Flugsicherheit: Körperscanner im Test: Nackter Unsinn

KommentarFlugsicherheit: Körperscanner im Test: Nackter Unsinn

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Monitor der Sicherheitskontrolle am Flughafen Schiphol in Amsterdam

von Rüdiger Kiani-Kreß

Mit dem Test des Körperscanners am Hamburger Flughafen beginn ein neues Zeitalter. Trotz aller Hysterie wird das Fliegen sicherer - etwas. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Rüdiger Kiani-Kreß.

Der Körperscanner war über Wochen im Frühjahr mit die größte Diskussion in den Medien – und mit die irrsinnigste. Für die einen war die Sicherheitskontrolle am Flughafen in einer Kabine mit einem Körperscanner statt des üblichen Metalldetektors in Form eines Türrahmens als „Nacktscanner“ das Symbol des zügellosen Staats: das Ende aller Privatsphäre und passender Weise gebaut von einem Unternehmen, das angeblich auch die verbotenen Streubomber produziert. Für die für die anderen war es ein nötiger Schritt in Richtung absoluter Sicherheit und schnellerer Abfertigung beim Fliegen.

Wenn nun dieser Tage der Flughafen Hamburg endlich die Geräte für den Praxistest montiert, wird sich zeigen: Der Scanner ist keines davon. 

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Zum einen ist die Furcht vor entblößenden Bildern nackter Unsinn. Auch wenn der indische Filmstar Shah Ruhk Khan sich im Frühjahr damit wichtig machte, britische Kontrolleurinnen habe seine Scanfotos in Ekstase versetzt: der Scanner liefert keine echten Bilder – das hat nicht zuletzt die öffentliche Erregung über die Möglichkeit verhindert.

Aber auch die Hoffnung auf schnellere Abfertigung ist etwas übertrieben. Zum einen müssen wir Passagiere auch künftig alle die Schuhe ausziehen. Und auch Schlangen wird es weiterhin geben. Das zeigen zumindest Tests in anderen Ländern wie zuletzt in Italien. Denn die gibt es nicht wegen der Technik, sondern weil Passagiere vergessen, verdächtige Dinge wie Handys, Kleingeld oder Kaugummipäckchen aus Hemd und Hose zu nehmen und mit den Koffern auf das Band vor der Handgepäckkontrolle zu legen. Und das wird wohl auch im Scanner passieren und zu Nachkontrollen führen.

Wichtigster und einziger Vorteil des Scanners ist dagegen das Plus an Sicherheit. Aber auch das ist nur vorübergehend. Denn letztlich ist auch die neue Kontrolle nur eine neue Runde im ewigen Katz- und Mausspiel zwischen Sicherheitsbehörden und Terroristen. Denn bislang hat jede Neuerung immer auch die Phantasie potentieller Übertäter angestachelt.

Was Vielfliegern dagegen vermissen sind Geräte, die verdächtige Flüssigkeiten erkennt. Denn wesentlich lästiger als lange Wartezeiten vor der Kontrolle ist das aktuelle Flüssigkeitsverbot, dass Flaschen und Flakons verbannt und zum lästigen Hantieren mit Minifläschchen und Beuteln zwingt. Diese Geräte haben Flughäfen und Sicherheitsbehörden den Passagieren bereits versprochen, bevor sie die Anschaffung der Scanner beschlossen haben. Doch diese Erleichterung ist jetzt erst mal wieder ein wenig unwahrscheinlicher geworden. Denn diese Geräte sind derzeit noch deutlich größer als die bisherigen Handgepäckkontrollen. Und weil bereits die Scanner größer sind als die Metalldetektoren, dürfte in den meisten Flughäfen leider erstmal kein Platz dafür sein.

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