Flugverkehr: Arabische Airlines sind gefährlich profitabel

Flugverkehr: Arabische Airlines sind gefährlich profitabel

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Nimmt Kurs Richtung Börsengang: Ein Flugzeug der arabischen Fluglinie Qatar Airways.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der steigende Ölpreis setzt allen Fluglinien zu - mit Ausnahme von Emirates und den anderen Fluglinien vom persischen Golf. Nun will Qatar Airways als erste der arabischen Marktführer an die Börse gehen.

Wer dieser Tage auf der weltgrößten Reisemesse ITB mit Managern von Fluglinien spricht, stößt auf Sorgenfalten und eine gewisse Verzweiflung. „Eigentlich läuft das Geschäft extrem gut“, sagt Charles Duncan, der bei der weltgrößten Fluglinie United das Geschäft in Europa, dem nahen Osten und Indien leitet. „Doch obwohl wir durch die steigende Nachfrage unsere Durchschnittserträge um zehn Prozent steigern konnten, verdienen wir am Ende durch den hohen Ölpreis weniger als im vorigen Jahr.“ Darum kürzt der Lufthansa-Partner im laufenden Jahr sein Angebot. „Wenn wir nicht rechtzeitig durch neue sparsame Flugzeuge unseren Verbrauch gesenkt und eine starke Bilanz hätten, könnte das ein unangenehmes Jahr werden.“

Damit spricht er den meisten seiner Kollegen aus der Seele. Denn Besserung ist kaum in Sicht. Selbst wenn der Ölpreis sinken sollte, steigen die Kosten für die zunehmenden Umweltauflagen wie der deutschen Passagiersteuer und den Emissionshandel, bei dem ab dem kommenden Jahr alle Fluglinien, die in Europa landen, für ihren Ausstoß an Kohlendioxid zahlen müssen.

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Nur aus einer Ecke kommen derzeit keine Klagen. Von den großen Fluglinien vom Persischen Golf. „Wir haben ein gutes Jahr und bereits in der ersten Hälfte unseres Geschäftsjahres so viel verdient, das wir auf Rekordkurs sind“, sagt Salem Obaidalla, der für Emirates aus Dubai das Geschäft in Europa und Russland leitet. „Wir konnten die zusätzlichen Ausgaben für das Öl ausgleichen.“ Dafür sorgte Obaidalla zum einen weitere Sparprogramme. Zudem haben die Fluglinien ihre Preispolitik verfeinert und ihre Flüge besser ausgelastet. „Weil durch zusätzliche Passagiere fast keine Mehrkosten entstehen, gehen diese Einnahmen fast komplett in den Gewinn“, sagt Shakeel Adam, Partner von Athena Aviation, einer auf die Flugbranche spezialisierten Unternehmensberatung.

Ähnlich gute Zahlen für das Jahr 2010 vermeldet Qatar Airways. „Wir werden einen ziemlich heftigen Gewinn schreiben“, sagt Unternehmenschef Akbar Al Baker. Genauere Zahlen nennt er noch nicht für die Linie, die je zur Hälfte der Regierung des Emirats und Privatinvestoren gehört. Auch Etihad aus Abu Dhabi hat verkündet, in 2010 erstmals operativ im Plus zu sein und ab diesem Jahr auch unterm Strich Geld zu verdienen.

Der Erfolg spornt die Fluglinien an, sich gegenüber der Öffentlichkeit und für Privatinvestoren zu öffnen. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir Anfang 2012 an die Börse gehen“, sagt Qatar-Chef Al Baker. „Dann haben wir drei profitable Jahre geschafft.“ Darum will Qatar auch noch in diesem Jahr erstmal eine von namhaften Wirtschaftsprüfern testierte Bilanz vorlegen, so wie es Emirates seit mehreren Jahren tut. Eigentlich hatte Al Baker den Schritt bereits früher vollziehen wollen. „Doch wegen der Finanzkrise mussten wir das verschieben.“

Ähnlich Pläne verfolgen auch andere Linien wie Kuwait Airways, die bereits die Wirtschaftsprüfer Ernst & Young und die Citigroup für die Vorbereitung engagiert haben. An einen Börsengang denkt auch Emirates. „Wir haben zwar keine Pläne für die nähere Zukunft“, sagt Obaidalla. „Aber wir wären bereit, wenn die Regierung von Dubai als unser Haupteigentümer dies wünscht.“

Für die europäischen Linien, denen die Golflinien mit ihren Kampfpreisen besonders in den Wachstumsmärkten Indien und Ostasien zusetzen, bringen die Börsengänge keine große Entspannung. Zwar können sie dank der Geschäftsberichte tiefer in das finanzielle Innenleben von Qatar & Co vorstoßen. Doch gleichzeitig haben es die Golfcarrier dann noch leichter, ihr Wachstum zu finanzieren und den Europäern weitere Marktanteile abzujagen.

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