Frankreich - Deutschland: Fusionen zwischen fatal und formidable

Frankreich - Deutschland: Fusionen zwischen fatal und formidable

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Logo des Pharma-Unternehmens Sanofi Aventis

von Jürgen Salz und Lothar Schnitzler

Deutsch-französische Firmenehen enden oft im Kleinkrieg. Doch wenn es gelingt, das Gezänk in produktive Spannung umzuwandeln, sind die binationalen Verbindungen unschlagbar.

Es hätte eine so schöne Liaison werden können. Die beiden Bosse verstanden sich. Die Türen zum Nachbarbüro waren immer offen; man duzte sich. Dazu kam ein kompliziertes Proporzsystem, das garantieren sollte, dass die Machtverteilung zwischen Deutschen und Franzosen nicht aus der Balance geriet: Der im Herbst 1999 aus Hoechst und Rhône-Poulenc gebildete Pharmariese Aventis sollte Europa in der Bio- und Gentechnik zur Blüte bringen.

Doch nach etlichen Machtkämpfen zwischen Deutschen und Franzosen ging nichts mehr. Schließlich übernahm der französische Sanofi-Konzern mithilfe der Regierung in Paris Aventis – eine Niederlage, die in den Köpfen von deutschen Managern und Politikern auch heute, nach sieben Jahren, noch nachwirkt. Denn jetzt fürchten die Deutschen, dass dem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS ein ähnliches Schicksal blühen könnte.

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Die Aventis-Angst geht wieder um. Denn der EADS-Großaktionär Daimler will sich jetzt von der Hälfte seines 15-Prozent-Anteils trennen. Zurzeit gehören weitere 7,5 Prozent des Luftfahrtkonzerns deutschen Banken. Die französische Staatsholding Sogepa und die Familienholding Lagadère halten mit rund 22,5 Prozent ebenso viele Anteile wie die Deutschen. Die französische Seite hat jedoch ein Vorkaufsrecht, falls Daimler seine Anteile abstößt.

Mentalitäten ergänzen sich

„Der Fall Aventis zeigt, dass die Deutschen machtpolitisch einen blinden Fleck haben und deshalb oft den Kürzeren bei Kooperationen mit Franzosen ziehen“, sagt Jochen-Peter Breuer. Der Mitgründer und Gesellschafter von JPB, einer in La Rochette bei Paris ansässigen Unternehmensberatung, muss es wissen. Seit über 20 Jahren beraten er und sein französischer Partner Pierre de Bartha Konzerne, wenn es bei multinationalen Partnerschaften knirscht. „Deutsch-französische Firmenehen sind schwierig“, meint Breuer. „Wenn aber die Unternehmen die Unterschiede aufarbeiten, ergänzen sich die Mentalitäten in idealer Weise.“

Geht es um Geschäft und Politik, haben die Franzosen ein ungebrochenes Verhältnis zur Macht. Konsens, Kompromisse, das Suchen nach Win-win-Lösungen ist nicht ihre Sache. Lernen Deutsche in der Schule, wie sie als disziplinierter Teil eines Teams ihre Ziele erreichen, werden junge Franzosen in Schule und Universität auf Originalität, elitäre Exzellenz und Machtstreben getrimmt.

„Eine Partnerschaft einzugehen gilt in Frankreich zunächst als Beleg, dass man es allein nicht schaffen kann“, erklärt Breuer. Fusionen auf Augenhöhe oder Kooperationen erleben französische Manager daher als Eingeständnis der Schwäche, das nur eine spätere Machtübernahme ausputzen kann.

So war es auch bei Aventis. 2002 wechselte der deutsche Aventis-Chef Jürgen Dormann, der Hoechst in die Fusion geführt hatte, an die Spitze des Verwaltungsrats. Der einstige deutsche „Manager des Jahres“ unterschätzte den Machtwillen der Franzosen. Das Kommando bei Aventis übernahm der Franzose Igor Landau. Dormann kümmerte sich statt um die Kontrolle bei Aventis fortan mehr um den Chefposten beim Schweizer Industriekonzern ABB, bei dem er zwischenzeitlich angeheuert hatte. Unter Landau wurde Aventis mehr und mehr französisch. Fünf Jahre nach der Fusion kam es dann im Jahr 2004 zum letzten Akt, der vollständigen Übernahme durch Sanofi.

Träumer und Realisten

Damit das gleiche Schicksal nun nicht auch EADS ereilt, will die Bundesregierung rechtzeitig handeln. Um zu verhindern, dass die Franzosen alle Macht an sich reißen, sollen die zum Verkauf stehenden Anteile als Paket an deutsche Banken gegeben oder die Anteile gleich vom Bund gekauft werden.

Macht, so wissen die Deutschen heute, ist für Frankreichs Wirtschafts- und Politelite ein Ziel an sich. „Deutsche gehen in Kooperationen, weil sie Geld verdienen wollen“, ist die Beobachtung von Breuer. „Franzosen hingegen streben nach Macht und Reputation.“

Viel mehr wäre für beide Länder möglich, wenn sie sich weniger in binationalen Querelen verzetteln und stattdessen ihre kulturellen Unterschiede nutzen würden: Gerade in der deutsch-französischen Luftfahrtindustrie, wo die Machtkämpfe besonders hartnäckig toben, zeigt sich, was Franzosen und Deutsche zusammen auf die Beine stellen können, wenn sie denn wollen. 

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