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Ford/Jeep: Die entscheidende Schlacht der Auto-Saurier

von Florian Brückner Quelle: Handelsblatt Online

Mit schweren Geländewagen ist die amerikanische Autoindustrie in ihre existenzielle Krise hineingefahren. Lange Zeit waren die SUVs wegen ihres Spritverbrauchs verpönt. Jetzt erleben sie ein Comeback. Mag im Golf von Mexiko auch eine Ölkatastrophe toben, die Amerikaner kaufen wieder schwere Autos. Darauf setzen nun Ford und Chrysler, die zwei Kult-SUVs neu aufgelegt haben.

Chrysler-Arbeiter applaudieren vor einem neuen Grand Cherokee von Jeep. Quelle: Reuters
Chrysler-Arbeiter applaudieren vor einem neuen Grand Cherokee von Jeep. Quelle: Reuters

DÜSSELDORF. Ihre Namen verheißen Abenteuer, Pioniergeist, weite Wälder, steile Canyons und große Lasten, die über Hunderte von Meilen bergauf geschleppt werden müssen. Ford Explorer und Jeep Grand Cherokee, zwei Geländewagen, so amerikanisch wie Coca Cola und Big Mac. Und auch mit ähnlichen Problemen. So wie der Soft-Drink mit viel Zucker und der fette kalorienhaltige Burger eher weniger zu einem gesunden Lebensstil passen, sind auch Explorer und Grand Cherokee in Zeiten hoher Spritpreise out of date. Bei einem Verbrauch von bis zu 16,8 Liter Benzin auf 100 Kilometer im Stadtverkehr auch kein Wunder.

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Dicke Acht- und Sechszylinder wummern unter den Hauben beider Autos, dazu ein CW-Wert wie der eines Kühlschrankes und viel Gewicht dank Allrad-Antrieb und massig viel Blech auf dem Karosseriekleid bleiben nicht ohne Wirkung. Als die Spritpreise im Jahr 2005 in den USA nach oben schossen, sah deswegen auch alles danach aus, als ob die erfolgreiche Ära der SUVs, der Sports Utility Vehicles, zu Ende wäre. Und erfolgreich war sie, zweifellos.

Vor allem zu Beginn der 90er-Jahre wurden Millionen solcher Geländewagen verkauft. Der Erfolg war so groß, dass das Konzept des "sportlichen" Geländewagens gar den Sprung über den Teich nach Europa schaffte. Dann kamen die Spritpreise, der Absatz brach ein und die drei Buchstaben SUV symbolisierten den Aufstieg und Fall der amerikanischen Autohersteller.

Das hätte eigentlich das Ende von Explorer und Grand Cherokee bedeuten müssen. Hätte, hat es aber nicht. Beide Autos kommen wieder, Ford und Chrysler schicken noch in diesem Jahr zwei Neuauflagen der SUV-Klassiker auf den Markt. Ein Harakiri-Kommando? Keineswegs. Die Amerikaner kaufen wieder SUVs. Und wie. Im Mai ist der Absatz von mittleren und großen Geländewagen laut Motorintelligence.com im Vergleich zum Vorjahresmonat um 20,7 bzw. 14,6 Prozent angestiegen - während gleichzeitig 18,4 Prozent weniger kleine Geländewagen verkauft worden sind. Ach, und besonders große Luxus-SUVs wurden gleich 20,8 Prozent mehr verkauft. Size matters, auf die Größe kommt es wieder an.

Dass sich in der Top 20 der meist verkauften Autos auf den beiden ersten Plätzen zwei schwere Pick-ups finden und ein Sprit sparendes Auto mit Hybrid-Antrieb wie der Toyota Prius es nur auf den 17. Rang schafft, passt da ins Bild. Genauso wie die Pläne von Ford und Chrysler, zwei ihrer einstigen Top-Seller wiederzubeleben. Der Absatz der Grand Cherokees ist im Mai um 15,8 Prozent gestiegen. Ein ermutigendes Zeichen für Chrysler und seinen Eigentümer Fiat. Und das ist auch dringend nötig. Denn die alten Boom-Zeiten der SUVs sind vorbei. Wie groß der tatsächlich war, lässt sich an den Verkaufszahlen ablesen.

Laut dem Marktforschungsinstitut IHS Global Insight konnte Chrysler 1999 unter dem Label der Tochter Jeep noch 300.000 Grand Cherokees absetzen. Im vergangenen Jahr waren es da nur noch 58.000. Das soll nicht so bleiben. Die Amerikaner kaufen wieder SUVs - und Chrysler will ihnen genau die Art von Geländewagen geben, nach der sich die Amerikaner sehnen. Und das heißt: Mehr von allem. Der neue Grand Cherokee bietet mehr Fuß- und Laderaum als das Vorgänger-Modell.

Und selbstverständlich kann der neue Grand Cherokee auf Straßen und Wege fahren, die wohl nur die wenigsten Autofahrer jemals einschlagen werden. Wie seine Vorgänger kann der neue Jeep sich zum Beispiel auch locker durch ein Flussbett kämpfen.

Dass ein echter großer Jeep auch anständig motorisiert sein will, versteht sich von selbst. Chrysler geht davon aus, dass sich 80 Prozent der Käufer für einen neu entwickelten Sechszylinder-Motor entscheiden werden, der 290 PS ins Rennen wirft und auch in Sportwagen zum Einsatz kommen soll. Auf einen Verbrauch von 13,8 Litern Benzin auf 100 Kilometer im Stadtverkehr und 10,23 Liter auf der Autobahn müssen sich die Fahrer einstellen. Auf das Thema Umweltbewusstsein hat Chrysler reagiert - etwa dadurch, dass der Zusatz "Hemi" - der besonders potente wie Sprit fressende Aggregate ziert - nicht mehr auf einem Grand Cherokee zu finden sein soll, gleichwohl ein 5,7 Liter V-8 unter der Motorhaube steckt.

Im Vergleich dazu sieht der neue Explorer von Ford fast schon wie ein Hänfling aus. Vier- statt Sechszylinder heißt die Devise, der Spritverbrauch des neuen Explorer soll 25 Prozent unter dem des Vorgänger-Modells liegen - der verbraucht heute zwischen 16,8 und 11,76 Liter auf 100 Kilometer. Und im Gegensatz zum Grand Cherokee steht neue Explorer auf der Plattform einer Mittelklasse-Limousine, was den SUV von den Fahreigenschaften eigentlich viel näher an ein "normales" Auto denn an einen Geländewagen rückt.

Trotzdem soll natürlich auch der neue Forrester ein echter, harter SUV fürs Grobe sein. Amerikanische Autofahrer, so die Marktforscher von Ford, wollen ein Fahrzeug, dass ihnen alle Freiheiten bietet - also auch die, einen schweren Hänger zu transportieren, auch wenn acht von acht von Ford befragten Männern das in der Praxis eigentlich nie tun. Verzichten will auf dieses Feature aber natürlich auch niemand, selbst wenn dies das Fahrzeug schwerer macht und damit einen höheren Spritverbrauch bedeutet. Daran ändert auch eine Ölkatastrophe wie die im Golf von Mexiko nichts. Aufs Öl will und kann der amerikanische Autofahrer nicht verzichten. Erst recht nicht zu Lasten eines SUVs.

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