Flugverkehr: DLR-Chef Wörner: "Zu wenig Daten für Aschewolken"

Flugverkehr: DLR-Chef Wörner: "Zu wenig Daten für Aschewolken"

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Johann-Dietrich Wörner, Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt

von Gerhard Bläske und Rüdiger Kiani-Kreß

Der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, Johann-Dietrich Wörner, zum Flugverbot und Streit um Wettersatelliten.

WirtschaftsWoche: Herr Wörner, nach fünftägiger Zwangspause startete am vergangenen Mittwoch wieder der reguläre Flugverkehr. Haben wir das dem Testflug des Deutschen Zentrums für Luft-und Raumfahrt, kurz DLR, zu verdanken?

Wörner: Nein. Ziel des Fluges war es nicht, zu sagen, ob man fliegen kann oder nicht. Wir wollten detaillierte, zusätzliche Informationen sammeln, ob und in welcher Konzentration Vulkanasche vorhanden ist. Das sollte eine Grundlage schaffen, um die Berechnungen der Computermodelle zu überprüfen.

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Welche Lehren ziehen Sie?

Wir müssen uns zusammensetzen und schauen, wie wir künftig vorgehen. Das DLR hat zum Beispiel das Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation. Eine ähnliche Einrichtung wäre auch für den Luftraum hilfreich. Wir brauchen künftig eine einheitliche Position und damit ein einheitliches Vorgehen in Europa.

Flugzeug- und Triebwerkshersteller haben festgelegt, wann geflogen werden kann. Ist das der richtige Weg?

Niemand anderes kann das tun. Die Politik kann keine Grenzwerte für Triebwerke festlegen. Wir versuchen, uns detailliert mit den Triebwerksherstellern abzustimmen. Es gibt zu wenig empirische Daten für die Aschewolken und für deren Auswirkungen in den Triebwerken. Das ist eine Aufgabe, der wir uns stellen müssen.

Müssen wir Grenzwerte festlegen, bei deren Überschreiten der Flugverkehr eingestellt wird?

Es muss nicht ein fester Grenzwert sein. Man könnte an eine Abstufung denken, und dann beispielsweise müssten ab einer bestimmten Belastung die Triebwerke öfter in die Wartung.

Anderes Thema: Auf Wunsch des Bundesverkehrsministeriums prüft die europäische Raumfahrtagentur ESA, ob die Vergabe für den Bau von sechs Wettersatelliten an das Team um die deutsche OHB und die französische Thales rechtmäßig war. EADS hatte sich auch beworben. Warum die Prüfung?

Nach Ansicht des Ministeriums gibt es offene Fragen, die geklärt werden müssen. Die Überprüfung durch ein spezielles Gremium der ESA kann künftig bei allen Verfahren verlangt werden.

Dahinter steckt doch der Vorwurf, Deutschland sei von den Franzosen über den Tisch gezogen worden, die über Thales die Systemführung erhalten.

Natürlich hätten wir lieber die Systemführung in Deutschland gehabt. Bei der Ministerratstagung 2008 in Den Haag haben wir uns jedoch bewusst für Wettbewerb und gegen eine Vorfestlegung hinsichtlich der Systemführung entschieden. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass der Auftrag in vier Arbeitspakete unterteilt wird und beide Länder jeweils zwei erhalten, die dann gleichwertige Hälften ergeben. Daraus ist keine Systemführung für Deutschland ableitbar.

Sollte Deutschland von seinem Vetorecht gegen die Vergabe Gebrauch machen?

Nur dann, wenn nach Vorlage des Berichts der Prüfkommission noch große Zweifel bleiben, ob das Verfahren korrekt abgelaufen ist.

Sehen Sie dafür Anzeichen?

Nein, aber ich bin kein Spezialist in Wettbewerbsverfahren.

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