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Förderpolitik: Boomzeiten für Solar in Europa vorbei

Quelle: Handelsblatt Online

Wie in Deutschland haben auch andere europäische Länder auf eine umfangreiche Förderpolitik für Solarenergie gesetzt. Doch das ist in Zeiten der Haushaltskonsolidierung vorbei. So reagieren Frankreich, Spanien und Griechenland auf die Krise.

Ein deutsches Solarkraftwerk bei Cottbus. Wie in Deutschland werden auch in anderen Ländern die Subventionen gekürzt oder gestrichen. Quelle: dpa
Ein deutsches Solarkraftwerk bei Cottbus. Wie in Deutschland werden auch in anderen Ländern die Subventionen gekürzt oder gestrichen. Quelle: dpa

ali/ ang /ghö/ PARIS/MADRID/ATHEN. Frankreichs Förderpolitik hat einen wahren Solar-Boom ausgelöst, welcher der Regierung zu teuer wird. Gab es Ende 2008 Solaranlagen mit einer Kapazität von 81 Megawatt, dürften es Ende 2010 rund 850 Megawatt sein. Daher will die Regierung die Förderung ähnlich wie Deutschland nun kürzen. Der Abnahmepreis, zu dem EDF den Solarstrom kaufen muss, soll im Schnitt ab September um zwölf Prozent gekürzt werden.

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Bereits im Januar war der Abnahmepreis auf 37 bis 50 Cent und damit um 17 bis 30 Prozent gesenkt worden - der Preis hängt von der Art der Anlage ab. Allerdings sind Privatleute von der Förderkürzung beim Abnahmepreis ausgenommen. Sie können weiterhin maximal 58 Cent je Kilowattstunde einstreichen, wenn ihre Solarpanele nicht größer als 30 Quadratmeter und elementare Bestandteile des Daches sind, also das Dach mit abdichten.

Gekürzt werden soll aber auch die steuerliche Absetzbarkeit der Anschaffungskosten: Bisher konnten private Solarinvestoren bis zu 50 Prozent der Kosten einer Solaranlage von der Bemessungsgrundlage abziehen. Dieser Satz soll ab nächstem Jahr auf 25 Prozent gekürzt werden.

Die Experten des Finanzministeriums begründen diese Kürzung unter anderem mit dem Verweis auf den deutschen Nachbarn, der ebenso verfahre. Darüber hinaus sei Solarenergie nach wie vor die teuerste Form von erneuerbarer Energie.

Die Branche wehrt sich und kritisiert vor allem, dass die Regierung nun bereits zum zweiten Mal in kurzer Zeit die Einspeisepreise plötzlich senkt. Die Solar-Lobby SER ruft daher nach stabilen Rahmenbedingungen.

Im Nachbarland Spanien droht der Industrie ein ähnliches Schicksal. Die Subventionen für Solarenergie betrugen dort 2,8 Mrd. Euro, wobei sie nur zwei Prozent zur Stromproduktion auf der iberischen Halbinsel beitrug. Zum Vergleich: Die Windenergie wurde letztes Jahr mit 1,6 Mrd. subventioniert und produzierte 18 Prozent des Stroms.

Der Photovoltaik-Sektor in Spanien war 2008 stark gewachsen, weil die Regierung für Anlagen, die bis Ende September 2008 fertiggestellt waren, hohe Einspeisevergütungen in Höhe von 41 Cent pro Kilowattstunde versprach. Dann führte die spanische Regierung eine Deckelung der Einspeisevergütung bei 500 Megawatt ein - und der Markt brach im vergangenen Jahr in Spanien zusammen.

Nun macht sich die Branche auf neue harte Einschnitte in den Einspeisevergütungen gefasst. Ein Gesetzesvorschlag des Industrieministeriums sieht eine Kürzung um 45 Prozent bei neuen Freilandanlagen, um 25 Prozent für große Dachanlagen und von fünf Prozent für kleine Anlagen auf den Dächern vor. Die Nationale Energiekommission muss nun das Gesetz bewerten. Es kann frühestens im September verabschiedet werden.

"Bei kleinen, dezentralen Dachanlagen ist das Potenzial noch nicht ausgeschöpft", weiß Luis Pérez de Ayala, Energieexperte bei der Großkanzlei Cuatrecasas. Diese Art von "Stromproduktion am Ort des Konsums" will die Regierung auch noch auf andere Art fördern: Sie will den bürokratischen Aufwand für Solarinstallationen auf Dächern verringern. Die Versorger werden zudem verpflichtet, solche Anlagen künftig innerhalb von 45 Tagen ans Stromnetz anzuschließen.

"Spanien bleibt auch nach der Reform ein hochattraktiver Investitionsstandort im Solarbereich", sagt Rechtsanwalt Georg Abegg von der internationalen Wirtschaftskanzlei Rödl & Partner in Madrid.

"Aber mit der Senkung der Einspeisevergütung für großflächige Freilandanlagen dürfte der Trend weiter zu integrierten Dachanlagen gehen", sagt Abegg. "Strategische Investoren müssen jetzt umdenken."

Gilt das auch für Griechenland? Vom Standort her ist Griechenland vor allem als Energieproduzent ideal. "Extrem gute Einstrahlungsverhältnisse" - das sei es, was Griechenland für die Photovoltaik so interessant macht, sagt Dieter Schmitt, Griechenland-Chef beim Solarkonzern Conergy. Im nordgriechischen Drama baut das Unternehmen gerade auf einer Fläche von 30 Fußballfeldern die größte Photovoltaik-Anlage des Landes mit einer installierten Leistung von fünf MW. Solaranlagen produzieren in Griechenland pro Jahr bis zu 1 500 Kilowatt-Stunden (KWh) je installiertem Kilowatt. Zum Vergleich: in Deutschland werden 800 bis 1 050 KWh erzielt.

Aber nicht nur die vielen Sonnenstunden und der steile Einstrahlungswinkel, sondern auch die hohen Einspeisegebühren machen Bau und Betrieb von Photovoltaikanlagen in Griechenland attraktiv. Der Betreiber bekommt je nach Größe und Standort der Anlage 45 bis 50 Cent pro KWh.

Waren Ende vergangenen Jahres in Griechenland Photovoltaik-Anlagen mit einer Kapazität von 36 Megawatt (MW) installiert, sind es aktuell bereits knapp 85 MW. Mit der Gründung eines Ministeriums für Umweltschutz, Energie und Klimawandel unterstrich der sozialistische Premier Giorgos Papandreou nach seiner Wahl im vergangenen Oktober, dass für ihn Nachhaltigkeit in der Energiepolitik oberste Priorität hat. Vor allem die Photovoltaik soll Griechenland helfen, die Vorgaben der EU beim Energiemix zu erfüllen. Sie sehen für Griechenland vor, dass bis 2020 rund 18 Prozent des Energieverbrauchs aus erneuerbaren Energieträgern stammen.

Bis zum Jahr 2030, so die Planung, sollen in Griechenland Photovoltaik-Anlagen mit einer Kapazität von 3 833 MW am Netz sein. Das wäre das Vierzigfache der heutigen Leistung.

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