Flugsicherheit: USA wollen Transport von Lithium-Akkus einschränken

Flugsicherheit: USA wollen Transport von Lithium-Akkus einschränken

von Thomas Stölzel

Die USA fordern mehr Sicherheit beim Transport von Lithium-Batterien. Die europäischen Hersteller kontern, es gehe nur um Industriepolitik.

Auf ihrem Weg nach Köln bemerken die zwei Piloten einer UPS-Frachtmaschine plötzlich Rauch im Cockpit. Sie versuchen noch, nach Dubai zurückzukehren, stürzen aber kurz darauf ab – das war im vergangenen September. Die US-Luftfahrtbehörde FAA vermutet als Unfallursache, dass sich eine Ladung Lithium-Batterien an Bord entzündet hat. Nun, ein halbes Jahr später, wollen die USA die Regeln für den Transport solcher Batterien verschärfen.

Doch europäische und asiatische Behörden sind ebenso gegen strengere Auflagen wie Batteriehersteller und Airlines. Sie befürchten zusätzliche Kosten von Hunderten Millionen Dollar. An diesem Montag treffen sich Luftfrachtexperten aus aller Welt in Atlantic City. Auch Gesandte von Luftfahrtbundesamt und Lufthansa reisen an.

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Der Geschäftsführer des deutschen Fachverbands Batterie, Otmar Frey, argwöhnt, die USA seien aus Gründen der „Industriepolitik“ für schärfere Vorschriften. In der Branche wird spekuliert, dass die US-Regierung die Produktion einzelner Lithium-Zellen und von Großbatterien daheim konzentrieren wollen. Bisher werden die Zellen meist in Fernost gefertigt, nach Europa oder Amerika geflogen und dort zu Großbatterien etwa für Elektroautos montiert – ein riesiger Wachstumsmarkt. Zusätzliche Sicherheitskosten machten die Lufttransporte unattraktiver.

Die Amerikaner begründen ihren Vorstoß mit Tests ihrer Luftfahrtbehörde FAA. Sie zeigen: Wird nur eine Zelle in der Ladung etwa aufgrund eines Materialfehlers warm, heizen sich auch alle anderen bis auf mehrere Tausend Grad auf. Auch Passagiermaschinen sind laut FAA gefährdet. Zwar ist in ihrem Frachtraum nur der Transport eingeschränkter Mengen Lithium-Metall-Batterien und nur in Spezialboxen erlaubt. Die FAA hat jetzt aber solche Boxen getestet. Das Ergebnis: Die Deckel der Boxen wurden durch explodierende Batterien fast 30 Meter in die Luft geschleudert. „Die Explosionskraft ist hoch genug, um das Flugzeug zu beschädigen“, schreibt die FAA in ihrem Testbericht. Die Halogenlöschanlage an Bord sei ungeeignet, das Feuer zu bekämpfen. US-Verkehrsminister Ray LaHood will den Transport in Passagierfliegern deshalb verbieten. Und in Frachtmaschinen sollen für die Lithium-Metall- und die Lithium-Ionen-Batterien spezielle Behälter und spezielle Löschanlagen Pflicht werden.

„Die Ergebnisse der FAA-Tests machen uns sehr große Sorgen“, sagt Martin Gessl von der internationalen Pilotenvereinigung IFALPA. Lufthansa und EU-Luftfahrtaufsicht EASA halten die geltenden Vorschriften dagegen für ausreichend. „Wir transportieren die Ladung, solange sie diesen Regeln entspricht“, sagt Karl Michael Marx, zuständig bei Lufthansa Cargo für Gefahrgut. Im Zweifel wollen die USA in der Sache einen Alleingang wagen.

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