Folgen der Finanzkrise: Neuer Stress für US-Banken

Folgen der Finanzkrise: Neuer Stress für US-Banken

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Bank of America

von Andreas Toller

Mit neuen Stresstests will die US-Regierung nun offenbar klären, ob heimische Großbanken wieder fit genug sind, um Dividenden auszuschütten und Aktienrückkaufprogramme zu starten. Derweil will die Pleitewelle unter amerikanischen Regionalbanken nicht so recht abreißen.

Wie die „Financial Times" berichtet, sollen neuerliche Stresstests bei großen US-Banken vor allem feststellen, ob die Geldhäuser genügend Eigenkapital und Reserven haben, um eine neuerliche Finanzkrise oder andere wirtschaftliche Schocks zu überstehen. Diesmal kam der Druck aber offenbar von den Aktionären, die ihren Anteil an den 2010 stark angestiegenen Gewinnen der Banken einfordern. Das nun die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in ihrer neuen Funktion als oberste Bankenaufsehern Stresstests ansetzt, wird an der Wall Street dem in der Finanzkrise erweiterten Verantwortungsbereich der Fed und dem damit gestiegenen Selbstbewusstseins begründet. Seit die US-Regierung Milliardensummen in die Bankenrettung gepumpt habe, sind die Kontrolleure zudem sehr vorsichtig damit, Gewinnausschüttungen zu genehmigen.

Dem „Financial Times"-Bericht zufolge soll die US-Notenbank noch in dieser Woche damit beginnen, die Daten von 19 Großbanken zu prüfen, darunter etwa Goldman Sachs, JPMorgan Chase und die Bank of America. Das Verfahren soll in Anlehnung an die Stresstests vom Mai 2009 ablaufen. Aber diesmal möchten die Kontrolleure ihre jüngste Anforderung der Bilanzdaten von den Banken nicht als Stresstest mit dem bisherigen Fokus verstanden wissen, sondern als reguläres Testverfahren in einer veränderten Finanzwelt. Diesmal wird es weder Urteile wie „Bestanden" oder „Durchgefallen" geben, noch eine Veröffentlichung der Ergebnisse.

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Die Stresstest sollen im März abgeschlossen sein und so den Weg für Dividendenausschüttungen und Aktienrückkaufprogramme im zweiten Quartal ebnen. Die meisten börsennotierten Banken legen ihre Bilanzen im März vor und legen dann auch die Höhe ihrer Dividenden fest.

Nur Banken, die Rettungsgelder vom Staat schon zurückgezahlt haben und belegen können, dass Gewinnausschüttungen ihre finanzielle Stabilität nicht gefährdet, sollen die Erlaubnis erhalten, Dividenden auszuzahlen. Außerdem will die US-Notenbank prüfen, ob sich die Banken auf die strengeren Eigenkapitalregeln (Stichwort: Basel III) ausreichend vorbereitet haben.

Zum Jahresbeginn erneut Bankpleiten in USA

Derweil rollt die Pleitewelle bei den US-Regionalbanken weiter. Nun hat es die ersten beiden Häuser im neuen Jahr getroffen. Die Einlagensicherung FDIC schloss die Legacy Bank aus Arizona sowie die First Commercial Bank of Florida. Beide Kreditinstitute gehören zu den späten Opfern der Wirtschaftskrise. Die Regionalbanken in den Vereinigten Staaten leiden unter der schlechten Zahlungsmoral ihrer Kunden: Viele Menschen können ihre Kredite fürs Haus oder das Auto nicht abstottern, weil sie arbeitslos geworden sind. Erst langsam entspannt sich die Lage auf dem US- Jobmarkt. Im abgelaufenen Jahr hatte die Einlagensicherung 157 Banken abwickeln müssen. Das waren mehr Insolvenzen als im Krisenjahr 2009. Für die Kunden gingen die Pleiten auch in den neuen Fällen glimpflich aus: Benachbarte Regionalbanken haben die insgesamt elf Filialen übernommen. Damit kommen die Menschen ab diesem Montag wieder an ihr Geld.

Seit Beginn der Krise mussten schon weit mehr als 300 Institute die Segel streichen. Einziger Lichtblick ist, dass es fast nur noch sehr kleine Banken trifft und sich die Schäden damit in Grenzen halten. Die amerikanische Einlagensicherung FDIC steht für die Einlagen eines Kunden bis zu 250.000 Dollar gerade. Auch in Deutschland sind Kundengelder über staatliche und bankinterne Sicherungseinrichtungen geschützt.

Banken verlieren vor Gericht

Dennoch haben die US-Banken bei ihren Kunden deutlich Ansehen eingebüßt. Da viele Hausbesitzer ihre Hypotheken nicht mehr bedienen konnten, ließen Banken recht schonungslos und oft auch mit zweifelhaften Methoden die Häuser zwangsvollstrecken und versteigern. Vergangene Woche gab es jedoch ein Gerichtsurteil, das die umstrittene Praxis eindämmen dürfte: U.S. Bancorp und Wells Fargo & Co. haben ein Verfahren zu Zwangsvollstreckungen vor dem höchsten Gericht des Bundesstaats Massachusetts verloren. Bei dem Verfahren ging es um die Zwangsversteigerung von zwei Immobilien. Diese wurde vom Gericht rückgängig gemacht. Grund: die Banken nicht hätten beweisen können, dass sie die rechtmäßigen Besitzer der Hypotheken seien.

Der Entscheidung wird von Beobachtern entscheidende Bedeutung beigemessen. In der Folge sackten die Finanzwerte an der Wall Street am letzten Handelstag der Woche teils deutlich ab. Dies ist "eine grundlegende Entscheidung", sagte Joshua Rosner, ein Analyst bei Graham Fisher & Co. Zumindest für den Bundesstaat Massachusetts mache sie deutlich, dass ein klarer Besitzer der Hypothek genannt werden müsse, damit diese Gültigkeit habe. Er gehe davon aus, dass das Verfahren auch über die Staatsgrenzen hinaus Auswirkungen habe. Es dürften nun weitere Klagen angestrengt werden.

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