Flugzeugbauer: Boeings Flug im Ungewissen

Flugzeugbauer: Boeings Flug im Ungewissen

von Rüdiger Kiani-Kreß

Für einen Piloten gibt es nichts schlimmeres, als wenn er in einem Unwetter steckt und bislang gut durchgekommen ist – aber nicht genau weiß wie hoch oder wie schnell er eigentlich fliegt – und vor allem wie lange die Unsicherheit noch anhält.

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Boeing

In einer ähnlichen Situation ist derzeit Boeing-Konzernchef Jim McNerney. Der weltgrößte Flugzeugbauer hat die Krise der vergangenen Jahre relativ glimpflich überstanden. Der Konzern macht im Gegensatz zu seinem europäischen Erzrivalen EADS mit der Tochter wichtigsten Tochter Airbus wieder einen ordentlichen Gewinn und schaffte es auch, durch einen Mittelzufluss das Jahr mit einem höheren Barvermögen zu beenden. Zwar hat Airbus mehr Flugzeuge produziert und verkauft, doch eben mit dem Superjumbo A380 und dem Militärtransporter gleich zwei verkorkste Programme. Boeing hingegen hat mit dem Leichtbauflieger 787 derzeit nur einen solchen Geldfresser und den gleich so radikal abgeschrieben, dass trotz zweier Verschiebungen im vergangenen Jahr keine großen Verluste anfielen.

Doch noch ist die Fluglage ein wenig wackelig. Denn auch wenn sich die Probleme mit der 787 im vergangenen Jahr nicht mehr spürbar in der Bilanz niedergeschlagen haben, so ist das Programm noch lange kein Geldbringer. Zum einen musste Boeing bislang nach Schätzungen bis zu 25 Milliarden Dollar in das Programm stecken – doppelt so viel wie geplant. Und selbst wenn in diesem Jahr mit gut dreijähriger Verspätung endlich die Auslieferungen beginnen: der Betrag wird nicht leicht zu verdienen sein. Denn Insider berichten, dass Boeing die Produktion der ersten zwei drei Jahre zu Schleuderpreisen verkauft hat, damit die Fluglinien die Maschine mit der noch unerprobten Bauweise aus Kunststoff statt Aluminium akzeptieren.

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Zudem ist immer noch nicht klar, wann Boeing die Serienfertigung wirklich im Griff hat. Denn auch wenn es nach außen meist so wirkt, als seien Konstruktion und Erstauslieferung das schwierigste am Flugzeugbau, in Wirklichkeit ist es die Serienfertigung. Wie schwer das ist, zeigt Airbus, wo gut vier Jahre nachdem Singapore Airlines die erste Maschine übernahm noch immer deutlich weniger Maschinen aus den Hallen rollen als es in der ursprünglichen Produktionsplanung sein sollten.

Schließlich kommen auf Boeing noch ein paar andere Ausgaben zu. Zum einen muss die inzwischen vierte Neuauflage des 1969 eingeführten Jumbojets 747 mit dem Namen 747-8 rechtzeitig fertig werden. Und zu guter letzt stehen bald auch ein paar teure Entscheidungen treffen. Denn auch wenn seine verbliebenen Modelle wie der Langstreckenflieger 777 und der Kurzstreckenklassiker 737 derzeit wahre Goldesel sind. Beide müssen innerhalb der komme3nden fünf bis acht Jahre ersetzt werden, will Boeing nicht den Anschluss an Airbus und neue Konkurrenten wie die chinesische Comac verlieren. Beide kommen bis 2016 mit neuen, deutlich sparsameren Modellen, die Boeing dann ein wenig alt aussehen lassen.

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