Flugzeugbauer: Übernimmt sich Airbus mit seiner Programmvielfalt?

Flugzeugbauer: Übernimmt sich Airbus mit seiner Programmvielfalt?

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Airbus-Chef Thomas Enders hat keine Scheu vor unpopulären Entscheidungen

von Gerhard Bläske und Rüdiger Kiani-Kreß

Schicksalsjahr für Airbus: Interne Informationen zeigen, dass die Probleme weit über den Militärtransporter A400M hinausgehen. Der Flugzeugbauer könnte in Existenznot kommen.

Ein Kälteeinbruch mit Regen und Wind – die Wetteraussichten der nächsten Tage für Sevilla werden Louis Gallois nicht gefallen. Schließlich will der EADS-Chef heute in Südspanien den traditionellen Neujahrsempfang von Europas größtem Luftfahrtkonzern feiern.

Aber das unfreundliche Wetter passt zur wichtigsten EADS-Sparte Airbus. Zwar hat die Ziviltochter 2009 mit 498 Passagierjets mehr Flieger ausgeliefert denn je, wie Airbus-Chef Thomas Enders heute bekanntgab. Auch mit 310 neuen Aufträgen im Wert von 34,9 Milliarden Dollar (24 Milliarden Euro) hat Airbus sein Ziel im Vorjahr erreicht. Doch trotz dieser auf den ersten Blick positiven Zahlen wird die Lage von Tag zu Tag dramatischer.

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Als Airbus-Chef  Enders nach Gallois heute ans Rednerpult trat, entwarf er ein Schreckensszenario, wie die WirtschaftsWoche bereits vorab berichtete. Airbus' Probleme gehen weit über den Militärtransporter A400M hinaus, wo Milliarden Euro an Mehrausgaben drohen. Die Verspätungen bei der Militärmaschine kosten den Flugzeugbauer monatlich "etwa hundert Millionen Euro", präzisierte Enders heute. Damit könnte das gesamte Programm bis zu elf  Milliarden Euro mehr kosten als ursprünglich geplant.

Beim Riesenflieger A380 laufen die Kosten weiter aus dem Ruder. Der schwache Dollar wird den Gewinn 2010 wohl erneut um eine Milliarde Euro drücken. Und es drohen massive Abbestellungen der krisengeschüttelten Airlines. Gleichzeitig muss Airbus bis 2013 fünf Milliarden Euro in die Entwicklung des neuen Langstreckenfliegers A350 stecken.

Airbus A400M bindet zu viele Ressourcen

Enders befürchtet ein finanzielles und personelles "Overstretching durch zu viele gleichzeitig ressourcenfressende Entwicklungsprogramme." Denn insgesamt wären dann die Belastungen höher als die flüssigen Mittel: Dem EADS-Konzern könnte das Geld ausgehen. "Die Probleme könnten das Unternehmen mit der Unerbittlichkeit eines Schraubstocks erdrücken", sagt Denis Gönner, Luftfahrtexperte der internationalen Unternehmensberatung Celerant.

Das dringendste Problem hat Enders bei seiner Rede direkt im Blick: den A400M, den Airbus in Sevilla bauen will. Der hatte zwar kurz vor Weihnachten mit dreijähriger Verspätung seinen Erstflug. Doch die sieben europäischen Bestellerländer streiten mit Airbus und untereinander, wer nun wie viel der neun Milliarden Euro bezahlt, die der Vogel über das ursprüngliche Budget von 20 Milliarden Euro hinaus mindestens kostet. Airbus will – nach den bereits abgeschriebenen 2,4 Milliarden – höchstens weitere 3,6 Milliarden schultern. Die restlichen 5,3 Milliarden sollen die Kunden tragen. „Sonst wäre es für uns billiger, das Projekt einzustellen, auch wenn wir dann einige Milliarden Anzahlungen zurückerstatten müssten“, sagt ein Manager. Frankreich und Großbritannien sind zu Zugeständnissen bereit, weil sie das Flugzeug dringend brauchen. Deutschland sträubt sich.

Ausstiegsvorbereitungen mitten im Gange

Darum droht Enders, das Projekt zu kippen, falls bis Ende Januar kein Kompromiss gefunden sei. Aus gutem Grund: "Zu den jetzigen Konditionen könnte das verkorkste A400M-Programm Airbus killen, weil es nicht nur Geld kostet, sondern auch Management- sowie Ingenieurkapazität bindet, die Airbus dringend für andere Programme braucht", sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Grossbongardt. Und da Enders kein Mann leerer Worte ist und bereits beim Konzernumbau sowie im Umgang mit der Politik keine falsche Scheu vor unpopulären Entscheidungen zeigte, laufen bereits die Ausstiegsvorbereitungen. Airbus-Mitarbeiter berichten von einer Liste mit 100 Ingenieuren, die ab Anfang Februar vom Militärfrachter zum neuen Leichtbaujet A350 wechseln können.

Um das Schlimmste zu verhindern, wollen nun offenbar die Franzosen stärker aktiv werden. "Frankreich will von Deutschland die Rolle als Sprecher der Bestellnationen übernehmen", heißt es in Pariser Rüstungskreisen. "Denn bisher hat Deutschland zur Lösung nichts beigetragen außer Hinhaltetaktik und fruchtlosem Briefverkehr." Darüber hinaus habe Frankreich dafür gesorgt, dass die Bestellerländer übernächste Woche nicht in Berlin, sondern in London tagen. Angeblich wird sogar bereits an einem Kompromiss gearbeitet, der EADS und Airbus mehrere Milliarden Euro Hilfe anbietet.

Doch auch das löst längst nicht alle Sorgen bei Airbus. Denn auch bei den Zivilflugzeugen wie dem Riesenflieger A380 und der mittelgroßen A320-Familie läuft es schlechter als erwartet.

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