Flugzeugbauer: Airbus hat Probleme mit Politikern und A350-Konstruktion

Flugzeugbauer: Airbus hat Probleme mit Politikern und A350-Konstruktion

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Industriepolitiker Christian Wulff, Ministerpräsident von Niedersachsen

Angespannte Lage beim Flugzeugbauer Airbus: Nun gerät auch das neue Prestigeprojekt A350 in Schwierigkeiten. Denn der neue Langstreckenflieger ist in der jetzigen Konstruktionsphase zu schwer. Zwar betont Airbus, die Probleme im Griff zu haben. Doch die Sanierung des Flugzeugherstellers wird immer schwerer. Nun verkompliziert Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff sie noch weiter.

Frage: Was ist die Steigerung von Gegnerschaft? Antwort: Widersacher, Feind, Parteifreund. Den Kalauer über Querschüsse aus den eigenen Reihen kennt Airbus-Chef Thomas Enders natürlich aus seiner Zeit als Assistent im Deutschen Bundestag. Nun spürt ihn der Vorstandschef des deutsch-französischen Flugzeugbauers, der politisch der CDU nahe steht, am eigenen Leib.

Dafür sorgt ein Brief des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) an Enders, der gerade in Berliner Abgeordnetenkreisen kursiert. In dem Schreiben vom 2. Mai, das der WirtschaftsWoche vorliegt, mischt sich der Politiker direkt in die Unternehmensführung von Airbus und der Muttergesellschaft EADS ein – mit Vorschlägen, die die aktuellen Probleme noch vergrößern würden. „Das ist für ein privates Unternehmen ebenso beispiellos wie unverfroren“, sagt ein Konzernkenner. Zu dem Schreiben will Airbus nicht Stellung nehmen.

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Mit „der Bitte um Berücksichtigung“ macht Wulff Airbus und der Muttergesellschaft EADS auf sieben Seiten detailliert Vorschriften zur Organisation ihrer Flugzeugwerke in Augsburg sowie Nordenham und Varel in Niedersachsen. Diese Fabriken wandern in die EADS-Tochter German Aerostructures Company (GAC), nachdem der geplante Verkauf an das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB im März scheiterte. „Sitz der Zentrale (...) wird Hamburg“, postuliert Wulff in seinem Schreiben. Und kümmert sich auch ums Eingemachte wie die Personalplanung: „Für das Engineering wechseln rund 200 Beschäftigte (...) in die neue Gesellschaft“, lautet die Vorgabe für den Einsatz der Ingenieure. Zwar ist besonders der letzte Vorschlag bedenkenswert. „Doch was geht das eigentlich Herrn Wulff an?“, fragt ein Konzernkenner.

Das Beste aber hebt sich Wulff für den Schluss auf. Sollte Airbus seinen Plan ignorieren, droht der Ministerpräsident schlankweg mit dem Entzug öffentlicher Mittel. Nur „wenn unsere Forderungen erfüllt werden und (...) die Standorte (...) nachhaltig gestärkt werden“, so Wulffs direkte Drohung, werde Niedersachsens Landesregierung die Forschung der EADS „in der angekündigten Größe fördern können“.

Der angeschlagene Luftfahrtriese kann zwar jeden guten Rat brauchen. Denn auch wenn die Konzernmutter EADS vorige Woche steigende Gewinne verkündete, wird allmählich das Geld knapp. In neue Flugzeugtypen wie den Langstreckenjet A350 XWB muss das Unternehmen gut zehn Milliarden Euro investieren. Gleichzeitig sorgen immer neue Verspätungen beim Superjumbo A380 und dem Militärtransporter A400M ebenso für geringere Einnahmen als geplant, wie die Tatsache, dass Airbus überwiegend im Euro-Raum produziert, seine Maschinen aber im immer schwächeren US-Dollar abrechnet.

„Wir kommen in Lebensgefahr“, sagte Airbus-Chef Enders jüngst. Er will darum Arbeit und finanzielles Risiko vermehrt an Zulieferer außerhalb des Konzerns verlagern, wie etwa an das US-Unternehmen Spirit, das Rumpfteile für den neuen Langstreckenjet A350 bauen soll. Dazu sollen die eigenen Werke um mindestens 20 Prozent effizienter arbeiten als bisher.

Doch Wulff will, dass Airbus bei den GAC-Werken praktisch nichts ändert. „Alle drei Werke müssen mit starken Workshare-Anteilen in der Produktion angemessen vertreten sein. Dies gilt insbesondere für den A350“, heißt es auf Seite vier. Selbst eine Verschiebung der Arbeit zwischen den Werken oder in Richtung Süddeutschland ist Wulff schon zu viel. „Die bestehende Arbeitsteilung – der Norden macht zivilen Flugzeugbau, der Süden militärischen Flugzeugbau – ist politisch gewollt und darf nicht infrage gestellt werden.“

Mit dem angestrebten Bestandsschutz tut Wulff so nicht nur Airbus, sondern auch den Werken und ihren Beschäftigten keinen Gefallen. „Airbus muss schlicht seine Kosten senken“, sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. „Die können nur noch dann bei ihren bisherigen Werken einkaufen, wenn diese im Wettbewerb mit Fabriken aus anderen europäischen Ländern, den USA oder künftig China und Russland mithalten können.“ In der heutigen Form überstehen die Werke dagegen wohl nicht mal Wulffs aktuelle Legislaturperiode, die bis 2013 läuft.

Zudem lädiert Wulff mit seinen Vorschlägen den eigenen Ruf als Wirtschaftsfachmann. „Der ist doch sonst so clever und vergrätzt jetzt die Unternehmer“, sagt ein Parteifreund aus der Industrie. „Was würde Wulff denn wohl sagen, wenn wir uns jetzt ungefragt zum Küstenschutz oder seiner Tätigkeit bei VW zu Wort melden?“

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