Fluglinien: Willkommen im Club der Verlierer, Lufthansa!

KommentarFluglinien: Willkommen im Club der Verlierer, Lufthansa!

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Lufthansa-Flugzeuge auf dem Flughafen in München

Als letzte rutscht nun also auch Europas umsatzstärkste Fluglinie Lufthansa in die roten Zahlen und präsentiert ein Loch von rund 250 Millionen – nach einem Gewinn von 44 Millionen im ersten Quartal 2008. Das klingt verstörend, besonders da Konzernchef Wolfgang Mayrhuber vorige Woche auf der Hauptversammlung noch einen Gewinn für das ganze Jahr versprochen hat. Doch es ist keine Überraschung und auch kein Beinbruch.

Dafür sorgt zum einen die aktuelle Krise. Den schwersten Einbruch der Flugbranche kann eben auch eine Lufthansa durch ihr Management eben nur mildern. Und wenn nicht völlig überraschend das Geschäft im Herbst wieder anzieht, wird die Lufthansa in diesem Jahr erst mal seit 2001 bei Umsatz und Gewinn wieder deutlich unter dem Vorjahr liegen.

Dazu ist das erste Quartal traditionell ohnehin das schwächste im Jahr und endet auch in guten Jahren meist mit roten Zahlen. Weil zum Jahresanfang nun mal weniger Leute verreisen, sind dann auch die Flugzeuge leerer. Da der Umsatz durch einen zusätzlichen Passagier fast komplett in den Gewinn geht, sinkt so eben das Ergebnis.

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Zu guter Letzt ist das Ergebnis geprägt von Sondereffekten wie Nachzahlungen in die Pensionskasse und  Abschreibungen auf Beteiligungen wie die Anteile an Fraport, der Muttergesellschaft des Flughafens Frankfurt. So bleibt am Ende ein operativer Verlust von 44 Millionen.

Wie gut Lufthansa tatsächlich ihr Geschäft beherrscht, zeigt ein Vergleich mit ihren wichtigsten Konkurrenten Air France und British Airways. Die beiden haben für ihr Geschäftsjahr, das am 31. März endete, Verluste von mindestens 200 Millionen Euro angekündigt. Berechnet man für die Lufthansa mal ein fiktives Geschäftsjahr vom 1. April bis 31. März, hat sie im gleichen Zeitraum unterm Strich gut 300 Millionen verdient und das in einer Zeit, in der selbst das Renditewunder Ryanair rote Zahlen schreibt.

Der Marktführer muss sich anstrengen

Also alles in Butter beim Kranich? Nicht ganz. Denn im Kerngeschäft Passage – also dem, was die Passagierflugzeuge in Lufthansabemalung verdienen – sieht es nicht ganz so gut aus. Da hat das Unternehmen im abgelaufenen Quartal unterm Strich mehr als 70 Millionen Euro versenkt, ohne Einmaleffekte waren es gar mehr als 100 Millionen. Dagegen haben die vielen Töchter der Lufthansa abseits des Passagierverkehrs wie Wartung, Fracht und Catering im vergangenen Quartal immerhin zwölf Millionen Euro verdient. Zudem hat die Schweizer Tochter Swiss wieder gut 40 Millionen Gewinn nach Frankfurt überwiesen.

Und die noch hat die aktuelle Krise nicht richtig zugebissen. Wie schlimm die Lufthansa die Lage einschätzt, zeigt die Prognose von Konzernchef Wolfgang Mayrhuber, dass die Lufthansa am Jahresende rund eine Milliarde Schulden haben dürfte, statt wie heute ein kleines Plus von 46 Millionen Euro.

Darum ist das Ergebnis zwar kein Beinbruch, aber ein Weckruf. Es zeigt, dass sich auch der Marktführer anstrengen muss. Es gilt die Kosten zu senken und sich neu aufzustellen. Denn wie die gemeinsame Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman und der Wirtschaftswoche zeigt: Die Lufthansa ist jetzt die stärkste Linie, doch auf die Zukunft sind einige Konkurrenten unterm Strich besser vorbereitet.

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