Forscher Beyreuther: Alzheimer-Medikamente bislang wirkungslos

Forscher Beyreuther: Alzheimer-Medikamente bislang wirkungslos

von Dieter Dürand und Susanne Kutter

Die Krankheit Alzheimer kann bis heute weder eindeutig nachgewiesen werden noch gibt es wirksame Medikamente gegen sie, behauptet die Wissenschaftsjournalistin Cornelia Stolze in ihrem Buch "Vergiss Alzheimer". Im Disput mit dem renommierten Alzheimer-Forscher Konrad Beyreuther muss er ihr in vielen Punkten Recht geben und eigene Irrwege einräumen.

Gegen die Krankheit Alzheimer gibt es derzeit kein einziges wirksames Medikament. Das räumt der renommierte Alzheimer-Forscher Konrad Beyreuther bei einem Streitgespräch mit der Diplom-Biologin und Wissenschaftsjournalistin Cornelia Stolze ein, deren Buch "Vergiss Alzheimer" gerade erschienen ist. Konfrontiert mit Stolzes Ausgangsthese: "In Wirklichkeit weiß niemand, was Alzheimer ist", spricht Beyreuther, der als Pionier der Alzheimer-Forschung gilt, den vier Alzheimer-Mitteln auf dem Markt – Aricept, Exelon, Ebixa und Reminyl – die versprochene Wirkung ab: "Sie halten den Krankheitsverlauf nicht auf", sagt Beyreuther.

Auf Stolzes Vorwurf, er habe jahrelang einen nutzlosen Alzheimer-Test propagiert und die vorsorgliche Einnahme von Medikamenten wie blutfettsenkenden Statinen empfohlen, gesteht Beyreuther auch bei seiner eigenen Arbeit Fehleinschätzungen ein: „Beides würde ich heute so nicht mehr sagen.“ Der von ihm vor zehn Jahren entwickelte und heute vom Pharmakonzern Merck vertriebene Biomarker-Test zum Nachweis von Alzheimer typischen Proteinablagerungen im Gehirn lasse keine klinische Diagnose zu, sagt der Forscher heute: „Ärzte definieren Krankheiten. Ich bin Molekularbiologe und erforsche die biochemischen Abläufe. Ablagerungen sind das Erste, was wir sehen, wenn der Krankheitsprozess angestoßen wird. Doch bis erste Gedächtnislücken und andere klinische Symptome auftreten, gibt es eine stumme Phase der Krankheit. Die kann 30 Jahre dauern.“

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Auch die von ihm lange Zeit in Aussicht gestellten Medikamente oder Impfungen sind laut Beyreuther in absehbarer Zeit nicht zu erwarten: "Ich glaube heute nicht mehr daran, dass eine Impfung funktionieren wird. Auch wirksame Alzheimer-Medikamente sind in weiter Ferne. Hier gab es seit Jahren fast nur Rückschläge." 

Beyreuther (70) war bis zu seiner Emeritierung Direktor des Zentrums für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg. Dort erforschte er seit 1988 die Grundlagen der Alzheimer-Krankheit, wofür er 2004 das Bundesverdienstkreuz erhielt. Von 2001 bis 2006 beriet er das baden-württembergische Kabinett in Sachen Lebenswissenschaften. Heute leitet Beyreuther in Heidelberg das von ihm 2006 mitgegründete Netzwerk Alternsforschung.

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