Flugverkehr: Luftfahrt-Verband ist noch kein großer Wurf

KommentarFlugverkehr: Luftfahrt-Verband ist noch kein großer Wurf

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Flugzeug bei der Enteisung: Der deutsche Luftverkehr bündelt seine Kräft in einem neuen Verband - die Verbandswebsite ist aber ebenso gesperrt wie manche Flughäfen.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der deutsche Luftverkehr bündelt endlich seine Kräfte – doch noch ist der Dachverband eher eine Absichtserklärung. Ein Kommentar von Rüdiger Kiani-Kress.

Wer heute Morgen an seinem Arbeitsplatz die Internetseite des neuen der frisch gegründeten Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft aufrief, erlebte wahrscheinlich eine kleine Überraschung: statt der Webpräsenz http://bdl.aero gab es nur ein „geblockt“, "suspicious" (verdächtig) und „Stichwort Forbidden“. Im Klartext: der neue Dachverband fliegender Schwergewichter von Fluglinien wie Lufthansa und Air Berlin, den Flughafenbetreibern wie Fraport (Frankfurt) und München sowie der Flugsicherung stehen in Augen der IT-Abteilungen in Großunternehmen unter dem Verdacht der Jugendgefährdung – auf einer Ebene mit Porno- und Gewaltseiten oder Waffenherstellern.

Die Online-Panne ist doppelt unangenehm, da der Verband soviel Öffentlichkeit wie nötig braucht. Denn die Flugbranche hat gerade in diesem Jahr unter einem kräftigen Gegenwind gelitten durch die Passagiersteuer ab 2011, dem Emissionshandel ab 2012 und schließlich drohen an immer mehr Flughäfen empfindliche Beschränkungen durch Nachtflugverbote. Das hat sich die Branche zum Teil selbst zuzuschreiben. Denn für ihre Sache machte die Branche sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Politik nicht gerade erfolgreich keine Stimmung.

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Echter Präsident gesucht

Da ist der Verband ein richtiger Schritt – und sei es nur, dass die Interessenkonflikte, die es naturgemäß zwischen Geschäftspartnern gibt, die wie Flughäfen und Fluglinien gegenläufige Interesse bei vielen Dingen wie Gebühren haben. Diese für uns Journalisten hoch interessanten bis unterhaltsamen Grabenkämpfe können nun besser hinter verschlossenen Türen ausgefochten werden.

Doch ein richtig schneller Erfolg wird der Verband wahrscheinlich nicht. Für die nötige Durchschlagskraft braucht der Verband einen prominenten und eloquenten Präsidenten. Und den hat man trotz einer monatelangen Suche offenbar noch nicht gefunden. Die großen Köpfe wie Wolfgang Mayrhuber, der zum Jahresende seinen Job als Lufthansachef aufgibt, haben offenbar alle abgewinkt. Bei aller fachlichen Wertschätzung für den Gründungspräsidenten Dieter Kaden, Chef Deutsche Flugsicherung: Als Cheflobbyist, der mit markigen Worten und flexibler Diplomatie größere Schicksalsschläge von der Branche fernhält, ist er sicher nicht die erste Wahl.

Doch vielleicht ist eine Notlösung für den Verband auch erstmal ganz gut. Denn um wirklich erfolgreich zu sein, muss der der Verband auch eine kompetente Geschäftsstelle aufbauen, die es an Sachkenntnis mit den Mitgliedern – allen voran dem Flughafenverband – nicht nur aufnehmen kann, sondern diese möglichst noch übertrifft. Das wird nicht leicht, denn die Mitglieder werden ihre besten Leute nur ungern in den Verband schicken, so lange nicht klar ist, dass sie dort ihrer Sache mehr bringen als in ihrer heutigen Funktion. Nur wenn der Verband mit denen der Autoindustrie oder noch besser der Pharmabranche aufnehmen kann, schafft die Branche die Herausforderungen.

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