa steht zwar finanziell in der Branche mit am besten da“, sagt Berater Franke. „Doch auf die künftigen Herausforderungen sind wichtige Konkurrenten zumindest in einigen Bereichen besser vorbereitet.“

Das ist das Ergebnis einer Exklusivstudie von Oliver Wyman. Gemeinsam mit der WirtschaftsWoche hat die internationale Strategieberatung die führenden europäischen Fluglinien Air France-KLM, British Airways und Lufthansa in allen wichtigen Einzelheiten durchleuchtet (die vollständige Tabelle mit Erläuterungen finden Sie hier). Die Studie – der vierte detaillierte Check der WirtschaftsWoche nach 2002, 2005 und 2007 – bewertet die drei Marktführer in 37 Kriterien von den Finanzen über die aktuelle Krisenstrategie bis zur Ausgangslage für den nächsten Aufschwung nach Schulnoten von 1 bis 6.

Dabei legt der aktuelle Test einen anderen Schwerpunkt als die Vorläufer. 2005 und 2007 ging es um die Herausforderungen durch die Billigflieger, die ersten Übernahmen wie Air France/KLM sowie Lufthansa/Swiss und darum, welche Linie sich im Aufschwung am besten wetterfest macht. Die aktuelle Studie hingegen durchleuchtet wie ihr Vorläufer im Krisenjahr 2002 vor allem die finanzielle Stärke, den Umgang mit dem Abschwung und wie gut die Unternehmen für die Zukunft gerüstet sind.

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