Ford-Chef Alan Mulally: "Ganz aggressiv"

Ford-Chef Alan Mulally: "Ganz aggressiv"

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Alan Mulally

von Thomas Kuhn

Ford-Chef Alan Mulally über seine neuen vernetzten Autos für jedermann und Software-Updates auf dem Armaturenbrett.

WirtschaftsWoche: Herr Mulally, mit Ford Sync haben Sie auf der Cebit Ihr Navigations- und Kommunikationssystem für Pkws vorgestellt, mit dem Fahrer per Sprachbefehl Strecken planen, Musiktitel wählen oder sich SMS aus dem Handy vorlesen lassen können. Das gab’s bisher nur für einige Tausend Euro Aufpreis in Oberklasse-Limousinen. Sie aber wollen den Massenmarkt erschließen. Mit abgespeckter Billigtechnik?

Mulally: Keineswegs. In den USA bieten wir das System bereits an – und sind damit absolut konkurrenzfähig. Aber zu Preisen, die weit unter den vernetzten Infotainmentsystemen der Wettbewerber liegen.

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Wie viel soll die Technik kosten?

Wir haben noch keine Preise für Europa festgelegt. Aber wir werden 2012 aggressiv in den Markt gehen. In den USA gibt es die Technik ab 395 Dollar. 80 Prozent der Käufer ordern sie ab Werk. Das wollen wir auch in Deutschland erreichen.

Wieso können Sie günstiger anbieten als die Konkurrenz?

Bisher wurden Soft- und Hardware individuell für die Wagen entwickelt und in kleinen Stückzahlen produziert. Das ist teuer. Wir haben uns dagegen mit Microsoft verbündet, auf deren Software unser System basiert, und erreichen ganz andere Stückzahlen. In den USA haben wir Sync mehr als drei Millionen Mal verkauft.

Lange haben Autohersteller Autoradios, Bordcomputer und Navigationssysteme als ihre Kompetenz betrachtet...

...mit der Folge, dass die Geräte wegen der langen Entwicklungszyklen zumeist schon zur Markteinführung hoffnungslos veraltet waren.

Eine Erkenntnis, gegen die sich Ihre Branche lange gesträubt hat. Wie schwer war es für Sie, einen IT-Partner als Techniklieferant für Sync zu akzeptieren?

Das war ein sehr großer Schritt. Es bedeutet für uns – und alle anderen Hersteller – einen Paradigmenwechsel. Denn immerhin haben wir nun erstmals auch parallel zwei ganz unterschiedliche Softwarekonzepte im Auto an Bord.

Nämlich?

Zum einen ist es die klassische Autoelektronik, von der Motorsteuerung bis zum ABS, die weiterhin nach außen komplett abgeschottet ist. Dazu kommen die Unterhaltungs- und Kommunikationsfunktionen, die sich funktional nachrüsten lassen. Das gab es in der Industrie so noch nicht, ist aber wegen der kurzen Innovationszyklen in der IT-Welt absolut zwingend.

Funktioniert das Auto-Update oder sitzt der Fahrer womöglich plötzlich auch am Steuer vor einer Fehlermeldung?

In den USA funktioniert es problemlos. Eine Viertelmillion Kunden hat bereits Updates über den USB-Anschluss eingespielt. Damit sind wir kein Hindernis mehr für die wachsende Funktionsvielfalt, die die Elektronikindustrie auf den Markt bringt. Deshalb haben wir auch selbst kein Funkmodul integriert. Stattdessen kann der Nutzer über einen UMTS-Funkstick am USB-Stecker online gehen oder sein Handy mit der Plattform koppeln.

Ehrlich gesagt, ist es doch nur ein erster Vernetzungsschritt, via Bluetooth-Funk oder USB-Kabel auf den MP3-Spieler zuzugreifen, E-Mails aus dem Telefon vorlesen zu lassen oder Navigations-Updates einzuspielen. Wie weit kann die Computerisierung des Autos denn gehen?

In Zukunft werden wir die Vernetzung des Fahrzeugs noch weiter nach vorne bringen. Das reicht von Anwendungen, die Informationen aus dem Internet ins Auto bringen, bis zur Kommunikation des Wagens mit unserem Service. So können wir uns vorstellen, dass die Wagen – wenn der Kunde das will – die im Bordcomputer gespeicherten Daten zum Fahrzeugzustand, etwa Störungen in der Zündanlage oder Probleme mit der Motorelektronik sowie Fehler in einzelnen Sensoren, schon vor dem Werkstattbesuch an unsere Wartungscomputer überspielen.

Das klingt sehr nach Science-Fiction. Wann wird das Realität?

Mulally: Das ist sicher noch ein paar Jahre hin. Technik, Infrastruktur und Vernetzung müssen dafür erst einmal reifen. Und auch die Kunden müssen mit solchen Angeboten vertraut werden. Aber für mich ist es keine Frage mehr, ob das kommt, sondern nur noch, wann. 

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